M&A-Deals: Der Chemiekonzern BASF bereinigt sein Portfolio und verkauft das Geschäft mit Textilchemikalien an Archroma.

BASF

17.10.14
Deals

M&A-Deals: BASF, Median, KKR

Der Chemiekonzern BASF verkauft sein globales Geschäft mit Textilchemikalien, der Klinikbetreiber Median hat mit Advent und Marcol zwei neue PE-Investoren und KKR steigt beim High-Tech-Unternehmen Arago ein. Die M&A-Deals, M&A-News und Personalien der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Der Chemiekonzern BASF verkauft sein globales Geschäft mit Textilchemikalien sowie die Gesellschaft BASF Pakistan an Archroma, einem Anbieter von Spezialchemikalien für die Textil- und Papierindustrie sowie Emulsionen mit Sitz in Reinach bei Basel. Das Unternehmen gehört zum Portfolio der privaten Investmentsgesellschaft SK Capital Partners. Das Geschäft mit Textilchemikalien soll in die Archroma Textile Chemicals Specialties eingegliedert werden. Vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden wird der Abschluss des M&A-Deals im ersten Quartal 2015 erwartet. Über finanzielle Einzelheiten haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Der Deal ist Teil des Portfoliomanagements von BASF. Das Textilchemikaliengeschäft ist spezialisiert auf chemische Lösungen für die gesamte textile Wertschöpfungskette und umfasst Produkte für die Vorbehandlung, den Druck, die Ausrüstung sowie Beschichtung. Beraten wurde Archroma von einem Wilkie-Team unter der Leitung von Mario Schmidt, von Morgan Lewis & Bockius unter der Leitung von Steven M. Cohen und außerdem von Baer Karrer.

Geberit will Sanitec

Der Schweizer Sanitärtechnikonzern Geberit will die finnische Sanitec übernehmen. Mit dem Milliardendeal könnte Geberit zum europweit führenden Keramikhersteller aufsteigen. Geberit bietet 9,7 Milliarden schwedische Kronen (rund 1,06 Milliarden Euro) für Sanitec und will den Deal mit eigenen Mitteln und Krediten finanzieren. Sanitec unterstützt den Deal. Die Sanitec-Aktionäre können ihre Aktien vom 17. November bis zum 22. Dezember verkaufen. Gemeinsam kämen die Firmen auf einen Umsatz von 2,9 Milliarden Franken (rund 2,4 Milliarden Euro) und einen Gewinn von knapp 500 Millionen Franken (rund 414 Millionen Euro). Außerdem werden auch die beiden größten Sanitec-Investoren EQT und Zeres Capital, die gemeinsam 25,5 Prozent halten, auf das Angebot eingehen. Bedingung für den M&A-Deal ist einen Annahmequote von 90 Prozent sowie die Zustimmung des Kartellamts. Beraten wird Geberit von JP Morgan.

Clean Car hat neue Besitzer

Der PE-Investor VR Equity Partner (VREP) und die LBBW-Tochter Süd Beteiligungen verkaufen ihre Anteile am Autowaschanlagenbetreiber Clean Car. Käufer ist die Münchener Holler-Stiftung. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Im Geschäftsjahr 2012/13 erwirtschaftete das 1986 gegründete Unternehmen einen Jahresumsatz von rund 130 Millionen Euro. VREP war seit 2007 an Clean Car beteiligt, ihr Portfolio umfasst derzeit rund 100 Engagements mit einem Investitionsvolumen von 570 Millionen Euro. Das Portfolio der Süd Beteiligungen umfasst derzeit etwa 40 Engagements mit rund 400 Millionen Euro investiertem Kapital in den letzten zehn Jahren. Beraten wurden die Verkäufer von Latham & Watkins unter der Federführung von Rainer Wilke.

KKR beteiligt sich an Arago

PE-Investor KKR beteiligt sich als Minderheitsgesellschafter an Arago, ein auf auf IT-Automatisierung spezialisiertes High-Tech-Unternehmen mit Sitz in Frankfurt am Main. Weitere finanzielle Details der Transaktion sind nicht bekannt. Medienberichten zufolge aber zahlt KKR für die Minderheit mehr als 50 Millionen Dollar. KKR hat bereits Erfahrungen mit Technologieunternehmen: Seit 1999 hat der Investor über 9 Milliarden US-Dollar in über 20 Unternehmen aus unterschiedlichen Technologiesegmenten investiert, darunter Software, Online und Halbleiter. KKR finanziert die Investition im Wesentlichen aus der Bilanz von KKR & Co. LP.

