Inside Corporate Banking

Abonnements

Startseite Finanzierungen Deutschland Vonovia schlägt am Anleihemarkt zu

Vonovia schlägt am Anleihemarkt zu

Vonovia refinanziert einen Teil des Brückenkredits für die Übernahme der Deutschen Wohnen mit Anleihen über 4 Milliarden Euro.
Vonovia

Gelungener Auftakt bei der Refinanzierung des milliardenschweren Deutsche-Wohnen-Deals: Vonovia hat fünf unbesicherte und festverzinsliche Anleihen im Volumen von insgesamt 4 Milliarden Euro am Kapitalmarkt platziert. Wie der Dax-Konzern heute früh mitteilte, war der Ansturm auf die Anleihe groß: Mit einer Nachfrage von knapp 18 Milliarden Euro war die Anleihe 4,5-fach überzeichnet.

Vonovia-Finanzchefin Helene von Roeder, die im Zuge der Transaktion zur Digitalvorständin des fusionierten Konzerns wird, freut sich über das Vertrauen der Investoren: „Die erfolgreiche Platzierung der Unternehmensanleihen ist ein wichtiges Signal des Kapitalmarkts. Wir freuen uns, dass die Investoren den Zusammenschluss mit Deutsche Wohnen für strategisch sinnvoll für unser Unternehmen bewerten.“

Vonovia platziert Anleihetranche mit negativer Rendite

Die Emission besteht aus fünf Tranchen mit unterschiedlichen Konditionen. Die erste Tranche ist 500 Millionen Euro schwer, wird mit einem Kupon von 0 Prozent verzinst und läuft über 3,25 Jahre. Nach FINANCE-Informationen waren die Investoren bei dieser Tranche sogar bereit, eine negative Rendite zu akzeptieren. Die nächsten drei Tranchen haben ein Volumen von jeweils 1 Milliarde Euro und laufen sechs, achteinhalb und zwölf Jahre. Die Kupons betragen 0,375, 0,625 und 1 Prozent. Die längste Tranche läuft über 20 Jahre, ist 500 Millionen Euro schwer und hat einen Kupon von 1,5 Prozent.

Die Erlöse will Vonovia im Wesentlichen für die Finanzierung des M&A-Deals mit der Deutschen Wohnen verwenden. Um die Akquisitionsfinanzierung frühzeitig festzuzurren, hat Vonovia einen Brückenkredit über 22,4 Milliarden Euro arrangiert, der aber nach Angaben des Konzern so schnell wie möglich abgelöst werden soll. Der Bridge Loan wird von Société Générale, Morgan Stanley und Bank of America Merrill Lynch gestellt, Details zu den Konditionen gab Vonovia nicht bekannt.

 

 

FINANCE-Köpfe

Helene von Roeder, Vonovia SE

Nach ihren Studien in München und Cambridge beginnt die Astrophysikerin Helene von Roeder ihre Karriere 1995 im Risikocontrolling bei der Deutschen Bank in London. 2000 wechselt sie als Director zur Schweizer Bank UBS, ehe sie 2002 zum Executive Director aufsteigt.

Nach einer kurzen Station beim Finanzdienstleister Merrill Lynch geht von Roeder 2004 zu Morgan Stanley. Nach verschiedenen Führungspositionen beruft sie die US-Bank 2013 in den Vorstand. 2014 wechselt von Roeder zur Credit Suisse und leitet für die Schweizer Großbank das Deutschlandgeschäft. Im Mai 2018 übernimmt die Managerin das Finanzressort beim Immobilienkonzern Vonovia, nachdem der bisherige CFO Stefan Kirsten das Unternehmen verlassen hat.

zum Profil

Vonovia löst mit Anleihen Teil der Brückenfinanzierung ab

Mit der milliardenschweren Bondtransaktion kann Vonovia nun einen Teil des Brückenkredits ablösen, bevor der Deal überhaupt über die Bühne gegangen ist. Das Closing ist für das zweite Halbjahr geplant. Sollte die Transaktion doch nicht zustande kommen, wollen die Bochumer die frischen finanziellen Mittel zur Refinanzierung anstehender Verbindlichkeiten verwenden, teilte eine Unternehmenssprecherin auf FINANCE-Nachfrage mit.

Da der Immobilienmarkt noch sehr fragmentiert ist, ist allerdings nicht mit Einwänden seitens der Kartellbehörden zu rechnen. Darüber hinaus liegt die Mindestannahmeschwelle der Transaktion bei 50 Prozent – eine verhältnismäßig niedrige Schwelle. Auch der Vorstand der Deutschen Wohnen um Finanzchef Philip Grosse, der zum CFO des kombinierten Unternehmens aufsteigt, unterstützt den Deal.

Investmentgrade-Rating von Vonovia steht

Vonovia hatte Ende Mai dieses Jahres angekündigt, den Wettbewerber Deutsche Wohnen für einen Eigenkapitalwert von 18 Milliarden Euro übernehmen zu wollen. Dabei zahlt Vonovia je Deutsche-Wohnen-Aktie rund 53 Euro. Gemeinsam käme das fusionierte Unternehmen dann auf eine Börsenbewertung von stolzen 45 Milliarden Euro – ein echtes Schwergewicht am Immobilienmarkt, das auf einen Bestand von über 500.000 Wohnungen im Wert von knapp 90 Milliarden Euro kommt.

Für die Refinanzierung des Deals setzt das Management auf drei Bausteine: 6 bis 8 Milliarden Euro will Vonovia durch Anleihen oder Hybrid-Bonds refinanzieren – hier ist der Auftakt nun gemacht. Bis zu 8 Milliarden Euro sollen durch eine Kapitalerhöhung eingeworben werden. Zudem plant der Immobilienriese mehrere Veräußerungen, unter anderem könnten rund 20.000 Wohneinheiten an die Stadt Berlin verkauft werden.

Für diese mehrstufige Finanzierungsstruktur hat sich Vonovia entschieden, um das Investmentgrade-Rating nicht zu gefährden. Das ist dem Dax-Konzern gelungen, obwohl im Zuge des Deals 6,4 Milliarden Euro an Finanzverbindlichkeiten der Deutschen Wohnen auf ihn umgeschuldet werden: Moody’s hat dem Immobilienkonzern ein erstes Rating ausgestellt, das bei A3 im mittleren Investmentgrade-Bereich rangiert. Der Ausblick ist stabil. Standard & Poor’s bewertet Vonovia nach wie vor mit BBB+, das Rating von Scope liegt bei A-. Beide Agenturen haben das Rating mit einem stabilen Ausblick versehen.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Info

Einen Überblick über die Finanzierungen der vergangenen Wochen und Monate finden Sie auf unserer Themenseite Finanzierungsticker. Mehr über die CFOs der beiden Immobilienkonzernen erfahren Sie auf den FINANCE-Köpfe-Profilen von Helene von Roeder und Philip Grosse.

+ posts

Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.