BMW will seine Präsenz in China ausbauen und dafür in einem Milliardendeal die Mehrheit am Joint Venture BMW Brilliance Automotive übernehmen.

BMW Group

12.10.18
Deals

M&A-Deals: BMW, Aurubis, Fraport

BMW plant für rund 4 Milliarden Euro die Mehrheit seines chinesischen Joint Ventures zu übernehmen, Aurubis droht mit seinem Spartenverkauf zu scheitern und Fraport verkauft seine Anteile am Flughafen Hannover. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

BMW stemmt Milliardendeal in China

Der Autobauer BMW will seine Beteiligung an dem Gemeinschaftsunternehmen BMW Brilliance Automotive von 50 auf 75 Prozent erhöhen. Die Münchener betreiben das Joint Venture bisher mit ihrem chinesischen Partner Brilliance China Automotive (CBA). Eine entsprechende Vereinbarung sei gestern unterzeichnet worden, teilte BMW mit. Demnach müsse die Transaktion noch von den Behörden und den Brilliance-Aktionären genehmigt werden. Der Kaufpreis für die Anteilsaufstockung beläuft sich auf 3,6 Milliarden Euro.

In den nächsten drei Jahren sollen in das Joint Venture mehr als 3 Milliarden Euro investiert werden, heißt es in der Mitteilung von BMW weiter. Zudem ist der Vertrag für das Gemeinschaftsunternehmen vorzeitig um 22 Jahre bis 2040 verlängert worden. BMW arbeitet seit 2003 mit Brilliance im chinesischen Shenyang zusammen. Bisher hielten die Münchener 50 Prozent, Brilliance 40,5 Prozent. Die restlichen 9,5 Prozent liegen bei der Stadt Shenyang.

Verkauf von Aurubis-Sparte an Wieland vor dem Aus

Der Verkauf der Sparte für Flachwalzprodukte (Flat Rolled Products) des Kupferkonzerns Aurubis an die Wieland-Werke, einen Anbieter von Halbfabrikaten aus Kupfer und Kupferlegierungen, steht kurz vor dem Aus. Wie Aurubis mitteilte, hat die Europäische Kommission Bedenken bezüglich einer Freigabe geäußert und verlangt weitergehende Zusagen. Diese sind im Kaufvertrag jedoch nicht vorgesehen, weshalb Aurubis ein Gelingen des Deals als unwahrscheinlich erachtet.

Die Kartellwächter hatten bereits im August bei Beginn einer intensiven Prüfung des geplanten Verkaufs Bedenken geäußert. Dennoch wollen die beiden Kupferkonzerne das Verfahren bei den Wettbewerbshütern fortführen, um die fusionskontrollrechtliche Freigabe noch zu erhalten. Mit dem Segment für Flachwalzprodukte erzielte Aurubis im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 1,3 Milliarden Euro.

Fraport verkauft Anteile am Flughafen Hannover

Der Anfang August beschlossene Verkauf der Beteiligung vom Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport am Flughafen Hannover ist nun offiziell vollzogen worden. Der britische Finanzinvestor Icon Infrastructure zahlt für 30 Prozent der Anteile an dem Flughafen 109,2 Millionen Euro. Durch den Verkauf soll das Konzernergebnis im laufenden Geschäftsjahr um rund 77 Millionen Euro verbessert werden, teilte Fraport mit. 1998 war Fraport beim Flughafen Hannover eingestiegen und hatte seine Beteiligung 2003 auf 30 Prozent aufgestockt. Die restlichen 70 Prozent entfallen zu gleichen Teilen auf die Stadt Hannover und das Land Niedersachsen.

Weitere Meldungen

Die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) übernimmt Sero Schröder Elektronik Rohrbach, einen auf die Automobilbranche spezialisierten Entwicklungs- und Fertigungsdienstleister. Der börsennotierte Arm der DBAG zahlt für 20 Prozent der Anteile 11 Millionen Euro, wodurch sich Seros Eigenkapitalwert auf etwa 55 Millionen Euro schätzen lässt. Den überwiegenden Rest der Anteile übernimmt der im Sommer 2016 aufgelegte größte Fonds des Frankfurter Finanzinvestors. Insgesamt dürfte das Transaktionsvolumen im niedrigen dreistelligen Millionenbereich liegen. Der Deal soll der DBAG zufolge im November von den Kartellbehörden genehmigt werden. Shearman & Sterling (Federführung: Thomas König) hat die DBAG bei der Transaktion beraten.

Der Industriegasehersteller Linde versucht den 60 Milliarden Dollar schweren Deal mit dem US-Wettbewerber Praxair noch zu retten und kann dabei einen Teilerfolg erzielen. Wie Linde bekanntgab, hat auch die südkoreanische Wettbewerbsbehörde der geplanten Fusion zugestimmt. Zuletzt hatten die Behörden aus Indien und China sowie die EU-Kommission dem Zusammenschluss grünes Licht gegeben. Immer noch offen ist jedoch die entscheidende Zustimmung der US-Behörde Federal Trade Commission, die weitere Zugeständnisse von den beiden Konzernen gefordert hatte.

