Mit einem halben Jahr Verspätung kann Evonik seinen US-Deal eintüten: Peroxychem ist nun Teil der Essener.

Evonik

04.02.20
Deals

Evonik bei US-Übernahme endlich am Ziel

Nach einem langen hin und her mit den Kartellbehörden gelingt Evonik nun doch die Peroxychem-Übernahme. CFO Ute Wolf kann sich sogar über ein niedrigeres Kaufpreis-Multiple freuen.

Evonik bekommt für seine US-Übernahme endlich grünes Licht: Der MDax-Konzern darf den amerikanischen Chemiehersteller Peroxychem von dem Finanzinvestor One Equity Partners für 640 Millionen US-Dollar (knapp 580 Millionen Euro) übernehmen. Das zuständige Gericht in Washington D.C. hatte die von der US-Wettbewerbsbehörde Federal Trade Commission (FTC) eingereichte Klage abgewiesen. Die Integration Peroxychems in das Evonik-Segment Resource Efficiency werde nun unverzüglich anlaufen, teilt der Konzern mit.

Zeitweise sah es so aus, als könnte der Deal noch kippen: Im Sommer vergangenen Jahres teilte die FTC mit, gegen die Übernahme Klage einzureichen. Der Zusammenschluss werde die Konkurrenz für die Herstellung und den Verkauf von Wasserstoffperoxid in weiten Teilen der USA stark einschränken, lautete das Argument damals. Evonik und Peroxychem betonten, man werde im Gerichtsverfahren um den Deal kämpfen – mit Erfolg, wie sich jetzt zeigt.

Evonik feiert eindeutigen Sieg über FTC

„Das ist für uns ein eindeutiger Sieg“, erklärte der Konzernsprecher. Das Gericht folgte in seiner Urteilsbegründung der Sicht Evoniks, dass der Wasserstoffperoxidmarkt besondere Eigenheiten vorweist, die die FTC nicht berücksichtigte: Zum einen habe die Kartellbehörde die regionalen Märkte ungenügend bestimmt („ill defined markets“) und zum anderen behandelte sie alle wasserstoffperoxidhaltigen Produkte – von der Papierbleiche bis zum Raketentreibstoff – als Teil desselben Marktes, wie es in der Urteilsbegründung heißt.

Eine kartellrechtliche Auflage musste Evonik aber letztlich dennoch erfüllen: Peroxychem wird einen seiner kanadischen Produktionsstandorte verkaufen müssen. Damit hatten Branchenbeobachter bereits gerechnet.

Peroxychems Kaufpreismultiple gesunken

Die jetzt bezahlten 640 Millionen US-Dollar liegen 15 Millionen über dem ursprünglich veranschlagten Preis von 625 Millionen US-Dollar. Grund hierfür ist die von Peroxychem im vergangenen Jahr in Betrieb genommene Abwasseraufbereitungsanlage in Tennessee. Diese soll bereits dieses Jahr aufgrund eines langfristigen Liefervertrags mit der Stadt Memphis einen stabilen Ergebnisbeitrag liefern, so der Konzern. In diesem Fall sei der höhere Kaufpreis bereits im Vorfeld vertraglich vereinbart gewesen.

Die FTC-Klage hat dem MDax-Konzern nun zwar eine Verzögerung von rund einem halben Jahr eingebrockt, gleichzeitig allerdings das Kaufpreismultiple leicht zu Gunsten der Essener gesenkt.

Evonik rechnete zu Beginn der Übernahme im November 2018 noch mit einem Multiple von dem 7,8-fachen des jährlich bereinigten Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) inklusive Synergien und dem 10,4-fachen vor Synergien.

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Ute Wolf, Evonik Industries AG

Ute Wolf startet ihre berufliche Laufbahn 1991 als Trainee bei der Deutschen Bank in Frankfurt. Danach arbeitet sie dort zwei Jahre als Aktienanalystin und ist ein Jahr zuständig für OTC-Derivate und Großkundenbetreuung. Sie wechselt 1995 zur Deutschen Telekom, für die sie bis 2000 als Teamleiterin Risikomanagement und Finanzplanung tätig ist. Anschließend ist Ute Wolf bei der Metro AG bis 2005 Abteilungsleiterin Finanzmanagement sowie Geschäftsführerin der Finanzierungstochter Metro Finance BV.

Ab 2006 leitet sie den Zentralbereich Finanzen der RAG in Essen. Diese Funktion hat sie im Zuge der Umstrukturierung des Unternehmens auch bei der neu entstandenen Evonik Industries von 2007 bis September 2013 inne, bis sie in die Unternehmensspitze berufen wird: Seit dem 1. Oktober 2013 ist Ute Wolf Finanzvorstand des MDax-Konzerns Evonik Industries.

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In der Zwischenzeit konnte Peroxychem allerdings seine Geschäftszahlen für 2019 vorlegen – und die zeigen nach oben: 2019 erwirtschaftete Peroxychem nach Angaben von Evonik einen Umsatz von knapp 300 Millionen US-Dollar bei einem bereinigtem Ebitda von über 64 Millionen US-Dollar. Im Vorjahr waren Umsatz und Ebitda leicht darunter.

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Dadurch liegt dem Kaufpreis nun ein Multiple vom 7,6-fachen des jährlich bereinigten Ebitda inklusive Synergien und dem 9,9-fachen des jährlich bereinigten Ebitda ohne diese Synergien zugrunde – und das, obwohl Evonik 15 Millionen US-Dollar mehr zahlen musste. Damit ist das Kaufpreis-Multiple, für den Evonik bereits Kritik einstecken musste, immerhin etwas geringer. Die Börse hatte die Ankündigung des Deals Ende 2018 skeptisch aufgenommen, da Evonik nach Zukäufen aus den Vorjahren eine hohe Nettofinanzverschuldung angehäuft hat und zudem durch hohe Pensionsrückstellungen belastet wird.

Evonik konzentriert sich auf Spezialchemie

Die Übernahme von Peroxychem ist das Resultat einer Neujustierung des Chemiekonzerns auf das profitablere und weniger konjunkturanfällige Spezialchemiegeschäft, wozu auch das Wasserstoffperoxidgeschäft gehört.

Anfang 2019 verkaufte Evonik bereits seine Plexiglassparte für 3 Milliarden Euro an den Finanzinvestor Advent. Die durch den M&A-Deal gewonnen Ressourcen „investieren wir wie geplant in den gezielten Ausbau margenstarker und weniger zyklischer Geschäfte mit hohem Spezialitäten-Anteil und starkem Free-Cashflow“, erklärt Evonik-CFO Ute Wolf.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de