Nach einer monatelangen Hängepartie haben die beiden Warenhausketten Karstadt und Kaufhof ihre Fusion besiegelt.

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14.09.18
Deals

M&A-Deals: Karstadt, Aareal Bank, Instone

Die Fusion zwischen Karstadt und Kaufhof ist in trockenen Tüchern, die Aareal Bank übernimmt erneut einen Wettbewerber und der PE-Investor Activum trennt sich von Instone Real Estate. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Fusion von Warenhausketten Karstadt und Kaufhof steht

Der Zusammenschluss der beiden Warenhausketten Karstadt und Kaufhof ist nun offiziell. Der Karstadt-Eigner Signa und die Kaufhof-Mutter Hudson’s Bay Company (HBC) haben einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet, teilten die beiden Unternehmen am vergangenen Dienstag mit. Erste Gerüchte über einen erfolgreichen Zusammenschluss wurden bereits in der vergangenen Woche öffentlich. Die Kartellbehörden müssen dem Deal jedoch noch zustimmen. Das Investmentvehikel Signa, hinter dem der österreichische Investor René Benko steht, wird mit 50,01 Prozent die Mehrheit an dem neuen Unternehmen mit Hauptsitz in Köln halten.

Der Erlös aus dieser Transaktion soll sich laut „Handelsblatt“ auf 200 Millionen Euro belaufen. Zudem bringen die beiden Warenhauseigentümer Signa und HBC jeweils 100 Millionen Euro in das Joint Venture ein. Insgesamt startet das neue Unternehmen demnach mit einer Kapitalspritze von rund 400 Millionen Euro. Citigroup Global Markets Europe und Mc Dermott Will & Emery haben Signa bei der Transaktion beraten, HBC wurde von der Kanzlei Willkie Farr & Gallagher (Federführung: Georg Linde und Gordon Caplan) unterstützt. 

Aareal Bank übernimmt Düsseldorfer Hypothekenbank

Der Wiesbadener Immobilienfinanzierer Aareal Bank kauft die Düsseldorfer Hypothekenbank (Düsselhyp) für rund 162 Millionen Euro. Bei dem Verkäufer handelt es sich um den Bundesverband Deutscher Banken, der die Düsselhyp 2015 übernommen hatte, nachdem das Institut in die Krise gerutscht war. Der endgültige Kaufpreis sei noch von Marktwertschwankungen abhängig, teilt die Aareal Bank in einer Pressemitteilung mit. Die Transaktion müsse nun noch von den Behörden genehmigt werden, der Vollzug solle jedoch noch in diesem Jahr erfolgen. Hengeler Mueller hat die Wiesbadener bei der Transaktion beraten, der Bundesverband Deutscher Banken wurde von Freshfields unterstützt.

PE-Investor Activum gelingt Exit bei Instone Real Estate

Activum hat sich von seinem gut 400 Millionen Euro schweren Aktienpaket getrennt, das der Finanzinvestor an dem Wohnimmobilienentwickler Instone Real Estate hält. Medienberichten zufolge haben Investmentbanker der Deutschen Bank institutionellen Investoren bis zu 18,3 Millionen Aktien des Essener Wohnimmobilienentwicklers zum Kauf angeboten. Das entspricht der gesamten Beteiligung von Activum. Bislang kontrollierte das PE-Haus 49,6 Prozent der Anteile an Instone.

Jedoch scheint die Deutsche Bank Probleme bei der Suche nach Investoren zu haben. Bisher konnte das Geldhaus lediglich 8 Millionen Aktien bei Interessenten unterbringen. Die übrigen Anteile musste die Deutsche Bank auf die eigenen Bücher nehmen, sie hält nun 22 Prozent an Instone. Die Beteiligung hat einen Wert von 175 Millionen Euro. Die Suche nach weiteren Investoren läuft jedoch weiter. Beim Börsengang des Immobilienkonzerns im Februar hatte der Activum noch knapp 300 Millionen Euro eingenommen. 2014 war der Finanzinvestor bei Instones Vorgängergesellschaft Formart eingestiegen. 

