Dem Lichtkonzern Osram liegt ein Übernahmeangebot von Bain und Carlyle vor, das AMS mit seiner noch informellen Offerte übertrifft.

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20.08.19
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Legen Bain und Carlyle bei Osram-Offerte nach?

Die Finanzinvestoren Bain und Carlyle sollen eine Erhöhung ihres Osram-Übernahmeangebots erwägen. Derweil rückt eine formale Offerte von AMS näher.

Im Bieterwettkampf um Osram könnte die nächste Runde eingeläutet werden: Wie die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtet, sollen die beiden Finanzinvestoren Bain und Carlyle erwägen, ihr Übernahmeangebot für den Münchener Lichtkonzern zu erhöhen. Aktuell bieten die Finanzinvestoren 35 Euro je Osram-Aktie und bewerten das Unternehmen inklusive Schulden und Pensionsverpflichtungen mit rund 4 Milliarden Euro.

Nun prüfen die beiden Private-Equity-Investoren der Nachrichtenagentur zufolge gemeinsam mit Beratern und finanzierenden Banken, wie viel höher ihr Gebot ausfallen müsste, um die Osram-Aktionäre vom Verkauf der Papiere zu überzeugen. Dazu gehören der Agentur zufolge auch Überlegungen, ob es ausreicht, das Angebot nur leicht zu erhöhen oder mit dem Mitbieter AMS gleichzuziehen. Die Österreicher hatten in der vergangenen Woche angekündigt, 38,50 Euro je Osram-Aktie bieten zu wollen.

AMS präsentiert Finanzierungsdetails der Übernahme

Nichtsdestotrotz hat AMS schon die Details der Akquisitionsfinanzierung veröffentlicht: Bei der geplanten Übernahme bewerten die Österreicher Osram inklusive Schulden und Pensionsverpflichtungen mit 4,3 Milliarden Euro.

Für das Angebot, das 300 Millionen Euro über dem derzeitigen Angebot der Private-Equity-Häuser liegt, hat sich AMS bereits eine Brückenfinanzierung über 4,2 Milliarden Euro bei der UBS und der HSBC gesichert. Einen Teil davon wollen die Österreicher über eine Kapitalerhöhung in Höhe von 1,5 Milliarden Euro ablösen, die ebenfalls von den beiden Geldhäusern bereitgestellt wird.

Stillhalteabkommen verhindert offizielles AMS-Gebot

Bislang hat AMS für Osram noch kein offizielles Übernahmeangebot unterbreitet. Ein Stillhalteabkommen zwischen Osram und dem Sensorhersteller hindert die Österreicher momentan daran, eine formale Offerte vorzulegen. Entsprechend wäre es wenig überraschend, wenn Bain und Carlyle zwar Vorbereitungen treffen, um ihr bis 5. September laufendes Angebot aufzustocken, aber noch keine Entscheidung gefällt haben. Die Finanzinvestoren wollten sich gegenüber FINANCE nicht zu dem Bericht äußern.

Allerdings könnte bald neue Bewegung in den Übernahmekampf kommen: Denn schon diese Woche könnte Osram die Stillhaltevereinbarung mit AMS aufheben und damit den Weg für ein offizielles Angebot frei machen. Einer Osram-Sprecherin zufolge erwarte das Unternehmen, dass „zu diesem Thema“ noch in dieser Woche eine Entscheidung getroffen werde.

IG Metall und AGI stellen sich gegen die Osram-Offerten

Gegen das Übernahmeangebot von AMS hat sich derweil die IG Metall ausgesprochen: Die Gewerkschaft stellte in Zweifel, ob die Österreicher genügend Erfahrungen mitbringen, um „die Komplexität des angeschlagenen Münchner Leuchtenherstellers vollständig zu durchdringen“, zitiert das Handelsblatt eine Gewerkschaftssprecherin. Zudem bleibe der IG Metall unklar, wie AMS die „riskante“ Leverage-Finanzierung bewerkstelligen will.

Auch Bain und Carlyle haben im Rahmen der Osram-Übernahme ordentlich Gegenwind zu spüren bekommen: Das Angebot der beiden Finanzinvestoren lehnte Osrams größter Aktionär Allianz Global Investors als nicht lukrativ ab. Der Asset Manager hatte in der Vergangenheit Osram-Aktien zu deutlich höheren Preisen gekauft und würde durch einen Verkauf seiner Anteile massive Verluste machen.

Immerhin zeigten sich die Osram-Aktionäre am heutigen Vormittag erfreut: Die Aktie legte auf über 35 Euro zu – noch gestern am späten Nachmittag notierte das Papier des Lichtkonzerns bei 34,44 Euro.

olivia.harder[at]finance-magazin.de