Drei Unternehmen schließen sich zu Coca-Cola European Partners zusammen.

Coca Cola

14.08.15
Deals

M&A-Deals: Coca-Cola European Partners, GFKL, Ströer

Drei Coca-Cola-Abfüller schließen sich zu Coca-Cola European Partners zusammen. Der Dienstleister im Forderungsmanagement GFKL fusioniert mit dem britischen Finanzdienstleister Lowell und der Werbevermarkter Ströer kommt mit der Deutschen Telekom ins Geschäft. Die M&A-Deals und M&A-News der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Fusion der Coca-Cola-Abfüller

Coca-Cola Enterprises, Coca-Cola Iberian Partners und Coca-Cola Erfrischungsgetränke fusionieren. Der Zusammenschluss der drei Unternehmen wird unter dem Namen Coca-Cola European Partners firmieren. Bezogen auf den Jahresumsatz von 12,6 Milliarden US-Dollar, wird einer der weltweit größten unabhängigen Coca-Cola Abfüller entstehen. Coca-Cola Enterprises wurde von der internationalen Anwaltssozietät Hengeler Mueller unter Federführung von Hans-Jörg Ziegenhain und der Kanzlei Slaughter and May beraten.

Ströer zahlt mit Aktien für Telekom-Töchter

Der Werbevermarkter Ströer übernimmt das Internetportal T-Online und den Onlinevermarkter Interactive Media. Die Akquisition wird mit neuen Aktien bezahlt. Der Kaufpreis für beide Tochterfirmen der Telekom beläuft sich auf rund 300 Millionen Euro. Abhängig vom Aktienkurs steigt die Deutsche Telekom durch die Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage mit 11 bis 13 Prozent bei Ströer ein. Die Deutsche Telekom wurde dabei von dem Team der Kanzlei Hogan Lovells unter Federführung von Christian Stoll sowie von Noerr und Gleiss Lutz beraten. Ein Team der Kanzlei Freshfields um Kai Hasselbach, Ludwig Leyendecker und Klaus Beucher begleitete Ströer bei der Transaktion. 

GFKL und Lowell fusionieren

GFKL, ein Dienstleister für Forderungsmanagement in Deutschland, fusioniert mit dem britischen Finanzdienstleister Lowell. Damit soll einer der größten europäischen Anbieter im Bereich des Forderungsmanagements entstehen. Im Zuge der Fusion sollen sich für die neue Gruppe Kundenbeziehungen zu Blue-Chip-Unternehmen und Mittelständlern aus diversen Branchen eröffnen.

Die PE-Gesellschaft Permira hatte GFKL im Mai 2015 übernommen und unterstützt die Transaktion mit zusätzlichem Kapital. Vor dem Zusammenschluss hatte Permira vereinbart, eine Mehrheitsbeteiligung an Lowell vom PE-Investor TDR Capital zu erwerben. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Das Lowell-Management und der kanadische Pensionsfonds Ontario Teachers´ Pension Plan bleiben beteiligt. Die Transaktion soll im vierten Quartal abgeschlossen werden. Die Genehmigungen der Kartell- und Aufsichtsbehörden stehen noch aus.

Windeln.de übernimmt Bebitus

Das seit Mai börsennotierte Unternehmen Windeln.de erwirbt seinen spanischen Wettbewerber Bebitus für zunächst 5 Millionen Euro aus Barmitteln. Der Kaufpreis kann sich aber noch erhöhen, wenn Bebitus bis 2017 bestimmte Wachstumsziele erreicht. Dann würde Windeln.de noch einmal nachlegen müssen. Der Kaufpreis würde insgesamt auf rund 37 Millionen Euro steigen, wenn sich der Umsatz der Spanier von aktuell 15 Millionen auf 45 Millionen Euro erhöht. Das dafür notwendige Kapital würde das auf Baby- und Kinderprodukte spezialisierte Unternehmen durch die Ausgabe neuer Aktien finanzieren.  Die Akquisition passt in die Strategie von Windeln.de. Das Unterenhmen war unter anderem an die Börse gegangen, um gezielte M&A-Deals innerhalb Europas durchzuführen und den Markt zu konsolidieren. Bebitus eröffnet Windeln.de den Eintritt in den spanischen, französischen und portugiesischen Markt.

Wittur übernimmt Sematic

Der Fahrstuhlhersteller Wittur übernimmt den italienischen Konkurrenten Sematic. Rund 200 Millionen Euro zahlt der Wittur-Eigentümer Bain Capital für die Akquisition, heißt es aus Finanzkreisen. Es könnten weitere Zukäufe folgen. Auf Verkäuferseite bleiben der PE-Investor Carlyle und die Gründerfamilie Zappa als Minderheitseigentümer am neuen Unternehmen beteiligt. Dem neuen Konzern wird ein Gesamtumsatz von 750 Millionen Euro prognostiziert.

