Mit dem Milliardenerlös aus dem Joint Venture Arlanxeo holt sich Lanxess die Handlungsfähigkeit am M&A-Markt zurück.

Lanxess

08.08.18
Deals

Lanxess holt Milliarden aus Kautschukgeschäft

Lanxess zieht sich drei Jahre früher als geplant aus dem Joint-Venture Arlanxeo zurück. Der Milliardendeal könnte der Startschuss für die nächste Phase des Konzernumbaus sein.

Lanxess treibt seinen Umbau voran: Der Chemiekonzern verkauft seinen 50-Prozent-Anteil an dem Gemeinschaftsunternehmen Arlanxeo  an den Partner Saudi Aramco. Durch den Verkauf fließen dem MDax-Konzern nach Abzug von Schulden 1,4 Milliarden Euro zu. Der Unternehmenswert des Joint Ventures wird auf 3 Milliarden Euro beziffert. Der Deal, der noch von den Kartellbehörden freigegeben werden muss, soll bis Ende 2018 abgeschlossen sein.

Arlanxeo mit Hauptsitz im niederländischen Maastricht erzielte 2017 einen Umsatz von rund 3,2 Milliarden Euro und beschäftigt etwa 3.800 Mitarbeiter in neun Ländern. Das Unternehmen produziert Hochleistungskautschuke unter anderem für die Automobil- und Reifenindustrie, die Baubranche sowie die Öl- und Gasindustrie.

Lanxess-Aktie macht Sprung nach oben

Die Trennung kommt wesentlich früher als erwartet, denn ursprünglich hatten die beiden Konzerne eine Sperrfrist bis 2021 für einen weiteren Anteilsverkauf vereinbart. Lanxess-CEO Matthias Zachert und CFO Michael Pontzen hatten das Geschäft mit dem künstlichen Kautschuk 2016 in das Joint Venture ausgelagert. Hauptziel war es, die ausgeuferte Verschuldung zu begrenzen. Zur Motivation der Lanxess-Führung gehörte es aber auch, das Unternehmen weniger zyklisch zu machen.

So wurde der Deal zur Grundlage für die strategische Neuausrichtung. Seitdem konzentriert sich Lanxess auf Wachstum in mittelgroßen, weniger stark schwankenden Spezialchemiemärkten und hat bereits verschiedene Akquisitionen in diesem Bereich getätigt. Die größte war bisher die Übernahme des US-Chemieunternehmens Chemtura im Jahr 2017 für 2,4 Milliarden Euro. In diesem Februar übernahmen die Kölner vom belgischen Konkurrenten Solvay dann auch noch das Geschäft mit Phosphor-Zusatzstoffen, was Zachert als einen der besten Deals beschrieb, den er je getätigt hat.

Michael Pontzen, Lanxess AG

Nach dem Studium der Betriebswirtschaft beginnt Michael Pontzen 1997 seine Karriere beim Industrieleistungsunternehmen Ferrostaal in Essen, wo er zwei Jahre lang als Vorstandsassistent tätig ist. 1999 wechselt er als Manager in die Investor Relations Abteilung bei MAN. 2001 verlässt er das Unternehmen und wird Teamleiter Investor Relations bei EADS (heute: Airbus) in München.

Im November 2004 wechselt er schließlich zum Spezialchemiekonzern Lanxess und ist zunächst als Leiter der Group Function Investor Relations tätig. Vier Jahre später übernimmt er die Leitung des Bereichs Corporate Finance innerhalb der Group Function Treasury. 2009 ist er zusätzlich für Risk und Cash Management verantwortlich. Im Januar 2012 erhält er die Leitung des Corporate Controlling. Im April 2015 wird Pontzen schließlich zum CFO des Konzerns ernannt und folgt damit auf Bernhard Düttmann, der seit 2011 Lanxess-CFO war.

zum Profil

Bei den Aktionären kommt der vorzeitige Rückzug aus dem Joint Venture mit den Saudis gut an: Die Lanxess-Aktie sprang direkt nach der Ankündigung um über 4 Prozent nach oben. Der Schritt schaffe mehr Flexibilität bei möglichen Übernahmen im Zuge des laufenden Konzernumbaus, bewertet Analyst Andreas Heine vom Investmenthaus Mainfirst den Deal. Wermutstopfen aus seiner Sicht: Lanxess könne nun nicht mehr von der möglichen Erholung des Marktes für künstlichen Kautschuk profitieren.

Lanxess: Nettoverschuldung hat sich stark erhöht

Mit dem Erlös will Lanxess seine finanzielle Basis stärken und seine Nettofinanzverbindlichkeiten reduzieren, heißt es von Unternehmensseite. Die Nettofinanzverbindlichkeiten waren im Geschäftsjahr 2017 nach dem Kauf von Chemtura von 270 Millionen auf 2,3 Milliarden Euro angestiegen. Den Deal finanzierte CFO Pontzen durch die Ausgabe neuer Unternehmens- und Hybridanleihen sowie aus Cash-Reserven.

Zum Ende des zweiten Quartals sind die Nettofinanzschulden sogar weiter auf 2,7 Milliarden Euro angestiegen, gab Lanxess bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen vor wenigen Tagen bekannt. Insgesamt hat der MDax-Konzern aber solide Zahlen vorgelegt. Vor allem Neuzugang Chemtura trieb die Geschäftsentwicklung an. Die Gesamtjahresprognose wurde erhöht: Lanxess erwartet beim Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) nun einen Anstieg am oberen Rand der bislang genannten Bandbreite von 5 bis 10 Prozent.

Im Vorjahr lag das vergleichbare Ebitda vor Sondereinflüssen bei rund 925 Millionen Euro. Ohne den Ausstieg aus dem Kautschuk-Joint-Venture hätte der Leverage Net Debt/Ebitda damit am Jahresende bei fast 3x Ebitda gelegen – für einen Chemiekonzern zu viel, um noch im großen Stil strategische Übernahmen tätigen zu können.

julis.schmitt[at]finance-magazin.de

Infos zu Karriere und Werdegang des Lanxess-CFOs bietet das FINANCE-Köpfe-Profil von Michael Pontzen.