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Hedgefonds geht gegen Deutsche Wohnen vor

Der US-Hedgefonds Davidson Kempner geht gegen die Deutsche Wohnen vor. Foto: Georgios Anastasiades

Und wieder gibt es Ärger um die geplante Übernahme der Deutschen Wohnen durch Vonovia. Nun will Großaktionär Davidson Kempner rechtlich gegen das Management der Deutschen Wohnen vorgehen und legt der kurz vor dem Abschluss stehenden Megafusion auf dem deutschen Wohnungsmarkt damit auf den letzten Metern noch Steine in den Weg. Mit einer angestrebten einstweiligen Verfügung soll die direkte Übergabe von Aktien von der Deutschen Wohnen an Vonovia verhindert werden.

Die Deutsche Wohnen will nach den Plänen ihres Vorstandes Vonovia durch den Verkauf 0,93 Prozent der eigenen Aktien unterstützen. Zudem ist eine Barkapitalerhöhung von 5,17 Prozent geplant, deren Anteile ebenfalls an Vonovia gehen sollen. „Der Vorstand hat damit Vonovia effektiv die Kontrolle über Deutsche Wohnen verschafft und seine eigenen Aktionäre umgangen“, kritisierte der Hedgefonds.

Davidson Kempner greift Vorstand der Deutschen Wohnen an

Der Investor, der nach eigenen Angaben aktuell 3,2 Prozent des Grundkapitals der Deutschen Wohnen hält, kritisiert vor allem das Deutsche-Wohnen-Management. Einige Vorstandsmitglieder der Deutschen Wohnen hätten „attraktive Positionen“ in dem zukünftigen zusammengeschlossenen Unternehmen angeboten bekommen. Sie hätten daraufhin „eine Reihe von beispiellosen und rechtlich fragwürdigen Initiativen ergriffen, mit dem einzigen Zweck, Vonovia zu helfen, die Kontrolle trotz des Widerstands der Aktionäre“ zu erlangen.

Der Hedgefonds moniert zudem, dass der Deutsche-Wohnen-Vorstand dem nachgebesserten Übernahmeangebot von Vonovia sofort zugestimmt habe, obwohl sich nur wenige Parameter geändert hätten. Darüber hinaus hätte die Streichung aller Bedingungen zur Folge, dass der Deal „quasi durch“ sei, bevor Vonovia die Mehrheit der Anteile übernommen habe, so der Hedgefonds. Auch von anderer Seite wird kritisiert, dass Vonovia inzwischen mit Zustimmung der Deutschen Wohnen die Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent gestrichen hat.

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Großaktionär wittert „gefährlichen Präzedenzfall“

Der Finanzinvestor betont die weitreichenden Auswirkungen, die der Fall haben könnte: „Damit wird in Deutschland ein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen, bei dem die Vorstände faktisch über das Schicksal eines Unternehmens entscheiden können und die Aktionärsdemokratie untergraben wird“, betont er in seiner Stellungnahme.

Bei der Deutsche Wohnen sieht man dies anders: „Die Deutsche Wohnen sieht den Versuch von Davidson Kempner, eine einstweilige Verfügung zu erwirken, als vollkommen substanzlos an und setzt sich gegen die Beantragung der einstweiligen Verfügung zur Wehr“, teilt das Unternehmen auf FINANCE-Anfrage mit. „Angesichts des Umstands, dass per Freitag letzter Woche bereits 48,5 Prozent der Aktionäre der Deutsche Wohnen ihre Aktien in das Angebot eingereicht hatten, werden die Maßnahmen, die mit der substanzlosen Forderung nach einer einstweiligen Verfügung angegriffen werden, aller Voraussicht nach ohnehin nie relevant werden“, heißt es von den Berlinern weiter.

Deal wohl nicht mehr zu stoppen

Damit dürfte der 19 Milliarden Euro schwere M&A-Deal wohl nicht mehr zu stoppen sein. Mit dem Zusammenschluss, den das Bundeskartellamt bereits abgesegnet hat, entsteht der mit Abstand größte Wohnungskonzern Europas mit Wohnungen im Gesamtwert von etwa 80 Milliarden Euro.

In einem ersten Versuch hatte Vonovia noch 52 Euro je Aktie geboten, war allerdings – nicht zuletzt wegen des Widerstands von Hedgefonds – an der notwendigen Mindestannahmeschwelle gescheitert. Am Ende hatte Vonovia nur 47,6 Prozent der Anteile an der Deutschen Wohnen einsammeln können. Für das neuerliche Angebot hat der Immobilienkonzern sein Angebot auf 53 Euro je Aktie erhöht. Durch die Streichung der Mindestannahmeschwelle hat sich zudem der Angebotszeitraum verlängert und läuft noch bis zum 4. Oktober.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

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