Lanxess hat erstmals in der Unternehmensgeschichte eine Hybridanleihe begeben und so 500 Millionen Euro eingenommen.

Lanxess

30.11.16
Finanzierungen

Lanxess sammelt 500 Millionen Euro mit Hybridanleihe ein

Lanxess greift erstmals auf Hybridkapital zurück und nimmt eine halbe Milliarde Euro auf. Dadurch haben die Kölner die Finanzierung der milliardenschweren Chemtura-Übernahme nach wenigen Wochen abgeschlossen.

Der Spezialchemiekonzern Lanxess hat erstmals eine Hybridanleihe emittiert. Wie das Kölner Unternehmen mitteilte, nimmt CFO Michael Pontzen über das Finanzierungsinstrument 500 Millionen Euro auf. Die Orderbücher waren dem Finanzchef zufolge mehrfach überzeichnet.

Der Hybridbond ist mit einem Kupon von 4,5 Prozent verzinst und läuft 60 Jahre lang. Lanxess hat im Juni 2023 erstmals die Möglichkeit, den Bond zurückzuzahlen. Die Transaktion wurde von J.P. Morgan, Barclays, Deutsche Bank und Bank of America Merrill Lynch begleitet.

Bei einer Hybridanleihe handelt es sich um ein Finanzierungsinstrument, das aufgrund der langen Laufzeit eigenkapitalähnlich bewertet wird. Der Hybrid ist zudem nachrangig gegenüber anderen Finanzverbindlichkeiten. Ratingagenturen rechnen dem Instrument in der Regel 50 Prozent Eigenkapitalcharakter an, so auch bei Lanxess. Durch die Struktur des Hybridbonds erhöht sich das Risiko für die Geldgeber, was den höheren Zinskupon erklärt.

Lanxess-CFO Michael Pontzen finanziert Chemtura-Deal

Das Geld aus dem Hybrid nutzt Lanxess-CFO Pontzen, um die Übernahme des Zusatzstoffherstellers Chemtura zu finanzieren. Der Kölner MDax-Konzern bietet 2,4 Milliarden Euro für die US-Amerikaner. Von dem M&A-Deal verspricht sich Lanxess bis 2020 jährliche Synergien in Höhe von 100 Millionen Euro.

Mit der Hybridanleihe haben die Kölner die Übernahme rund acht Wochen nach der Deal-Ankündigung bereits ausfinanziert. Ende September hatte Lanxess zwei Anleihen im Gesamtwert von 1 Milliarde Euro emittiert. Der Kupon der beiden Bonds liegt bei 0,25 und 1 Prozent. Den Rest finanziert Lanxess aus Cash-Reserven. Als Zwischenfinanzierung diente ein Brückenkredit über 2 Milliarden Euro.

Lanxess hat 2016 dreimal die Prognose erhöht

Abgesehen von den drei Anleihen zur Finanzierung des Deals hat Lanxess eine weitere Anleihe über eine halbe Milliarde Euro ausstehen, die 2018 fällig wird, sowie zwei Bonds aus Privatplatzierungen (insgesamt 1 Milliarde Euro) und einem revolvierenden Kredit (1,25 Milliarden Euro).

Das Management von Lanxess hatte in den vergangenen Jahren gespart und restrukturiert. Jetzt erntet der Bayer-Spin-Off die Früchte. In diesem Jahr hat das Management rund um CFO Pontzen und CEO Matthias Zachert bereits dreimal die Prognose angehoben. Lanxess erwartet jetzt einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von bis zu 1 Milliarde Euro.

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