Zentrale von Tele Columbus in Berlin. Das Übernahmefieber in der Kabelnetzbranche steigt und Tele Columbus is mitten drin.

Tele Columbus

22.07.15
Deals

Lock-up-Frist bei Tele Columbus endet – Übernahme ante portas?

Morgen endet die Haltefrist bei dem seit Januar börsennotierten Kabelnetzbetreiber Tele Columbus. Das könnte Übernahmeinteressenten anlocken. Am Kabelmarkt steigt das M&A-Fieber – und Tele Columbus mischt nicht nur als Übernahmekandidat, sondern auch als Käufer munter mit.

Die Ankündigung des Kaufs des Wettbewerbers Primacom in der vergangenen Woche könnte für Tele Columbus nur ein Vorbeben gewesen sein. Denn die Lock-up-Frist bei dem seit Januar börsennotierten Kabelkonzern läuft am morgigen Donnerstag aus. Zu haben sind Papiere, die Aktionäre im Zuge des IPO im Januar bevorteilt zugeteilt wurden. Es könnten bis zu 45 Prozent der Aktien auf den Markt kommen, bestätigte das Unternehmen auf FINANCE-Nachfrage.

Der Zeitpunkt, an dem die Papiere auf den Markt kommen, ist pikant – nicht nur wegen des jüngsten M&A-Manövers des Hannoveraner Kabelnetzbetreibers. Denn Tele Columbus gilt seit dem IPO als Übernahmekandidat Nummer Eins am deutschen Kabelmarkt. Tele Columbus ist derzeit die Nummer drei im Markt – mit weitem Abstand hinter Unitymedia und Kabel Deutschland. Zuletzt wurden diverse ausländische Kabelnetzbetreiber und Telekomkonzerne als mögliche Tele-Columbus-Käufer gehandelt.

Das Auslaufen der Haltefrist könnte nun einige Interessenten auf den Plan rufen – sei es durch einen abbröckelnden Aktienkurs, sei es, indem große Aktienpakete in interessierte Hände wechseln.

Wird Tele Columbus zum Target für Kabel Deutschland oder Liberty?

Auch dem Marktführer Kabel Deutschland wird immer wieder Interesse an Tele Columbus nachgesagt. Bereits vor mehr als drei Jahren hat Kabel Deutschland sich die Bücher des Konkurrenten angeschaut und Interesse bekundet. Später hatte jedoch das Kartellamt einen sich anbahnenden M&A-Deal verhindert. Berichten zufolge hat Kabel Deutschland jedoch sein Target nie ganz aus den Augen gelassen. Nachdem Vodafone und Kabel Deutschland 2013 fusionierten, könnte das verschmolzene Unternehmen rund um CFO Andreas Siemen nun einen weiteren Anlauf wagen – wenn denn das Kartellamt nicht schon im Vorfeld warnende Signale sendet. Aber auch dem Kabelkonzern Liberty Global, dem Unitymedia gehört, wird Interesse an Tele Columbus nachgesagt.

Tele Columbus hat ein turbulentes Jahrzehnt hinter sich. 2006 hatten Finanzinvestoren das Unternehmen übernommen und den Hannoveranern hohe Schulden aufgebürdet. Die Last überforderte Tele Columbus damals. Anfang 2010 sprangen Gläubiger ein, wurden zu Eigentümern und bauten die Verschuldung schrittweise ab. Ende 2014 lag diese laut Geschäftsbericht bei 2,9x Ebitda. Durch den Primacom-Kauf in der vergangenen Woche und der damit einhergehenden Brückenfinanzierung dürfte die Verschuldung jedoch wieder deutlich angestiegen sein. Tele Columbus nennt als Indikation in etwa 5x Ebitda.

Hedgefonds York Capital und Davidson Kempner sind Großaktionäre

Der Börsenboom und das Merger-Fieber hat der Tele-Columbus-Aktie gut getan. Die Aktie wurde im Januar zu 10 Euro begeben, seitdem ist der Kurs um fast 40 Prozent gestiegen und liegt aktuell bei knapp 14 Euro. Dies könnte Altaktionäre zu Gewinnmitnahmen verleiten. Denn die Restrukturierung ist noch nicht vollständig abgeschlossen. Für das erste Quartal 2015 bilanzierte das Unternehmen noch einen Vorsteuerverlust in Höhe von 3 Millionen Euro, bei einem leichten Umsatzanstieg von 2 Prozent auf 53,6 Millionen Euro.

Größter Anteilseigner von Tele Columbus ist der PE-Investor York Capital, der über 20 Prozent hält. York Capital hatte sich 2009 die Anteile an dem Unternehmen gesichert und gilt als gesicherter potentieller Verkäufer, wenn ein gutes Übernahmeangebot auf den Tisch käme. York hält auch einen Anteil an dem Aktien-Paket, was jetzt auf den Markt kommt. Weitere größere Aktionäre die Anteile durch das Ende der Haltefrist loswerden könnten, sind die Vermögensverwalter Davidson Kempner (7,3 Prozent) und Capula (3,8 Prozent). Auch an ihnen dürfte ein M&A-Deal kaum scheitern.

Auch Blackrock ist Aktionär bei Tele Columbus. Die US-Amerikaner sind von der Lock-up-Frist zwar nicht betroffen, können ihre Anteile aber jederzeit veräußern.

jakob.eich[at]finance-magazin.de