Merck einen Schritt weiter bei Sigma-Aldrich-Übernahme

Der Darmstädter Pharma-Chemiekonzern Merck erhält die Freigabe der brasilianischen Wettbewerbsbehörde (CADE) für den Kauf des US-Laborzulieferers Sigma-Aldrich. Wie der Dax-Konzern Anfang der Woche mitteilte, habe das Unternehmen nun alle kartellrechtlichen Genehmigungen für den im September 2014 angekündigten Zukauf über rund 17 Milliarden US-Dollar erhalten, was nach damaligen Wechselkurs umgerechnet in etwa 13,1 Milliarden Euro entsprach. Die Akquisition gilt als die größte in Mercks Firmengeschichte. Voraussichtlich wird der Abschluss im dritten Quartal dieses Jahres vollzogen. Jetzt muss Merck lediglich noch die Auflagen der EU-Kommission erfüllen, die die Transaktion grundsätzlich bereits im Juni genehmigt hatte. Hierfür müssen Merck und Sigma-Aldrich noch Teile des europäischen Geschäftes für Lösungsmittel und anorganische Stoffe des US-Unternehmens verkaufen.

K+S Aktionäre lehnen Potash-Angebot ab

Nachdem der kanadische Kali-Konzern Potash der K + S im Juni ein unaufgefordertes Übernahmeangebot gemacht hatte, befragte diese Mitte Juli sämtliche Privataktionäre, die gemeinsam rund 30 Prozent der Aktien der Kasseler halten. Von den insgesamt 140.000 Befragten haben sich 39.000 an dem Meinungsbild beteiligt. 84 Prozent lehnen eine Akquisition durch Potash zum derzeitigen Angebotspreis von 41 Euro je Aktie ab und unterstützen das K+S-Management bei der Abwehrstrategie. K+S ist der Meinung, dass das Minenprojekt „Legacy“ in dem Angebot nicht ausreichend berücksichtigt sei. Unter der Woche bezifferte Finanzvorstand Burkhard Lohr den Wert des Projekts auf potentiell 21 Euro pro Aktie.

Brenntag übernimmt Chemiedistributor in Dubai

Der Chemiekonzern Brenntag erwirbt 51 Prozent der Anteile an dem Chemiedistributor Trychem. Die restlichen 49 Prozent werden zunächst von dem Logistikunternehmen Tri Star Transport gehalten. Trychem hat seinen Sitz in Dubai, wodurch Brenntags Marktposition im Nahen Osten gestärkt werden soll.

Roche kauft in den USA zu

Der schweizerische Pharmakonzern Roche übernimmt das US-amerikanische Mikrobiologie-Unternehmen Geneweave BioSciences. Der Pharmakonzern ließ sich die Akquisition zunächst 190 Millionen US-Dollar, umgerechnet rund 180 Millionen Euro, kosten. Roche teilte allerdings mit, dass Meilensteinzahlungen in Höhe von bis zu 235 Millionen Dollar hinzukommen.

M&A-Markt bleibt stark

Die Anzahl der M&A-Transaktionen in diesem Jahr hat im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14 Prozent zugenommen. Laut einer aktuellen Marktstudie der Beratungsgesellschaft Angermann M&A International ist sie von 749 auf 852 gestiegen. Das Transaktionsvolumen ist dagegen im Vergleich zum Vorjahr um 44 Prozent von 92 Milliarden Euro auf 52 Milliarden Euro gesunken. Die hohe Zahl der Deals am M&A-Markt beruht neben den Transaktionen im klassischen Mittelstand auch auf vielen Deals der Venture Capital- und Startup-Unternehmen. Deutlich zugenommen haben im ersten Halbjahr des Jahres die internationalen Transaktionen.

Weitere M&A-Deals

Der größte deutsche Energiekonzern E.on trennt sich von seiner in Italien gelegenen Wasserkraftwerkssparte. Der Verkauf an das Unternehmen ERG Power Generation soll Ende des Jahres vollzogen werden. Finanzielle Details sind noch nicht bekannt. Die Transaktion ist ein weiterer Schritt in der umfassenden Umbaustrategie des Konzerns.

Der Photovoltaik-Dienstleister Solare Datensysteme wird an das Schweizer Energie- und Infrastrukturunternehmen BKW Gruppe verkauft. Über die Höhe des Kaufpreises wurde Stillschweigen vereinbart. Durch die Übernahme, die im September 2015 erwartet wird, will die BKW seine Position im Photovoltaik-Dienstleistungsgeschäft stärken. Ashurst war unter der Federführung von Ingo Scholz Berater von Solare Datensysteme. BKW hat Rödl & Partner mandatiert. Das Team arbeitete unter der Federführung von Michael Wiehl.

