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Home24 kauft Filialkette Butlers

Weihnachtsstimmung bei Butlers: In einem komplexen Deal schlüpft die Kölner Filialkette unter das Dach von Home24. Foto: Butlers
Weihnachtsstimmung bei Butlers: In einem komplexen Deal schlüpft die Kölner Filialkette unter das Dach von Home24. Foto: Butlers

Interessanter Deal in der deutschen Handelsbranche: Der Online-Möbelhändler Home24 übernimmt die Filialkette Butlers, die sich auf Dekorationsartikel und kleinere Einrichtungsgegenstände ausgerichtet hat. Beide Unternehmenszentralen in Berlin und Köln sollen erhalten bleiben. Hinter dem M&A-Deal stecken nach Aussage der beiden Unternehmenschef Wachstumsambitionen. Das Closing wird für das zweite Quartal 2022 angestrebt.  

Der Käufer Home24 will die Sortimente beider Händler miteinander verbinden: Künftig dürften in manchen Butlers-Filialen auch größere Möbel von Home 24 zu finden sein. Zugleich soll das Online-Sortiment von Home24 um Dekorationsartikel wachsen. Damit expandieren die Berliner in die Domäne des Münchener Onlinehändlers von Wohn-Accessoires Westwing. Beide E-Commerce-Spezialisten sind zur fast gleichen Zeit im Umfeld von Rocket Internet gegründet worden und weisen an der Börse seit ihren IPOs weitgehend synchrone Kursentwicklungen auf.

Butlers ist trotz Corona profitabel

„Die Sortimente von Home24 und Butlers ergänzen sich ideal“, meint Home24-Chef Marc Appelhoff. Die Kölner verfügen über 100 eigene und 32 Franchise-Filialen, in die nun auch Home24 hineindrängt. Home24 betreibt bereits zehn sogenannte „Showrooms“, in denen Kunden auch vor Ort Produkte des Online-Händlers testen können – und außerdem noch vier Outlet-Verkaufsstellen für Retouren-Ware.

Butlers erzielt einen Umsatz von 95 Millionen Euro und wirtschaftet trotz der Corona-Lage profitabel. 25 Prozent der Erlöse erwirtschaften die Kölner bereits online. Mit der Übernahme hofft Home24, von zusätzlichen 40 Millionen Kundenkontakten profitieren zu können, die Butlers pro Jahr erzielt. Durch die Verschmelzung der beiden Konzepte wird der Anteil des stationären Geschäfts am Europa-Umsatz von Home24 künftig auf 10 Prozent ansteigen. Dadurch will Home24 unabhängiger vom Online-Marketing werden.

Home 24 kauft Butlers: Ein komplexer Deal

Die Kaufpreiszahlung ist komplex strukturiert: Home24 übernimmt 100 Prozent der Butlers-Anteile, einer der Verkäufer ist Butlers-Gründer Wilhelm Josten.

25 Prozent des Preises bezahlt Home24 in Form von neuen Aktien an Josten. Der Unternehmer wird danach 3,9 Prozent der gesamten Aktienanzahl von Home24 halten und damit künftig der größte Einzelaktionär sein. Die an Josten ausgegebenen neuen Aktien werden mit 18 Euro bewertet, deutlich über dem aktuellen Home24-Kurs von rund 11 Euro, der heute nach Ankündigung des Deals um rund 4 Prozent anzieht. Gegen eine Kursflaute ist Josten aber abgesichert: Sollte der Kurs im Jahr 2026 nicht regelmäßig über 18 Euro notieren, erhielte Josten nachträglich einen Cash-Ausgleich von bis zu 5,55 Euro je Aktie.

Die übrigen 75 Prozent von Butlers zahlt Home24 in Cash – aber die dafür getroffenen Regelungen sind ebenfalls komplex. 65 Prozent dieser Cash-Komponente kosten den Käufer 48,6 Millionen Euro. Von dieser Summe werden noch Butlers-Schulden von gut 10 Millionen Euro abgezogen. Von den verbleibenden 38 Millionen Euro werden 11 Millionen Euro in Form eines Gesellschafterdarlehens der Verkäufer für 36 Monate gestundet.

Die übrigen 35 Prozent der Cash-Komponente werden als erfolgsabhängiger Earn-out strukturiert. Je nachdem, wie Butlers‘ Ergebnisse im zweiten Halbjahr dieses Jahres und in der ersten Jahreshälfte 2022 ausfallen, müsste Home24 bis zu 21 Millionen Euro bezahlen – oder auch gar nichts. Auch ein Teil dieser Kaufpreiskomponente soll über das Gesellschafterdarlehen gestundet werden.

Home24 will seine Kriegskasse schonen

Hinter der komplexen Struktur stehen strategische Motive: Home24 will nicht einen Großteil seiner Kriegskasse in diese eine Akquisition stecken. Das Unternehmen verfolgt auch ehrgeizige organische Wachstumspläne und benötigt nennenswerte Cash-Reserven für Marketing-Ausgaben und den Aufbau von Working Capital.

Zum Ende des dritten Quartals 2021 bilanzierte Home24-CFO Philipp Steinhäuser liquide Mittel von 130 Millionen Euro. Der Cashflow ist stark negativ: In den ersten drei Quartalen lag der negative Free Cashflow bei 87 Millionen Euro. Der größte Teil davon war jedoch auf den Aufbau zusätzlicher Vorräte als Reaktion auf die globalen Lieferkettenprobleme zurückzuführen. Bei der operativen Gewinnmarge agiert Home24 in der Nähe der Nulllinie. Steigende Bruttogewinne will das Unternehmen größtenteils in eine Forcierung des Marketings stecken. Aber auch Zukäufe hatte CFO Steinhäuser im Interview mit FINANCE-TV vor wenigen Monaten ausdrücklich als Option genannt.   

Butlers-Gründer Josten: „Enormes Potenzial“

Butlers-Gründer Josten bezeichnet Home24 als „idealen Partner“ für weiteres Wachstum. „Gemeinsam haben unsere beiden Marken ein enormes Potenzial, das wir in den kommenden Jahren nutzen und stetig erweitern werden“, verspricht er.    

Home24 will in diesem Jahr einen Umsatz von etwa 650 Millionen Euro erzielen. Für Ende 2023 lautete bislang das Ziel, auf annualisierter Basis die Milliardenmarke zu durchbrechen. Dies dürfte durch die Konsolidierung der rund 100 Millionen Euro Umsatz von Butlers nun deutlich früher passieren.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.