Der Bremssystemhersteller Knorr-Bremse will bei der Haldex-Übernahme jetzt Gas geben: Die Eigner der Schweden haben sich für die Übernahme durch die Münchener entschieden. Es stehen aber noch die Kartellhürden im Weg.

Knorr-Bremse

17.08.17
Deals

Knorr-Bremse darf bei Haldex weitermachen

Knorr-Bremse kann die Übernahme von Haldex nach der Abstimmung der Aktionäre weiter vorantreiben. Das liegt auch daran, dass ZF Friedrichshafen die Gelegenheit verstreichen ließ, den Deal zu Fall zu bringen.

Der Bremssystemhersteller Knorr-Bremse hat beim Übernahmeversuch von Haldex Zeit gewonnen. Wie die Münchener mitteilen, stimmten die Aktionäre des schwedischen Wettbewerbers auf der heutigen außerordentlichen Hauptversammlung zugunsten des Antrags von Knorr-Bremse.

Darin hatte der Bremsenbauer darum gebeten, dass die Angebotsfrist verlängert wird und die Haldex-Eigner die Offerte weiter unterstützen. Wie Haldex schreibt, haben sich knapp 95 Prozent der anwesenden Aktionäre, die tatsächlich abgestimmt haben, für den Antrag von Knorr-Bremse ausgesprochen.

Haldex brauchte bei der Abstimmung eine Mehrheit von 50 Prozent plus einer Stimme. Besonders pikant war, dass Knorr-Bremses Konkurrent ZF Friedrichshafen über 50 Prozent des berechtigten anwesenden Stimmkapitals repräsentierte. Knorr-Bremse war also auf das Wohlwollen der Friedrichshafener angewiesen.

ZF verhielt sich auf Haldex-Hauptversammlung neutral

ZF hat sich dazu entschieden, seine Machtposition nicht auszuspielen. Stattdessen hat sich das Unternehmen neutral verhalten, teilte ein ZF-Sprecher FINANCE mit. „Wir bleiben konsequent auf dem eingeschlagenen Weg und akzeptieren den Willen der Aktionäre, die sich dafür entschieden haben, nicht ZF, sondern Knorr-Bremse ihre Aktien anzudienen.“

Damit scheint auch klar zu sein: ZF hat den Appetit auf Haldex als Übernahmeziel offenbar verloren und startet keinen erneuten Anlauf, die Schweden zu kaufen. ZF hatte im vergangenen Jahr selbst versucht, Haldex zu übernehmen und seine Pläne erst begraben, als Knorr-Bremse sein Angebot deutlich aufstockte. ZF wird nun – sofern Knorr-Bremse alle Kartellfreigaben erhält – kräftige Gewinne mitnehmen, da die Friedrichshafener die Haldex-Aktien deutlich unter dem Knorr-Bremse-Angebot eingekauft haben. Stünde Haldex immer noch auf der Targetliste von ZF, so hätte das Stiftungsunternehmen heute eine einmalige Gelegenheit gehabt, das Knorr-Bremse-Angebot zu Fall zu bringen und anschließend selbst als Retter des Übernahmeprojekts wieder zurück auf die Bildfläche zu kommen. 

Haldex-Management wehrt sich weiter gegen Knorr-Bremse

Trotz Knorr-Bremses Etappenerfolg bleibt es spannend, wie das Gezerre weitergeht. Das Haldex-Management stand der Übernahme von Anfang an skeptisch gegenüber, da es aufgrund der hohen kartellrechtlichen Hürden eine Zerschlagung des Konzerns fürchtet. Ende Juni hatten die Schweden ihre Unterstützung komplett versagt mit dem zusätzlichen Hinweis, dass die Monate dauernde Hängepartie das operative Geschäft belaste.

Knorr-Bremse hofft nun, den Widerstand gebrochen zu haben. Die Münchener betrachten das Abstimmungsergebnis als bindend, auch wenn weniger als 20 Prozent der Aktionäre abgestimmt haben. Knorr-Bremse-CEO Klaus Deller schickt die klare Bitte an das Haldex-Management, die Übernahme nicht weiter zu torpedieren: „Wir erwarten, dass der Verwaltungsrat sich an die Entscheidung der Aktionäre hält und unsere vorbereitenden Maßnahmen und Anstrengungen uneingeschränkt unterstützt.“ Das Haldex-Management hat mittlerweile allerdings angekündigt, die Knorr-Bremse-Offerte weiterhin nicht zu unterstützen.

Jetzt muss schwedische Börsenaufsicht Knorr-Bremse Zeit schenken

Bis zur erfolgreichen Übernahme muss Knorr-Bremse so oder so noch einige Hürden nehmen. Zunächst wird der Vorstand des Familienunternehmens die schwedische Börsenaufsicht SSC um eine abermalige Verlängerung der Angebotsfrist bis zum 9. Februar 2018 bitten.

Bereits im April hatte Knorr-Bremse um mehr Zeit gebeten, damit der Konzern die hohen Kartellauflagen erfüllen kann. Die abermalige Verlängerung im Juni war notwendig geworden, weil die EU-Kommission eine zweite, vertiefte Prüfungsphase angekündigt hatte. Wie diese ausgeht, ist weiterhin offen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de