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Leoni verkauft Teil seines Kabelgeschäfts

Der Automobilzulieferer Leoni verkauft einen Teil seiner Kabel-Sparte WCS an US-Konkurrent BizLink. Foto: Leoni

Der Automobilzulieferer Leoni kommt beim geplanten Verkauf seiner Kabel-Sparte „Wire & Cable Solutions“ (WCS) einen großen Schritt voran. So soll der Geschäftsbereich Industrial Solutions, also das Geschäft im Bereich Fabrikautomation, an den US-Konkurrenten BizLink gehen, teilte Leoni am heutigen Freitagmorgen mit. Der Vorstand und der Aufsichtsrat von Leoni sowie das Board des Käufers haben dem geplanten Verkauf bereits zugestimmt. Das Closing des Deals erwartet Leoni, vorbehaltlich der Zustimmung seiner finanzierenden Banken und der Aufsichtsbehörden, Anfang 2022.

Für das Segment mit industriellen Anwendungen ist nach Unternehmensangaben ein Kaufpreis von 450 Millionen Euro einschließlich Schulden vereinbart. Nach Abzug von Finanzverbindlichkeiten und Pensionslasten rechnet der Nürnberger Automobilzulieferer mit einem Mittelzufluss von mehr als 300 Millionen Euro. Außerdem erzeugt der Deal einen Gewinn von 200 Millionen Euro, der das Eigenkapital stärken wird, eine Achillesferse von Leoni.

Verkaufserlös soll Leonis Liquidität stärken

Mit dem Geld aus dem Verkauf will der angeschlagene Automobilzulieferer, der im Zuge der Coronakrise im vergangenen Jahr eine Staatsbürgschaft in dreistelliger Millionenhöhe benötigt hatte, seine Liquidität stärken. Gemeinsam mit dem Bund hatten die Länder Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen im April 2020 für einen Betriebsmittelkredit in Höhe von 330 Millionen Euro gebürgt. Der heute verkündete Deal dürfte die Nürnberger beim Abbau ihrer Schulden einen großen Schritt voranbringen. So gehen die Analysten von Warburg Research davon aus, dass zum Jahresende die Nettoverschuldung inklusive Pensionen gut 1,7 Milliarden Euro betragen wird. Dies bedeutet, dass der Exit den Schuldenberg um ein Viertel senken könnte. Auch die schwache Eigenkapitalquote von weniger als 10 Prozent dürfte dann steigen.

Nachdem Leoni  im März mit dem Verkauf des Schweizer Geschäfts der WCS an den bisherigen Chef der Kabelsparte, Bruno Fankhauser und den Finanzinvestor Helvetica Capital in bereits einen kleineren Teil der Sparte verkauft hatte, folgt mit dem Segment Industrial Solutions nun ein deutlich dickerer Brocken. Mit einem Umsatz von 430 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2020 trug der Geschäftsbereich mehr als ein Viertel zum Gesamtumsatz von Leonis Kabelsparte (1,6 Milliarden Euro) bei.

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Leoni: Käufersuche geht weiter

Damit schnappt sich Käufer BizLink mit Industrial Solutions einen der wertvolleren Geschäftsbereiche von Leoni, wie das Multiple von 1,05 basierend auf den Umsätzen von 2020 beweist. Zum Vergleich: Der Gesamtkonzern wird aktuell an der Börse lediglich mit 0,7x Umsatz bewertet.

Leoni hatte 2019 beschlossen, seine Kabelsparte zu veräußern oder an die Börse zu bringen. „Wir wollen uns mit diesem Schritt neue finanzielle Möglichkeiten erschließen. Wir brauchen die Mittel, um die Bordnetzsparte strategisch weiterzuentwickeln”, hatte CEO Aldo Kamper damals erklärt.

Nachdem es Leoni zunächst nicht gelungen war, das Kabelgeschäft als Ganzes zu verkaufen, hatten die Nürnberger schließlich im August 2020 angekündigt, die Sparte in sechs Teilen aus dem Konzern herauszuschälen. So ist Leoni im Kabelgeschäft neben dem Automotive- und Industrie- auch im Healthcare-Business sowie in den Bereichen Energie und Infrastruktur aktiv. Für die verbleibenden Teile der Sparte WCS ist Leoni weiterhin auf der Suche nach Käufern, heißt es. Damit dürfen die Nürnberger noch auf weitere M&A-Einnahmen hoffen.

Bei den Anlegern sorgte die Nachricht am Freitag für positive Reaktionen. Der Kurs der Aktie des Kabel- und Bordnetzspezialisten zog am Morgen zunächst an – trotz einer parallelen Kurszielsenkung durch die Deutsche Bank und größeren Verlusten am breiten Markt.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

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