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Leoni kann aufatmen

Kann dank Staatshilfe in der Coronakrise überleben: Automobilzulieferer Leoni

Frohe Kunde für Leoni: Der angeschlagene Kabel-und Bordnetzspezialist hat für die Ende März beantragte Staatshilfe eine Zusage erhalten. Gemeinsam mit der Bundesregierung bürgen die Länder Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen für einen Betriebsmittelkredit in Höhe von 330 Millionen Euro, teilte das Unternehmen am gestrigen Montagnachmittag mit.

„Mit der neuen Betriebsmittellinie wird finanzieller Spielraum geschaffen zur Sicherung des Fortbestands des Geschäftsbetriebs und zur Durchfinanzierung der Gruppe“, hieß es aus Nürnberg. Bereits Ende März sagte CFOIngrid Jägering, dass Leoni einen neuen, staatlich abgesicherten Kredit benötige, um Liquiditätslücken zu schließen, die im Zuge der Coronavirus-Pandemie entstanden seien. Aufgrund der Krise hätten die meisten wesentlichen Kunden ihre Produktion eingeschränkt. Dies hat es Leoni auch nahezu unmöglich gemacht, mittels Factoring Forderungen in bare Münze zu verwandeln.

Die Bürgschaft deckt 90 Prozent des Betriebsmittelkredits ab, der bis zum 31. Dezember 2022 läuft. Der Betriebsmittelkredit selbst werde zu „marktüblichen Konditionen von Kernbanken der Leoni AG gewährt“, erklärte das Unternehmen.

Leoni ließ Sanierungsgutachten aktualisieren

Zu den Hausbanken des Automobilzulieferers gehören nach FINANCE-Informationen die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Unicredit, die HSBC, die BayernLB und die Citibank. Im Februar ließen sie zu, dass Leoni Schuldscheine über 170 Millionen aus Krediten zurückzahlen konnte.

Das Mitte März bestätigte Sanierungsgutachten nach IDW S6 scheint die Banken und die staatlichen Bürgen nun überzeugt zu haben, einen weiteren Schritt in Richtung Risikobegrenzung zu gehen. Dieses sei im Zuge der Antragstellung um „mögliche Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf das Unternehmen aktualisiert“ worden, heißt es in der Unternehmensmitteilung. Nun sieht sich Leoni bis Ende 2022 durchfinanziert.

Im Gegenzug hat sich Leoni zu einem Dividendenverzicht für die komplette Laufzeit des Kredits verpflichtet. Daneben hat das Unternehmen bereits eine Reihe von Maßnahmen zur Einsparung von Sach- und Personalkosten umgesetzt. So sind 80 Prozent der Konzernbelegschaft in Kurzarbeit. Daneben kündigte Leoni temporäre Werksschließungen in Europa, Amerika und Nordafrika an.

Leoni-Sanierer Ziems kritisiert Wachstumskurs

Bereits vor der Coronakrise war der Kabelspezialist in Schieflage geraten. So wies das Unternehmen für das Gesamtjahr 2019 einen Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 384 Millionen Euro aus. Im Jahr zuvor stand hingegen noch ein Gewinn von 144 Millionen Euro in den Büchern. Der Umsatz rutschte von 5,1 auf 4,8 Milliarden Euro ab.

Der im vergangenen August von Leoni hinzugezogene Sanierungsexperte Hans-Joachim Ziems sieht die Schuld für die Misere im Wachstumskurs des Autozulieferers. So sagte er in einem Interview mit dem „Handelsblatt“, welches er gemeinsam mit CEO Aldo Kamper gab, dass die Organisation mit dem schnellen Wachstum nicht Schritt halten konnte.

Kein gutes Haar ließ er dabei an Ex-CEO Dieter Bellé und CFO Karl Gadesmann. „Das damalige Management war mit der Situation überfordert“, so Ziems, der mittlerweile als Chief Restructuring Officer im Leoni-Vorstand sitzt. Auf die Verantwortung des heutigen Aufsichtsratschefs und früheren CEO Klaus Probst angesprochen, gab sich Ziems hingegen versöhnlicher: „Ich habe mir abgewöhnt, persönliche Schuldige zu suchen. Ich schaue nach vorne.“

Trotz des massiven Kursverfalls der Leoni-Aktie sieht Ziems den Konzern nicht als Übernahmekandidaten. Seiner Meinung nach stelle der derzeitige Restrukturierungsprozess, der für Außenstehende aufgrund seiner Komplexität schwierig zu verstehen sei, eine Hürde dar. „Das kauft niemand so ohne Weiteres“, so Ziems im Gespräch.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

Info

Lesen Sie mehr über die aktuellen Entwicklungen bei dem Automobilzulieferer auf unserer Themenseite zu Leoni.

Mehr über die bisherige Karriere von Finanzchefin Ingrid Jägering erfahren Sie auf ihrem Profil bei FINANCE-Köpfe.

Welche Spuren die Coronakrise in der Corporate-Finance-Welt hinterlässt, erfahren Sie auf unserer Themenseite zum Coronavirus.

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