Schlechte Nachrichten für Heildeldruck: Der Verkauf der Gallus-Gruppe platzt in letzter Sekunde.

Heildelberger Druckmaschinen

01.02.21
Deals

M&A-Rückschlag für Heideldruck

Eigentlich wollte Heideldruck den Verkauf der Gallus-Gruppe Ende Januar abschließen. Stattdessen verkündet der Druckmaschinenbauer, dass der Deal geplatzt ist. Das sind die Gründe.

Dramatische Wende bei einem zentralen M&A-Deal für die Sanierung von Heideldruck: Auf den letzten Metern ist der geplante Verkauf der Gallus-Gruppe geplatzt. Wie das Unternehmen am Freitagabend bekanntgab, konnte die im vergangenen Juli angekündigte Übernahme durch die Schweizer Industriegruppe Benpac nicht vollzogen werden. Der Grund: Benpac hat den Kaufpreis nicht gezahlt.

Es geht um 120 Millionen Euro, die die Schweizer nicht überwiesen, obwohl dafür Heideldruck zufolge „alle Voraussetzungen vorlagen“. Für den Druckmaschinenbauer kam der fehlende Eingang des Kaufpreises daher nach eigenem Bekunden sehr überraschend: „Heidelberg musste bis zuletzt davon ausgehen, die Transaktion erfolgreich abzuschließen“, heißt es in der Mitteilung.
 

Benpac verschob Closing schon einmal

Allerdings zeichneten sich bereits vor einigen Wochen Schwierigkeiten im Dealprozess ab: Eigentlich war das Closing bis Ende vergangenen Jahres angesetzt, am 29. Dezember teilte Heidelberger Druckmaschinen dann aber mit, dass die Käuferin das Closing in 2020 nicht mehr durchführen könne und der Dealabschluss nun auf Ende Januar 2021 verschoben werde. Als Grund wurde damals die erst am 23. Dezember erfolgte Freigabe durch das Bundeskartellamt angeführt.

Dass sich ein Closing wegen Kartellfreigaben verzögert, ist an sich nicht ungewöhnlich und kommt häufiger vor. Dass Heideldruck jedoch im gleichen Zuge mitteilte, dass der Benpac-Eigentümer Marco Corvi „zur Sicherstellung der Kaufpreiszahlung gegenüber Heidelberg persönliche notarielle Schuldanerkenntnisse in Höhe des insgesamt ausstehenden Kaufpreises von 120 Millionen Euro abgegeben“ habe, ließ aufhorchen.

Es ist ein ungewöhnlicher Vorgang, zumal Schweizer Medienberichte zuletzt Zweifel am Geschäftsgebaren des 2014 gegründeten Verpackungsherstellers Benpac, dessen CEO Corvi ist, aufkommen ließen. So berichteten das Online-Nachrichtenmagazin „bote.ch“ und die „Luzerner Zeitung“ unter Berufung auf ehemalige Geschäftspartner, Mitarbeiter und externe Berater von diversen Ungereimtheiten im Umgang mit dem Unternehmen. Corvi habe die Vorwürfe vehement zurückgewiesen, heißt es in den Berichten.

Update 16:35: Auf Anfrage von FINANCE erklärte das Unternehmen, weder die Benpac Holding noch die Person Marco Corvi befänden sich in finanziellen Schwierigkeiten. Die Entscheidung das Closing nicht zu vollziehen, sei am Freitag gefallen: „Die Gründe für den Entscheid liegen im Wesentlichen im Widerstand, welchem Benpac in den vergangenen Monaten ausgesetzt war", heißt es in dem Statement: „Die Reaktionen aus dem Markt, aber auch aus den Gallus-Firmen selbst waren so stark, dass eine erfolgreiche Umsetzung in Frage gestellt werden musste."

Auch die negative Medienberichte, die der Reputation des Unternehmen und der Person Corvi Schaden zugefügt hätten, hätten zu der Entscheidung beigetragen, so die Schweizer. Zudem habe es unterschiedliche Auslegungen des Zusammenarbeitsvertrages zwischen Gallus und Benpac gegeben. Der Verwaltungsrat von Benpac bedauere die gescheiterte Übernahme. Nun wolle man sich aber auf das Kerngeschäft der Gruppe konzentrieren.

