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02.07.19
Deals

Financial und Commercial Due Diligence: So hebt man Synergien

Financial und Commercial Due Diligence sind eng verzahnt. Wer einige Punkte beachtet, kann dadurch bei M&A-Prozessen erhebliche Synergien heben.

Vor einem M&A-Deal ist eine ausführliche Due Diligence ein Muss. Das bedeutet auch, dass auf die Kaufinteressenten einiges an Beraterkosten zukommt. Zwei Prüfstränge stehen meist ganz besonders im Fokus: Die Financial Due Diligence, bei der die Finanzlage des Targets auf dem Prüfstand steht, und die Commercial Due Diligence, die einen Überblick über die Markt- und Wettbewerbssituation gibt.

„Zwischen Financial und Commercial Due Diligence gibt es viele Schnittstellen. Deshalb ist es oft sinnvoll, wenn sich die Berater beider Seiten austauschen“, findet Alexander Lüring, Partner der Strategieberatung Homburg & Partner, der häufig für Private-Equity-Investoren potentielle Zielunternehmen im Rahmen einer Commercial Due Diligence unter die Lupe nimmt. 

Bringt die Due Diligence einheitliche Ergebnisse?

Eine Kerngröße, die sowohl bei der Commercial als auch bei der Financial Due Diligence intensiv betrachtet wird, ist der Umsatz des Zielunternehmens. Allerdings schauen die Berater beider Prüfstränge mit unterschiedlichem Fokus auf diese Kennzahl und können zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen: „Es gibt Fälle, in denen die Commercial Due Diligence ein deutliches Marktpotential für mehr Umsatz ergibt“, berichtet Lüring. Allerdings kann es sein, dass das Zielunternehmen gar nicht über die Ressourcen verfügt, dieses Marktpotential auszunutzen, etwa weil die Mittel für erforderliche Wachstumsinvestitionen fehlen. Dies würde in der Financial Due Diligence auffallen.

Fälle, in denen Kunden sich bewusst dafür entscheiden, die Stränge unabhängig voneinander laufen zu lassen, um zwei getrennte Meinungen zu erhalten, seien die Ausnahme, sagt Armand von Alberti, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei Ebner Stolz, der regelmäßig Financial Due Diligences begleitet. „Die meisten wollen ein Szenario vermeiden, in dem sie erst kurz vor der Entscheidungsfindung die Berichte der Financial und der Commercial Due Diligence nebeneinanderlegen und dann Widersprüche feststellen.“ Denn auch ein frühes negatives Fazit könne Zeit und Geld sparen, weil der Interessent so zum frühestmöglichen Zeitpunkt aus dem M&A-Prozess wieder aussteigen könne.

M&A-Prozess kann effizienter ablaufen

Prozessuale Hürden stehen einem engen Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Due-Diligence-Teams nicht im Weg, meint Lüring. Der Grund: Alle Berater müssen vorab eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben und zudem denselben Datenraum und damit dieselben Basisinformationen nutzen.

Das Zusammenspiel verschiedener Due-Diligence-Arten lässt sich mitunter sogar noch ausweiten: Neben der Commercial Due Diligence hat die Financial Due Diligence regelmäßig auch Schnittstellen zu Tax Due Diligence und Legal Due Diligence. Für den Kaufinteressenten könne es am Anfang etwas mehr Aufwand bedeuten, wenn verschiedene Berater zugleich am selben Meeting teilnehmen müssten, räumt von Alberti ein. „Dies holt man aber am Ende wieder rein, weil der Prozess deutlich effizienter läuft.“

Eine Verzahnung der verschiedenen Stränge könne manche Punkte beschleunigen: „Wenn sich die Teams absprechen, können sie etwa bei Fragerunden mit dem Management des Verkäufers ihre Fragen bündeln.“ Dies habe dann oft den positiven Nebeneffekt, dass der Kaufinteressent und sein Team insgesamt einen professionelleren Eindruck beim Verkäufer hinterlassen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Infos über die verschiedenen Stränge einer Unternehmensprüfung finden Sie auf unserer Themenseite Due Diligence. Eine Orientierung zur Unternehmensbewertung im Rahmen von M&A-Deals bieten unsere FINANCE-Multiples.