Südzucker vor Milliardendeal?

Südzucker erwägt womöglich einen Milliardendeal: Wie CFO Thomas Kölbl im Interview mit FINANCE-TV erklärte, könnte das Unternehmen über 1 Milliarde Euro in einen Deal investieren. „Der Preisverfall hat auch dazu geführt, dass die Akquisitionspreise derzeit sehr niedrig sind“, so Kölbl. Am Zuckermarkt herrscht derzeit ein starker Preisverfall, bei Südzucker hat dieser auch bereits zu einem Verlust des operativen Gewinns um zwei Drittel im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2014/15 geführt.

Median hat neue Investoren

Der PE-Investor Waterland will den Klinikbetreiber Median von den Investoren Advent und Marcol übernehmen. Laut Marktgerüchten soll der Kaufpreis bei rund 1 Milliarde Euro und der Verschuldungshebel bei 5x Ebitda liegen. 2014 soll die Gruppe einen Konzernumsatz von rund 500 Millionen Euro erzielen, 2009 lag er bei 270 Millionen Euro. Median ist durch einige Zukäufe in den letzten Jahren auf deutschlandweit 45 Einrichtungen mit 9500 Betten gewachsen. Denkbar wäre auch eine Zusammenführung von Median und den RHM-Kliniken, die Waterland 2011 erworben hatte. Der Fonds, aus dem Waterland die Median-Kliniken finanziert, wurde 2011 aufgelegt und hat ein Volumen von 1,1 Milliarden Euro. Nach der Transaktion ist er zur Hälfte finanziert. Im August 2009 waren Advent und Marcol bei Median eingestiegen. Beraten wurden Advent und Marcol von einem Team um Michael Dettmeier von Hogan Lovells.

Hochtief wieder mit Verkauf

Der Baukonzern Hochtief trennt sich weiter von Randbereichen und verkauft seine Offshore-Assets an seinen langjährigen Partner GeoSea, eine auf komplexe Offshore-Wasserbauprojekte spezialisierte Tochtergesellschaft der Deme-Gruppe. Das belgische Unternehmen kauft alle Errichterschiffe und Pontons vom Hochtief. Über die finanziellen Details ist nichts bekannt. Der Pressemeldung zufolge führte die Transaktion „zu einem positiven Buchgewinn für Hochtief“. Erst vergangene Woche hatte Hochtief den Wohnungsentwickler Formart an den Fondsmanager Activum verkauft.

MVV steigt bei Juwi ein

Der Mannheimer Energieversorger MVV Energie wird im Zuge einer Kapitalerhöhung 50,1 Prozent an dem Windparkbauer Juwi übernehmen. Über den Kaufpreis ist nichts offizielles bekannt,  aber wie das Handelsblatt unter Berufung auf Finanz- und Branchenkreise schreibt, will sich MVV mit mehr als 100 Millionen Euro bei dem angeschlagenen Projektierer einkaufen. Die Mehrheitsbeteiligung ist eine Überraschung, da Juwi stets seine Stellung als Familienunternehmen betonte. Doch Juwi braucht auch frisches Eigenkapital: Ende 2012 lag die Eigenkapitalquote bei nur noch knapp 17 Prozent. Bereits vor einigen Wochen sagte Juwi, das Gesamtergebnis der Gruppe für das Geschäftsjahr 2013 sei negativ ausgefallen. Die Betreibergesellschaft Juwi Renewable IPP gilt als besonders interessant für Investoren Interessant für neue Investoren. Im Januar kam die Gothaer Versicherung als strategischer Investor mit an Bord. Die Transaktion soll Ende des Jahres abgeschlossen werden und bedarf noch der Zustimmung des Bundeskartellamts.

