M&A-Deals: Gerresheimer, Deutsche Börse, Krauss-Maffei Wegmann

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31.07.15
Deals

M&A-Deals: Gerresheimer, Deutsche Börse, Krauss-Maffei Wegmann

Der Pharmazulieferer Gerresheimer kauft in den USA zu, die Deutsche Börse übernimmt den Treasury-Softwarespezialisten 360T und Krauss-Maffei Wegmann schließt sich mit dem französischen Rüstungskonzern Nexter zusammen. Die M&A-Deals und M&A-News der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Deutsch-französische Fusion in der Rüstungsbranche

Die Rüstungskonzerne Krauss-Maffei Wegmann und Nexter haben wie angekündigt fusioniert. Sämtliche Anteile an beiden Unternehmen sollen in eine neu gegründete Holding niederländischen Rechts eingebracht werden, schreibt Krauss-Maffei Wegmann in einer Pressemitteilung. Zusammen erwirtschaften Krauss-Maffei Wegmann und Nexter rund 2 Milliarden Euro Umsatz und haben rund 6.000 Mitarbeiter. Der Zusammenschluss muss jedoch noch von den Kartellbehörden freigegeben werden.  Außerdem muss die französische Regierung noch das verabschiedete neue Gesetz über Wirtschaftsreformen veröffentlichen, mit dem das bisherige Staatsunternehmen Nexter privatisiert wird.

Photobox erwirbt PosterXXL

Der britische Online-Fotodienstleister Photobox kauft den Münchener Konkurrenten PosterXXL. Den Kaufpreis gaben die beiden Unternehmen nicht bekannt. Photobox wurde bei dem Deal durch die Kanzlei Dechert unter Federführung von Katja Heuterkes beraten. Für die Verkäuferseite waren Attila Oldag und Sebastian Olk von der Kanzlei Gütt Olk Feldhaus federführend tätig. PosterXXL hatte 2012 die Finanzierung über eine Mittelstandsanleihe gewagt. Allerdings war der Mini-Bond lange ein Wackelkandidat. Mit dem Verkauf des Unternehmens an Photobox atmen die Gläubiger nun offenbar auf: Der Kurs der Anleihe steht wieder bei 100 Prozent.

Gerresheimer zahlt 9,8x Ebita für US-Konkurrent Centor

Dem Pharmazulieferer Gerresheimer gelingt mit Centor, einem Hersteller von Kunststoffverpackungen und Verschlüssen für Medikamente, der langersehnte Zukauf in den USA. Verkäufer ist der PE-Investor Montagu. Der Kaufpreis beläuft sich ohne Barmittel und Schulden auf umgerechnet rund 650 Millionen Euro. Dieser Preis entspricht laut Gerresheimer in etwa dem 9,8-fachen Ebitda. Die Kanzlei Hengeler Mueller unter Federführung von Nikolaus Vieten begleitete Gerresheimer bei der Akquisition.

Deutsche Börse kauft 360T

Die Deutsche Börse steigt in das Treasury-Geschäft ein und übernimmt für 725 Millionen Euro die Devisenhandelsplattform 360T von dem US-amerikanischen PE-Investor Summit Partners. Beraten wurde die Deutsche Börse bei der Akquisition durch die Kanzlei Linklaters unter Federführung von Staffan Illert, Nikolaos Paschos und Florian Harder. Für die Verkäufer waren die Kanzleien Hengeler Mueller unter Federführung von Daniela Favoccia und Peter Weyland sowie Linklaters (Federführung Markus E. Krüger) tätig. Die Management Shareholder der 360T-Group wurden von Latham & Watkins unter der Federführung von Markus E. Krüger beraten.

Die Deutsche Börse hat mit dem Erwerb von Stoxx und Indexium von der Six Group außerdem noch einen weiteren M&A-Deal vereinbart. Die Transaktion mit einem Wert von 650 Millionen Schweizer Franken soll noch Ende Juli vollzogen werden. Finanziert wird der Zukauf über kurzfristige Schuldverschreibungen beziehungsweise eine langfristige (Hybrid-)Anleihe, so die Deutsche Börse. Auch bei diesem Deal war Linklaters als beratende Kanzlei mandatiert.