Metro will sich von Real trennen

Der Großhandelskonzern Metro will die Einzelhandelskette Real verkaufen. Wie aus einer Mitteilung des Metro-Vorstands vom Donnerstagabend hervorgeht, sei der Verkaufsprozess bereits angestoßen worden. Mit dem M&A-Deal wolle sich der Konzern wieder verstärkt auf das Großhandelsgeschäft konzentrieren, so die Mitteilung. Der Verkauf von Real habe nichts mit dem Einstieg des tschechischen Milliardärs Daniel Křetínský bei Metro zu tun, wie CEO Olaf Koch in einer Telefonkonferenz betonte.

Der Konzern steht aktuell selbst im Mittelpunkt eines Bieterstreits. Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass das Familienunternehmen Haniel sich nach 50 Jahren von seiner Metro-Beteiligung trennen will. 7,3 Prozent hat Haniel bereits an das Investmentvehikel EP Global Commerce (EPGC), hinter dem Křetínský und der slovakische Geschäftsmann Patrik Tkáč stehen, verkauft. Für die restlichen 15,2 Prozent besitzt EPGC eine Call-Option. Zusätzlich plant die einstige Schwestergesellschaft Ceconomy ihre Beteiligung über 9 Prozent, die sie an Metro hält, zu verkaufen. Zu den Interessenten sollen unter anderem EPGC und der chinesische Investor Fosun zählen.

Boehringer kauft österreichischen Krebsspezialisten

Der Arzneimittelhersteller Boehringer Ingelheim übernimmt das Pharmaunternehmen Vira Therapeutics mit Sitz im österreichischen Innsbruck. Für das auf die Behandlung von Krebs spezialisierte Unternehmen bezahlt Boehringer eigenen Angaben zufolge 210 Millionen Euro. Das Familienunternehmen arbeitet bereits seit zwei Jahren mit Vira Therapeutics zusammen. Im August 2016 hatten beide Unternehmen einen Kaufoptionsvertrag für die Übernahme der Gesellschaft unterzeichnet. Boehringer Ingelheim wurde bei der Transaktion von der Kanzlei Gleiss Lutz (Federführung: Martin Viciano Gofferje) beraten.

Weitere Meldungen

Die Industriegasehersteller Linde und Praxair haben für ihre geplante Fusion offenbar grünes Licht von den Kartellbehörden aus Indien erhalten. Die Unternehmen hätten die Freigabe unter bestimmten Bedingungen erhalten, berichtet die Nachrichtenagentur „Reuters“. Zudem sollen auch die chinesischen Behörden kurz vor einer Genehmigung der Fusion stehen, wie das Fachportal „Dealreporter“ unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtet. Die entscheidende Zustimmung der US-Kartellbehörde Federal Trade Commission steht jedoch weiterhin aus. Zuletzt hatte die EU-Kommission der Fusion unter strengen Auflagen zugestimmt. Bis spätestens 24. Oktober muss der Zusammenschluss abgeschlossen sein, sonst scheitert der 60 Milliarden Dollar schwere Deal.

Der saudi-arabische Chemiekonzern Saudi Basic Industries (Sabic) hat nun grünes Licht von allen zuständigen Behörden für die Einstieg bei dem Schweizer Unternehmen Clariant erhalten. Der Abschluss der Transaktion, mit der Sabic zum neuen Großaktionär bei dem Schweizer Spezialchemiekonzern wird, solle innerhalb der nächsten Tage erfolgen, heißt es in einer Pressemitteilung. Anfang des Jahres wurde bekannt, dass Sabic 24,99 Prozent der Anteile an Clariant von dem aktivistischen Investor White Tale übernehmen will.

Die Prüfung der geplanten Fusion zwischen der Telekom-Tochter T-Mobile US und dem Konkurrenten Sprint ist ins Stocken geraten. Grund dafür ist eine Unterbrechung der Untersuchung, die aufgrund neu eingereichter Dokumente und Informationen erfolgt sei, teilte die zuständige US-Telekommunikationsaufsicht Federal Communications Commission mit. 55 von 180 Tagen, die die US-amerikanische Behörde für die Prüfung Zeit hat, sind bereits verstrichen. Vorstandsmitglieder von T-Mobile zeigen sich jedoch weiterhin gelassen und gehen davon aus, dass die Fusion wie geplant ablaufen wird. Im April hatten T-Mobile US und Sprint die geplante 26 Milliarden Dollar schwere Fusion bekanntgegeben.

