MVV will wohl die Mehrheit an Juwi

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15.10.14
Deals

MVV will wohl die Mehrheit an Juwi

Der Windparkprojektierer Juwi muss sich gegebenenfalls auf einen Eigentümerwechsel einstellen. Angeblich ist der Energieversorger MVV Energie nicht mehr nur an einer Minderheitsbeteiligung an Juwi interessiert.

Der Mannheimer Energieversorger MVV Energie will einem Zeitungsbericht zufolge die Mehrheit an dem Windparkbauer Juwi. Wie das Handelsblatt unter Berufung auf Finanz- und Branchenkreise schreibt, will sich MVV mit mehr als 100 Millionen Euro bei dem angeschlagenen Projektierer einkaufen. Bislang war in der Branche darüber spekuliert worden, dass MVV sich im Rahmen einer Kapitalerhöhung mit 100 bis 200 Millionen Euro an Juwi beteiligen und mit einer Minderheit einsteigen könnte.

Der Zeitung zufolge sollen die Verträge für den M&A-Deal bereits Mitte vergangener Woche unterschrieben worden sein. Am heutigen Mittwoch soll der MVV-Aufsichtsrat die Transaktion genehmigen. Am morgigen Donnerstag soll Juwi zu einer Mitarbeiterversammlung in Wörrstadt bei Mainz eingeladen haben.

Das Unternehmen gibt sich gewohnt verschlossen und kommentiert die Investorensuche nicht. Auf Anfrage von FINANCE teilte ein Unternehmenssprecher heute lediglich mit: „Im Rahmen der Neuausrichtung werden wir uns wie seit längerem geplant auch Investoren öffnen, um durch eine Kapitalerhöhung unsere Eigenkapitalbasis zu stärken. Hierzu sind wir in sehr fortgeschrittenen und vertraulichen Gesprächen.“ Als fortgeschritten werden die Gespräche jedoch schon seit mehreren Monaten bezeichnet, ohne dass bislang ein konkreter Einstieg eines Investors verkündet worden wäre. Zu weitergehenden Szenarien wollte sich der Sprecher nicht äußern.

Betreibergesellschaft Juwi Renewable IPP für Investoren interessant

Sollte MVV tatsächlich mit einer Mehrheitsbeteiligung bei Juwi einsteigen, ist das eine überraschende Wendung, da die beiden Juwi-Gründer und Vorstände Fred Jung und Matthias Willenbacher ihre Macht bei dem Windparkprojektentwickler eigentlich behalten wollten. Juwi betonte stets seine Stellung als Familienunternehmen.

Juwi selbst ist schon seit einigen Monaten auf der Suche nach neuen Investoren und erklärte bereits im Juli, Gespräche zu führen. „Die Verhandlungen mit strategischen Partnern sind fortgeschrittener als die mit Finanzinvestoren“, erklärten damals die Firmengründer. Als interessant für neue Investoren gilt die Betreibergesellschaft Juwi Renewable IPP, die Energieprojekte als Eigeninvestments oder mit regionalen Energieversorgern erwirbt und betreibt. Ihr Beteiligungsportfolio und die damit verbundenen Werte machen die IPP, bei der im Januar die Gothaer Versicherung als strategischer Partner an Bord ging, für Investoren attraktiv. Die Betreibergesellschaft steht allerdings außerhalb der Juwi-Gruppe, bei der ein neuer Eigenkapitalgeber zunächst einsteigen würde.

Frisches Eigenkapital für Juwi essentiell

Juwi braucht dringend Eigenkapital. Ende 2012 belief sich die Eigenkapitalquote auf nur noch knapp 17 Prozent. Bereits vor einigen Wochen räumte der Windparkprojektierer ein, das Gesamtergebnis der Gruppe für das Geschäftsjahr 2013 sei negativ ausgefallen. Der Verlust soll im mittleren zweistelligen Millionenbereich liegen. Der Umsatz ist 2013 gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent auf 710 Millionen Euro eingebrochen.

Die Bilanz für 2013 wollte Juwi eigentlich bis Ende August veröffentlichen, aber die Vorlage verzögerte sich. Eine Frage zur Bewertung von Anlagen müsse vor Erteilung des Testats noch geklärt werden, hieß es aus dem Unternehmen. Eine Kapitalerhöhung ist nach Unternehmensangaben zudem seit langem geplant. Das frische Kapital eines neuen Investors dürfte Juwi bei der Restrukturierung helfen, für die extra im Sommer der Restrukturierungsexperte Stefan Gros als CFO und CRO an Bord geholt worden ist.

Der potentielle Käufer MVV hat sich zuletzt durch M&A-Deals verstärkt: Erst vor kurzem hatte das Energieunternehmen MVV die insolvente Hannoveraner Projektentwicklungsgesellschaft Windwärts und deren französische Tochter Vents dʼOc Énergies Renouvelables mit Sitz in Montpellier übernommen.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

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