Fosun will die Macht bei der BHF Bank

Der chinesische Finanzinvestor Fosun greift nach der Mehrheit der BHF Bank: Er hat ein in Finanzkreisen als feindlich eingestuftes Kaufangebot für sämtliche ausstehende Aktien der Holding BHF Kleinwort Benson unterbreitet, der Mehrheitseigentümerin der BHF Bank. Mit dem angestrebten Deal will Fosun seinen Anteil von rund 28 Prozent auf mindestens 50 Prozent plus eine Aktie aufstocken. Das Angebot von 5,10 Euro je Aktie enthält einen Aufschlag von 16 Prozent verglichen mit dem durchschnittlich gewichteten Aktienkurs der vergangenen sechs Monate. Die Chinesen hatten erst Anfang Juli angekündigt, die Traditionsbank Hauck & Aufhäuser übernehmen zu wollen.

Equistone steigt bei Tristyle Mode ein

Der PE-Investor Equistone hat über seinen fünften Fonds die Mehrheit an Tristyle Mode erworben. Die restlichen Anteile übernimmt das Management von Tristyle. Zu dem Unternehmen gehören Peter Hahn und Madeleine Mode. Verkäufer der Anteile sind die Primondo Specialty Group und die Wirth Beteiligungs GmbH. Tristyle erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2013/2014 Umsätze von 483 Millionen Euro. Bei der Akquisition wurde Equistone durch KPMG, PWC, CMS, N+1 sowie Shearman & Sterling beraten. Für das Tristyle-Management war die Kanzlei P+P Pöllath + Partners beratend tätig, federführend war Benedikt Hohaus

HeidelbergCement greift nach Italcementi

Der Baustoffkonzern HeidelbergCement will den italienischen Konkurrenten Italcementi übernehmen. In einem ersten Schritt erwirbt HeidelbergCement 45 Prozent der Anteile von Italmobiliare. Der Kaufpreis beträgt 10,60 Euro je Aktie, insgesamt rund 1,67 Milliarden Euro. Beraten wurde HeidelbergCement durch Hengeler Mueller, Gleiss Lutz und die italienische Kanzlei Studio Legale Sabelli. Der Verkäufer wurde durch die italienische Kanzlei Gattai, Minoli, Agostinelli & Partners beraten. Italmobiliare erwirbt im Zuge der Transaktion zwischen 7,75 und 10,5 Millionen Aktien (zwischen 3,96 und 5,29 Prozent) von HeidelbergCement. Für die Übernahme hat HeidelbergCement von der Deutschen Bank und Morgan Stanley eine Brückenfinanzierung in Höhe von 4,4 Milliarden Euro aufgenommen. Die finanzierenden Banken wurden federführend durch Marc Trinkaus von der Kanzlei Linklaters beraten.

Weitere M&A-Deals

Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim verkauft seine US-Generikasparte Roxane an den jordanisch-britischen Wettbewerber Hikma für insgesamt rund 2,65 Milliarden US-Dollar. Einen Anteil in Höhe von 1,18 Milliarden US-Dollar des Kaufpreises zahlt Hikma in bar. Zusätzlich erhält Boehringer 40 Millionen neue Hikma-Aktien (rund 16,71 Prozent), deren Ausgabepreis bei 23,50 Britischen Pfund je Aktie liegt. Abhängig von der Erreichung bestimmter Ziele fließen weitere 125 Millionen US-Dollar Cash.

Die britische Beteiligungsgesellschaft Melrose hat den Mainzer Messtechnik-Spezialisten Elster für umgerechnet 4,6 Milliarden Euro an den US-Mischkonzern Honeywell verkauft. Das bei dem Exit erzielte Multiple liegt laut Melrose bei 14,3x Ebitda bezogen auf das Geschäftsjahr 2014.

Der Luxemburger Investor Atlantik SA plant den Exit bei Pfleiderer, einem bayerischen Holzverarbeiter. Beim Einstieg des Finanzinvestors war das Unternehmen ein Sanierungsfall. Pfleiderer Grajewo, eine an der Warschauer Börse notierte polnische Tochter, beschafft sich über eine Kapitalerhöhung nach jetzigem Aktienwert über 200 Millionen Euro. Mit einem Teil des Geldes soll Pfleiderer Grajewo dann den eigenen Mutterkonzern von Atlantik ganz übernehmen. Atlantik soll nach der Kapitalerhöhung weniger als die Hälfte des kombinierten Unternehmens kontrollieren, so das Ziel.