Ein Sprecher von Heideldruck wollte die Vorgänge bei Benpac auf Nachfrage nicht kommentieren. Er erklärte allerdings: „Der Verkaufsprozess ist nach den üblichen internationalen M&A-Standards durchgeführt worden.“ Die Solvenz der Käuferin sei im Vorfeld geprüft worden. Zudem habe man die im Kaufvertrag festgehaltenen Pflichten eingehalten. Das Unternehmen will daher nun „seine Rechte geltend machen“. Zur Höhe der bereits entstandenen Kosten für den Deal wollte sich der Sprecher nicht äußern. Heideldruck ließ sich bei der Transaktion von der Kanzlei DLA Piper beraten. Auf der Seite von Benpac war GCA Altium aktiv.

FINANCE-Köpfe

Marcus A. Wassenberg, Heidelberger Druckmaschinen AG

Seine Karriere beginnt Wassenberg 1998 bei dem Wirtschaftsprüfer BDO als Auditor. 1999 wird er zum ersten Mal CFO bei der PR-Agentur KohtesKlewes in Düsseldorf. 2006 wechselt er die Branche und wird Geschäftsführer der Luftfahrtgruppe Cirrus in München, wo er sechs Jahre bleibt. 2012 wird er CFO des Windanlagenbauers Senvion, 2015 geht er in gleicher Funktion zu dem Motorenbauer Rolls-Royce Power Systems an den Bodensee.

Dort leitet Wassenberg das Ressort Konzerndienstleistungen mit den Bereichen Controlling, Finanzen, IT-Anwendungen und Recht. Zusätzlich ist er auch Geschäftsführer der Rolls-Royce-Power-Systems-Tochter MTU. Im April 2019 kehrt er Rolls-Royce den Rücken, um ein halbes Jahr später als Finanzvorstand bei Heidelberger Druckmaschinen anzuheuern.

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Heildruck braucht das Deal-Geld dringend

Klar ist: Der geplatzte Deal ist für die Heidelberger, die seit zwei Jahrzenten in einer Dauerkrise stecken, eine schlechte Nachricht. Die Transaktion war nämlich ein fester Bestandteil der Restrukturierung von CFO Marcus Wassenberg. Bei Bekanntgabe des Verkaufs an die Benpac-Gruppe im Juli 2020 sagte das Unternehmen, dass der Deal zu einem Bilanzgewinn „im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich“ führen werde.

Für die Stärkung des Eigenkapitals und der Bilanz wäre der Deal ein Segen gewesen. Dass Besserung nötig ist, zeigen die aktuellen Zahlen: Die Eigenkapitalquote sank zum 30. September 2020 gemäß IFRS auf nur noch 5,3 Prozent.

Heideldruck versucht zu beruhigen: Seit März 2020 habe man die Nettoverschuldung um mehr als 250 Millionen Euro abgebaut und die Liquidität um rund 450 Millionen Euro verbessert. Durch das forcierte M&A-Programm werde man allein durch die im Dezember 2020 erfolgten Transaktionen Erlöse im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich erzielen. An der Börse kam die Nachricht dennoch schlecht an: Die Aktie des im SDax-notierten Unternehmen sackte heute Vormittag um rund 4 Prozent auf 1,16 Euro ab.

Wie geht es weiter mit der Gallus-Gruppe?

Die Gallus-Gruppe mit fünf Standorten und 430 Mitarbeiter soll nun unter dem eigenen Dach saniert, Vertrieb und Service sollen fortgeführt werden. Ob ein anderer Käufer gesucht wird, lässt das Unternehmen offen und schreibt stattdessen: „Für die unternehmerische Zukunft von Gallus wird Heidelberg jetzt verschiedene Optionen prüfen.“

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

 

 

Mehr zu Ausbildung, Vita und Karriere-Highlights des neuen Heideldruck-CFOs finden Sie im neuen FINANCE-Köpfe-Profil von Marcus Wassenberg.

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