Der französische Vermögensverwalter La Francaise übernimmt den deutschen Konkurrenten Veritas von dem Private-Equity-Investor Augur. Das teilten die Unternehmen am Montag über eine Pressemitteilung mit. Demnach soll der Markenname Veritas erhalten bleiben. Zum Kaufpreis machten die Unternehmen keine Angaben. Die zur Großbank Credit-Mutuel-Gruppe gehörende La Francaise verfügt eigenen Angaben zufolge mit etwa 600 Beschäftigten über ein Kundenkapital von 72 Milliarden Euro, Veritas mit 30 Mitarbeitern über 7,3 Milliarden Euro Kundenkapital. Der Verkäufer Augur wurde bei der Transaktion von CMS (Federführung: Jürgen Frodermann und Christopher Freiherr von Lilien-Waldau) beraten.

Der Milliardär Klaus-Michael Kühne will sich als Finanzinvestor bei dem Fußball-Zweitligisten Hamburger SV zurückziehen. „Ich muss mich jetzt selbst disziplinieren. Deshalb will ich meine Anteile loswerden“, sagte der 81-Jährige in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“. Aktuell hält Kühne 20,57 Prozent an dem Fußballverein. Einen Käufer habe er jedoch noch nicht gefunden. Seit 2010 hatte der Investor rund 100 Millionen Euro in den Verein investiert. HSV-Präsident Bernd Hoffmann versucht gleichzeitig einen Ausstieg Kühnes zu verhindern.

Der Automobilzulieferer Peragon übernimmt 82 Prozent des Technologieunternehmens Sem Vox. Für die Mehrheitsbeteiligung bezahlt Peragon eigenen Angaben zufolge 16,4 Millionen Euro. Mit dem Zukauf plant Peragon den Einstieg in den Bereich digitaler Assistenzsysteme. Sem Vox beschäftigt 60 Mitarbeiter und bietet Assistenzsysteme auf Basis Künstlicher Intelligenz an.

Ein chinesischer Staatsfonds und andere Großanleger haben offenbar Interesse an der Deutsche-Bank-Beteiligung des chinesischen Mischkonzerns HNA. Das berichtet das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Demnach seien unter den möglichen Interessenten die China Investment Corporation sowie die Finanzkonzerne Citic Group, China Merchants Group und China Everbright Group. Zusätzlich gebe es Interessenten aus Europa und den USA. In der vergangenen Woche thematisierten erste Medienberichte einen möglichen Ausstieg des Großaktionärs, der aktuell noch 7,6 Prozent an der Deutschen Bank hält.

Die Kapitalbeteiligungsgesellschaft Hannover Finanz hat das Messebauunternehmen Zeeh im Zuge eines Management-Buy-Outs übernommen. Wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, hat sich Hannover Finanz mehrheitlich an dem 1979 gegründeten Unternehmen beteiligt. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Die Freigabe der Kartellbehörden steht den Unternehmen zufolge noch aus. Mit einem Abschluss des M&A-Deals wird bis Anfang Oktober gerechnet.  

Der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Matthias Löb, hat sich für einen Verkauf von RWE-Anteilen ausgesprochen. Der Kommunalverband hält Aktien im Wert von 147 Millionen Euro, was rund 1 Prozent der RWE-Anteile ausmacht. Als Beweggrund für den Verkauf sieht Löb die Gezeitenwende am Energiemarkt. Im Gespräch mit der „Börsen-Zeitung“ sagte er, dass die Zeit der großen Kraftwerksbetreiber vorbei sei. Mit seinem Verkaufsplänen stößt Löb jedoch auf großen Widerstand unter anderem bei Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau, der sich in einem Brief gegen einen möglichen Verkauf ausgesprochen haben soll.

Der Technologieinvestor Investcorp Technology erwirbt Softgarden, einen Berliner Software-Anbieter im Bereich Human Resources. Verkäufer ist eine Gruppe von Investoren, die unter anderem aus den Beteiligungsgesellschaften Cipio Partners, Brandenburg Kapital und Neuhaus sowie den beiden Unternehmensgründern Stefan Schüffler und Dominik Faber besteht. Softgarden wurde bei der Transaktion von der Kanzlei CMS (Federführung: Jörg Zätzsch und Friedrich von Spee) beraten.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.