Boost für die ThyssenKrupp-Aktie: Das unverbindliche Milliarden-Angebot von Kone hebt die Stimmung. Bis zu einem Deal ist es allerdings noch ein langer Weg.

thyssenkrupp AG

29.01.20
Deals

Kone setzt mit ThyssenKrupp-Gebot ein deutliches Zeichen

Der Kone-Konzern lässt keinen Zweifel daran, dass er Interesse an der ThyssenKrupp-Aufzugsparte hat: Im Raum steht ein unverbindliches Angebot über 17 Milliarden Euro. Mit einem hohen Preis könnten die Finnen einen strategischen Nachteil ausgleichen.

Der finnische Kone-Konzern hat sein Interesse an der Aufzugsparte von ThyssenKrupp offenbar mit einem üppigen unverbindlichen Angebot untermauert: Insidern zufolge soll dieses bei 17 Milliarden Euro liegen, wie die Agentur Bloomberg als erstes berichtete. Der Wert der Thyssen-Aufzugssparte, für die das ThyssenKrupp-Management auch einen Teilbörsengang als weitere Option prüft, war zuletzt auf rund 15 Milliarden Euro geschätzt worden.

Im Detail wollen die Finnen ihr unverbindliches Gebot zwar nicht kommentieren, in einem offiziellen Statement des Konzerns heißt es jedoch, das unverbindliche Angebot sei „reasonably close“ zu der genannten Summe.

Damit hat das Unternehmen, das bereits seit vergangenem Herbst um ein Engagement bei der ertragreichen Thyssenkrupp-Sparte buhlt, ein ordentliches Pfund vorgelegt – auch wenn das Unternehmen betont, dass die Konditionen eines späteren verbindlichen Angebots noch abweichen können. Kone begründet sein Interesse damit, dass sich die beiden Geschäfte regional stark ergänzen könnten und setzt auf Wertsteigerung durch Synergien und gemeinsame Produktinnovationen.

Das börsennotierte Unternehmen mit Hauptsitz im finnischen Espoo ist auf Aufzugsanlagen, Fahrtreppen und Automatiktüren spezialisiert und setzte nach eigenen Angaben 2019 mit rund 60.000 Mitarbeitern weltweit etwa 10 Milliarden Euro um.

Kone konkurriert mit Private-Equity-Investoren

Laut Bloomberg habe Kone mit seinem Angebot angestrebt, die Offerten konkurrierender Private-Equity-Investoren um eine Milliarde Euro zu überbieten. Das hohe Angebot der Finnen, die in einem Konsortium mit dem Finanzinvestor CVC antreten, muss immerhin einen strategischen Nachteil ausgleichen: Bei einem Zusammenschluss drohen intensivere kartellrechtliche Prüfungen als bei Angeboten von reinen Private-Equity -Konsortien. Kone müsste möglicherweise zunächst in einzelnen Märkten Geschäft verkaufen, um einen Zusammenschluss mit der Thyssen-Aufzugssparte vollziehen zu können.

Marktberichten zufolge sollen zuletzt noch ein Konsortium um den Investor Brookfield, eine Investorengruppe um Carlyle und Blackstone sowie ein von der RAG-Stiftung unterstütztes Konsortium um Advent und Cinven im Rennen gewesen sein.

Während die Wettbewerber in Kartellfragen einen Vorteil haben dürften, könnte Kone aber mit einem anderen Vorzug punkten: Sie wären für die Krupp-Stiftung, die auch nach einem Verkauf einen Anteil an der Elevator-Sparte behalten will, voraussichtlich die angenehmeren Geschäftspartner – auch wenn Kone-CEO Henrik Ehrnrooth bereits klargemacht hat, dass für ihn nur eine Mehrheitsübernahme in Frage käme.

Mit einem Private-Equity-Investor als Mehrheitseigner würde sich für die Krupp-Stiftung jedoch schon der nächste Konflikt abzeichnen: Dieser würde seine Anteile in einigen Jahren verkaufen wollen – die Stiftung jedoch sieht sich als langfristigen Aktionär, was einen Exit erschweren würde. Um einen Investor wiederum selbst herauszukaufen, dürften der Stiftung auch in einigen Jahren noch die Mittel fehlen.

Gespanntes Warten auf ThyssenKrupp-HV

Für die durch Restrukturierung und Konzernumbau gebeutelten ThyssenKrupp-Aktionäre sind die jüngsten Nachrichten zum Bieterwettbewerb um die Aufzugssparte erfreulich: Der Aktienkurs stieg in Folge um mehr als 5 Prozent und notierte am Mittwochvormittag bei Kursen um 11,80 Euro.

Die Kone-Offerte gibt dem Kurs wieder Auftrieb

Der Stahlkonzern verliert derzeit im operativen Geschäft Geld, allein im Geschäftsjahr 2018/19 haben die Essener 1,2 Milliarden Euro verbrannt. Der Börsenwert der einstigen Industrieikone ist auf 7,3 Milliarden Euro zusammengeschrumpft. Zu ihren besten Zeiten im Oktober 2007 notierte die ThyssenKrupp-Aktie bei 46 Euro, in etwa dem Vierfachen ihres heutigen Werts.

Eine Entscheidung darüber, ob sich ThyssenKrupp nun über einen Börsengang oder einen Verkauf von seinen Elevator-Anteilen trennt, wird für das erste Quartal erwartet. Die nächsten entscheidenden Hinweise könnte es bereits am Freitag dieser Woche geben: Dann findet in Bochum die Hauptversammlung des Konzerns statt.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Mehr über die Krise der einstigen Essener Industrieikone lesen Sie unserer Themenseite zu ThyssenKrupp.