ZF Friedrichshafen gründet Joint Venture

ZF Friedrichshafen befindet sich weiter auf Expansionskurs: Zusammen mit dem chinesischen Autombilhersteller BAIC gründet ZF ein Gemeinschaftsunternehmen zur Entwicklung und Montage von Pkw-Achssystemen. Das Joint Venture, an dem ZF 51 Prozent der Anteile hält, soll seinen Sitz in dem südöstlich der chinesischen Hauptstadt Peking gelegenen Industriepark „Beijing Economic and Technological Development Area (BDA)“ haben. In das neue Werk, das eine Fläche von 16.000 Quadratmetern haben wird, investieren die beiden Joint-Venture-Partner mehr als zehn Millionen Euro. Zu Beijing Benz Automotive (BBAC), einem Joint Venture von BAIC Motor und Daimler, unterhält ZF bereits seit mehreren Jahren Geschäftsbeziehungen und liefert komplette Vorder- und Hinterachsen für die aktuellen Modellreihen der in China produzierten Mercedes C- und E-Klasse sowie der GLK-Modelle. Erst vor wenigen Wochen hatte ZF Friedrichshafen einen Mega-Deal abgeschlossen und den US-Konzern TRW für 13,3 Milliarden US-Dollar übernommen.

M&A-Personalien

Die Anwaltssozietät White & Case ernennt mit Wirkung zum 1. Januar 2015 sieben neue Anwälte aus Deutschland zum Partner. Im Bereich M&A kommen Tim Arndt, Experte in der rechtlichen Beratung, Strukturierung und Umsetzung von M&A- sowie Private Equity-Transaktionen, sowie Tobias A. Heinrich, spezialisiert auf die Beratung von Industrieunternehmen, strategischen Investoren und Finanzinvestoren sowie Kreditinstituten bei grenzüberschreitenden und inländischen M&A-Transaktionen sowie Joint Ventures. Außerdem noch Holger Wolf, deutsche und internationale Investoren im gesamten Spektrum des Immobilienwirtschaftsrechts berät. Er konzentriert sich auf die Strukturierung und Verhandlung komplexer Real Estate-Transaktionen einschließlich Akquisitions- und Refinanzierung sowie Immobilienfinanzierungen und Restrukturierungen.

Martin G. Schmitt ist als Partner bei Steinbeis M&A eingestiegen. Er wird das Büro in Weinheim leiten und sich auf Kauf- und Verkaufsmandate, MBI und MBO sowie Kapitalbeschaffung konzentrieren. Schmitt hat zehn Jahre Berufserfahrung in der Beratung von Unternehmen mit dem Fokus auf M&A sowie Corporate Development Services mit den Schwerpunkten High Technology, Industrials und Consumer Goods.

Duff & Phelps hat ein neues Büro in Frankfurt am Main geöffnet und Timo Willershausen sowie Daniel Kittlauss als Managing Director zu sich geholt. Zuvor waren beide bei PwC tätig. Kittlauss hat Erfahrung mit Unternehmensbewertungen im Rahmen von Finanz- und Steuerberichterstattung sowie M&A. Willershausen hat Konzerne und mittelständische Unternehmen zur Unternehmensbewertung im Rahmen von M&A-Deals beraten.

Weitere M&A-Deals

Die insolvente Weltbild-Gruppe hat nun endgültig ihr Geschäft an eine neue Firma übergeben. Das gesamte Eigentum sei zum 1. Oktober auf die neu gegründete Weltbild-Gruppe übertragen worden, teilte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz mit. Damit ist die Düsseldorfer Droege International Group nach einer Kapitalerhöhung von 20 Millionen Euro mit einem Anteil von 60 Prozent Mehrheitseigner. Für die Gläubiger hält Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz 40 Prozent der Anteile. Der zuvor der katholischen Kirche gehörende Weltbild-Verlag hatte im Januar Insolvenz angemeldet.

Das Handelshaus Getreide mit Sitz in Rendsburg, Schleswig-Holstein, verkauft sein Agrarhandelsgeschäft an die dänische Dava Agravis International Holding. Nach Zustimmung der Kartellbehörden soll der Deal bis zum 1. Februar 2015 erfolgen. Der Verkauf beinhaltet eine Unternehmensgruppe mit elf Gesellschaften an über 70 Standorten. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Das Agrarhandelsgeschäft hat einen Umsatz von rund 1 Milliarde Euro. Beraten wurde der Verkäufer von der Rechtsanwaltsgesellschaft Luther unter der Federführung von Florian Schulz.

Der Dienstleister im Mobile Marketing Convisual erwirbt 33,4 Prozent der Geschäftsanteile der Just Intelligence, ein Hamburger Unternehmen das auf Workforce Management-Systeme spezialisiert ist. Weiterhin hat sie die unbedingte Option erhalten,  bis zum 31.12. 2016 jederzeit 100 Prozent zu übernehmen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Er beinhaltet Barkomponenten und Aktien aus genehmigtem Kapital der Convisual. Für den das Unternehmen einerseits 250.000 im Rahmen einer Barkapitalerhöhung in Just Intelligence einzahlen und außerdem im Rahmen einer Sachkapitalerhöhung aus genehmigtem Kapital der Convisual 152.600 Aktien liefern.