Beim Verkauf des insolventen Modeherstellers Strenesse geht es voran: Offenbar gibt es bereits einige Interessenten, darunter PE-Investoren sowie andere Modefirmen, schreibt das Handelsballt. Strenesse hatte im April 2014 nach langer Krise die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt.

Die Medienkonzerne ProSiebenSat.1 und Axel Springer haben laut dpa Gerüchte über angebliche Fusionspläne dementiert. Sprecher beider Unternehmen teilten mit, dass keine „vertiefte Zusammenarbeit“ beabsichtigt sei. Man wolle allerdings bei der Förderung digitaler Start-ups kooperieren.

Die Pfaudler-Gruppe hat die Mehrheit an Julius Montz, einem Spezialisten für Destillationstechnik, mit der unterschiedliche Flüssigkeiten und Gase in ihre Bestandteile zerlegt oder gereinigt werden können, erworben. Verkäufer ist die F.A. Neumann Gruppe, die durch ein Team der Kanzlei White & Case unter Federführung von Matthias Kasch und Angelika Bartholomäi beraten wurde. Pfaudler wurde bei der Akquisition durch ein Team der Kanzlei Shearman & Sterling begleitet. Montz bleibt als eigenständiges Unternehmen erhalten. Fianziell unterstützt wurde Pflaudler von der DBAG, die Ende 2014 beim Unternehmen eingestiegen ist.

Der Schweizer Versicherungskonzern Zurich strebt laut Reuters eine Milliardenübernahme an. Demnach prüft das Unternehmen derzeit ein Übernahmeangebot für den britischen Konkurrenten RSA Insurance Group. RSA ist an der Börse rund 7 Milliarden US-Dollar wert, Zurichs Marktkapitalisierung beläuft sich auf etwa das Sechsfache.

Der Investor Genting Group aus Malaysia könnte bereits Ende August bei der Lloyd Werft mit Sitz in Bremerhaven einsteigen. Dies berichtete die Börsen-Zeitung unter Berufung auf den stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden Nils Bothen. Das Unternehmen begrüße einen Einstieg des asiatischen Konzerns wegen der damit verbundenen Sicherung von Arbeitsplätzen sowie der Aufwertung des Standorts Bremerhaven.

Der IT-Dienstleister GFT Technologies hat den Personaldienstleister Emagine verkauft. Der Geschäftsbereich erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 86 Millionen Euro. Käufer ist Financière Valérien SAS, an dem das bisherige Emagine-Management sowie der französische Finanzinvestor MBO Partenaires beteiligt sind. Der Abschluss wird für das dritte Quartal nach Zustimmung der Kartellbehörden erwartet.

Der Hamburger Verlag Gruner + Jahr und der Landwirtschaftsverlag aus Münster planen ein Joint Venture, an dem beide Verlage zu gleichen Teilen beteiligt sind. In das Gemeinschaftsunternehmen bringen beide Verlage einen Teil ihres Zeitschriftengeschäfts ein. Bei Gruner + Jahr sind das „Essen & Trinken“, „Essen & Trinken für jeden Tag“, „Flow“ und „Living at Home“. Der Landwirtschaftsverlag bringt „Landlust“ und „Einfach Hausgemacht“ ein.

Das Familienunternehmen Friedhelm Loh Group hat ihre Beteiligung an dem Duisburger Stahlhändler Klöckner & Co. auf 10,38 Prozent aufgestockt. Die Gruppe erzielte laut Handelsblatt mit über 11.000 Mitarbeitern zuletzt Umsätze von 2,2 Milliarden Euro.

Die Demire Deutsche Mittelstand Real Estate will den Aktionären der Fair Value REIT ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot unterbreiten. Für eine Aktie von Fair Value REIT werden zwei Demire-Aktien geboten. Mit mehreren Aktionären, die insgesamt 23,21 Prozent der Anteile halten, hat Demire bereits Vereinbarungen geschlossen.

Der chinesische Investor HNA Group übernimmt den Schweizer Flugzeugabfertiger Swissport von dem französischen PE-Investor Pai Partners. Der Kaufpreis beläuft sich auf 2,73 Milliarden Schweizer Franken. Der Deal soll Ende des Jahres abgeschlossen werden, behördliche Genehmigungen stehen jedoch noch aus.

julia.becker[at]finance-magazin.de

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