Der hessische Arzneimittelhersteller Stada hat offenbar Interesse an dem Kauf einer französischen Tochterfirma des US-amerikanischen Pharmakonzerns Bristol-Myers Squibb. Demnach habe Stada neben den Finanzinvestoren BC Partners, CVC Capital und PAI ein unverbindliches Gebot für das französische Geschäft, das unter dem Namen Upsa firmiert, abgegeben. Dies berichtet die Nachrichtenagentur „Reuters“ unter Berufung auf mehrere mit dem Bieterprozess vertraute Personen. Auch der niederländische Konkurrent Mylan und der französische Arzneimittelhersteller Pierre Fabre seien demnach an Bristol-Myers interessiert. Die Deutsche Bank und Jefferies sollen mit der Organisation des Verkaufs beauftragt worden sein.

Die RWE-Tochter Innogy hat für das britische Joint Venture mit dem Konkurrenten SSE grünes Licht von der britischen Wettbewerbsbehörde CMA erhalten. Der Energiekonzern wird an dem neuen Unternehmen eine Minderheitsbeteiligung von 34,4 Prozent halten. SSE beabsichtigt, den Anteil von 65,6 Prozent bei Vollzug der Transaktion im Wege der Abspaltung an die eigenen Aktionäre weiter zu geben.

Der Finanzinvestor Ardian hat nach knapp vier Jahren die Beteiligung an ADA Comsmetics, einem Hersteller von Hotelkosmetik, verkauft. Neuer Eigentümer ist der Private-Equity-Investor Moonlake Capital, der erst im Juni vergangenen Jahres von dem Ex-KKR-Director Philip Wack gegründet worden war. Moonlake will die internationale Expansion von ADA, vor allem im europäischen Ausland außerhalb der DACH-Region sowie im Mittleren Osten und Asien vorantreiben. Finanzielle Details zur Transaktion sind nicht bekannt. Die Kanzlei P+P Pöllath + Partners (Federführung: Benedikt Hohaus, Tim Kaufhold und Silke Bandener) hat ADA bei dem M&A-Deal beraten. Moonlake wurde von Hengeler Mueller (Federführung: Martin Ulbrich und Christian Schwandtner) und Ardian von GCA Altium und Willkie Farr & Gallagher unterstützt.

Software One, ein Anbieter für Software‐ und Cloud‐Portfolio‐Management, übernimmt den Leipziger IT-Dienstleister Comprex von dem bisherigen österreichischen Eigentümer Raiffeisen Informatik. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Software One, hinter dem der Private-Equity-Investor KKR steht, wird bei dem Deal von der M&A-Beratung Goetzpartners und der Anwaltskanzlei Latham & Watkins (Federführung: Stefan Widder) beraten.

Die Münchener Beteiligungsgesellschaft Aurelius hat den Mannheimer Wasser- und Abwasserarmaturenhersteller VAG für einen nicht genannten Kaufpreis übernommen. Verkäufer ist die US-amerikanische Rexnord Gruppe. Die Transaktion soll im vierten Quartal dieses Jahres abgeschlossen werden, teilte Aurelius mit. VAG erzielte im Geschäftsjahr 2017/18 mit etwa 1.200 Mitarbeitern einen Umsatz von knapp 200 Millionen Euro. Aurelius wurde bei der Transaktion von Noerr (Federführung: Christian Pleister) und Goetzpartners beraten.

Die Kommunikationsberatungen Kekst und CNC, beide Teil der Publicis Groupe, schließen ihre Geschäfte zusammen. Wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, wird das neue Unternehmen insgesamt zwölf Büros und über 250 Mitarbeitern weltweit unterhalten und künftig unter dem Namen Kekst CNC firmieren. Zudem werde ein neues Büro in Hong Kong eröffnet. Details zum Kaufpreis sind nicht bekannt.

Der Medienkonzern Ströer hat sein türkisches Außenwerbegeschäft verkauft. Der bisherige Mitgesellschafter Murat Ilbak übernimmt die 90-prozentige Beteiligung an Ströer Kentvizyon für rund 15 Millionen Euro. Mit dem Verkauf will sich das Kölner Medienhaus endgültig aus dem Türkeigeschäft zurückziehen und sich auf das deutsche Kerngeschäft fokussieren.

Die Restaurantkette Nordsee bekommt einen neuen Eigentümer: Der Schweizer Finanzdienstleister und Investor Kharis Capital übernimmt mehrheitlich die Nordsee Holding von der Unternehmensgruppe Theo Müller. Details zum Kaufpreis sind nicht bekannt. Einen Minderheitsanteil an Nordsee hält der ehemalige Großbäcker Kamps. Nordsee erwirtschaftet eigenen Angaben zufolge mit etwa 6.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 350 Millionen Euro. Theo Müller wird bei dem Deal von GCA Altium beraten.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

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