HanseMerkur will sich mehrheitlich an der CSS Versicherung, eine Tochtergesellschaft der Schweizer CSS Versicherungsgruppe, beteiligen. Über den Preis der Beteiligung wurde Stillschweigen vereinbart. Die Muttergesellschaft wird weiterhin eine Minderheitenbeteiligung halten.

Tomorrow Focus zieht sich aus dem französischen Online-Reiseportal Ecotour zurück. Zuvor hatten die Gesellschafter der Betreiberin RPC Voyages die Finanzierung ihrer Tochtergesellschaft eingestellt. Tomorrow Focus hält 55 Prozent an dem Reiseportal. Ein französisches Gericht hat nun ein Gläubigerschutzverfahren eingeleitet. Insgesamt rechnet die Tomorrow Focus mit einer Ergebnisbelastung im Geschäftsjahr 2014 in Höhe von bis zu 10 Millionen Euro.


Der australische Pensionsfonds IFM will knapp 30 Prozent am Wiener Flughafen übernehmen. Die Investmentgesellschaft bietet 80 Euro je Aktie und lässt sich das Angebot damit rund eine halbe Milliarde Euro kosten.

PE-Investor Silverfleet Capital hat für rund 290 Millionen Euro Aesica Pharmaceuticals an Consort Medical veräußert. Beraten wurde Silverfleet von einem Noerr-Team um Georg Schneider und Tobias Koppmann.

Die schwa-medico Gruppe mit Sitz in Laubach, Hessen, übernimmt den des internationalen Transformatorenherstellers Manfred Schmelzer mit Sitz in Teningen-Nimburg bei Freiburg. Durch den Zusammenschluss entsteht ein Unternehmen mit über 750 Mitarbeitern auf drei Kontinenten.

Die Kapitalbeteiligungsgesellschaft Media Ventures übernimmt über die Münchener Online-Marketing-Dienstleister Performance network sowie LocalPerformance  von der Holtzbrinck Digital. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt.

Die mit rund 56,55 Prozent an der Hamburger MIM Mondo Igel Media beteiligte Mondo TV mit Sitz in Rom hat ihre sämtlichen Aktien an mehrere Erwerber veräußert. Damit hat der Aktionär die im Zusammenhang mit dem Liquidationsbeschluss der Hauptversammlung vom Januar 2013 veröffentlichte Verkaufsabsicht umsetzen können. Weitere Details sind nicht bekannt.

Die Pierer Gruppe will die Brain Force Holding und Cross Industries verschmelzen. Mit einer Umsetzung des Deals wird im ersten Halbjahr 2015 gerechnet. Die Cross Industries ist der Mehrheitsaktionär der Fahrzeuggruppe KTM, beschäftigt über 4.400 Mitarbeiter und erwartet zum Ende des Geschäftsjahres 2014 einen Konzernumsatz von rund 1,1 Milliarden Euro. Anschließend soll Cross an die Börse.

Der französische Mobilfunkkonzern Iliad hat seine Pläne für eine Milliarden-Übernahme der Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile US aufgegeben. Wie Reuters berichtet, seien der Entscheidung „Gespräche mit der Deutschen Telekom und ausgewählten Mitgliedern des Verwaltungsrats von T-Mobile US“ vorausgegangen, die kein Interesse an einem neuen, aufgestockten Angebot gezeigt hätten. Iliad hatte Anfang August für eine Mehrheit der Telekom-Tochter 15 Milliarden Dollar beziehungsweise 33 Dollar je Aktie geboten. Das Angebot sei zuletzt noch etwa 36 Dollar je Aktie für 67 Prozent des Unternehmens erhöht worden, so Reuters.

Die Münchner Industrieholding Blue Cap hat die Medizintechnikfirma em-tec Werner Heinze in Finning am Ammersee erworben. Das Unternehmen ist in der Entwicklung und Produktion von Medizingeräten sowie Sensoren für die Messung des Blutflusses tätig. Mit knapp 50 Mitarbeitern erzielte die Gesellschaft im Geschäftsjahr 2013 einen Umsatz von rund 8 Millionen Euro.

julia.becker[at]finance-magazin.de

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