Der Hersteller von Anzeige- und Beleuchtungstechnologie Luminator Technology Group akquiriert die Schweizer Gorba/ Invertag, deren Fokus auf Fahrgastinformationssystemen liegt. Laut LTG-CEO Avi Zisman verstärkt die Übernahme das Angebotsportfolio des Unternehmens für den öffentlichen Personenverkehr. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt.

Das japanische Chemieunternehmen Denka hat den biopharmazeutischen Entwickler Icon Genetics von Nomand Bioscience für rund 75 Millionen Euro erworben. Denka wird zunächst 51 Prozent der Anteile übernehmen, die restlichen folgen 2017. Das Team der internationalen Anwaltssozietät Clifford Chance um die Partner Thomas Stohlmeier und Tatsuhiko Kamiyama hat Denka beraten.

Der österreichische Aluminium-Produzent Hammerer Aluminium erwirbt ein in Soest gelegenen Strangpresswerks. Verkäufer ist Martinrea Hosel Germany. Die Luther Rechtsanwaltsgesellschaft hat unter der Federführung von Hermann J. Knott Hammerer Aluminium beraten. Martinrea wurde von den Partnern Björn Holland und Nicole Schlatter von Kirkland & Ellis beraten. 2014 verzeichnete Hammerer Aluminium einen Umsatz von rund 309 Millionen Euro.

Conwert beendet Gespräche hinsichtlich der potentiellen Akquisition der deutschen Wohnimmobilien und der Plattform der BGP Investment. Nachdem Gesprächen zwischen Käufer und Verkäufer, entschied der Verwaltungsrat, dass die Übernahme derzeit nicht im strategischen Interesse Conwerts sei.

Die britische WPP-Tochtergesellschaft WPP Jubilee hat ein Übernahmeangebot für die deutsche Marketingagentur Syzygy gemacht. Im Wege des freiwilligen Übernahmeangebotes bietet die Agentur 9 Euro je Syzygy-Aktie. Im ersten Halbjahr 2015 hat Syzygy einen Umsatz von 27,64  Millionen Euro erwirtschaftet.

Der US-Anbieter von Beratungs- und Implementierungsleistungen Rapid Performance schließt einen Partnervertrag mit dem Software-Anbieter prevero, zu dessen Kundenstamm unter anderem Marken wie Audi, BMW und Edeka zählen. Im Wege der Übereinkunft sollen zukünftig große und mittelständische Unternehmen auf globaler Ebene beraten werden.

Jungheinrich, ein Unternehmen in der Flurförderzeug-, Lager- und  Materialflusstechnik, erwirbt die MIAS Group, welche ihren Fokus auf Lager- und Transporttechnik legt. Durch die Akquisition erweitert Jungheinrich sein Technologieportfolio für automatisierte Lagerlösungen. Berater der MIAS Group-Gesellschafter war die M&A-Organisation IMAP.

Mit Wirkung zum 29. Juli hat der Dortmunder IT-Dienstleister Materna das Unternehmen Infora, das auf E-Government-Beratung spezialisiert ist, übernommen. Durch die Akquisition erweitert Materna sein Beratungsangebot für Kunden der öffentlichen Verwaltung und erwirbt 100 Prozent der Geschäftsanteile Inforas. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

Die Büroimmobilienfirma Deutsche Office reagiert bislang nicht auf die Übernahmepläne des Hamburger Immobilienunternehmens Alstria. Erst nach der Veröffentlichung des Übernahmeangebots wolle sich das Kölner Unternehmen zu der Transaktion äußern. Der größte Deutsche Office-Aktionär ist der US-Finanzinvestor Oaktree, der 60,5 Prozent an Aktien hält. Oaktree befürwortet eine Übernahme, jedoch müssten weitere 14,5 Prozent an Papieren eingetauscht werden.

Die Prym-Gruppe hat den bisherigen Minderheitsgesellschafter laut eigener Aussage planmäßig abgelöst. Übernommen wird die Minderheitsbeteiligung durch eine nicht näher genannte Beteiligungsgesellschaft. Die Höhe der Beteiligung wurde ebenfalls nicht genannt. Das Team von Latham & Watkins hat die Prym-Gruppe unter der Federführung von Henning C. Schneider beraten. Die Prym-Gruppe ist eigenen Angaben zufolge das älteste Familienunternehmen der Industriebranche in Deutschland und hat 2014 einen Umsatz von 360 Millionen Euro erwirtschaftet.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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