M&A-Deals: Helaba, Dr. Oetker, Katjes

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Mit PE-Investoren hat die Aareal Bank bereits Erfahrung. Nun könnte ein Stratege einen Deal mit der Bank einfädeln. Foto: Aareal Bank
Mit PE-Investoren hat die Aareal Bank bereits Erfahrung. Nun könnte ein Stratege einen Deal mit der Bank einfädeln. Foto: Aareal Bank

Bahnt sich ein deutscher Banken-Deal an?

In der Bankenszene kochen Übernahmegerüchte auf: Demnach soll die hessische Landesbank Helaba eine Übernahme der Aareal Bank prüfen. Die Gespräche sollen sich in einem frühen Stadium befinden und könnten noch scheitern, schreibt das „Handelsblatt“.

Die Aareal Bank, die sich auf Büroimmobilien in den USA spezialisiert hat, steht unter der Kontrolle der Finanzinvestoren Advent, Centerbridge und dem kanadischen Pensionsfonds CPPIB. Helaba wird von Sparkassenverbänden sowie den Bundesländern Hessen und Thüringen getragen.

Einige Bankenexperten, darunter BayernLB-Chef Stephan Winkelmeier glauben, dass die Aareal-Eigentümer aus regulatorischen Gründen den Verkauf anstreben könnten. Denn, so schätzt Winkelmeier, ein Großteil des Aareon-Verkaufserlöses – die Aareal-Software-Tochter, die vergangenes Jahr von den Finanzinvestoren verkauft wurde – stecke noch in der Aareal Bank. Und die Investoren könnten das Geld aus regulatorischen Gründen nicht einfach abziehen.

Sollte es zu einem Deal kommen, würden die größten Landesbanken LBBW, BayernLB und Helaba ein ähnliches Engagement im Immobiliensektor aufweisen. Die LBBW verwaltet mit der Berlin Hyp rund 70 Milliarden Euro, Helaba mit Aareal rund 67 Milliarden Euro und BayernLB mit DKB 66 Milliarden Euro.

Dr. Oetker übernimmt Kathi aus Sachsen-Anhalt

Die Bielefelder Dr.-Oetker-Gruppe hat das Backunternehmen Kathi aus Halle an der Saale übernommen. Die Verträge sind bereits unterzeichnet und der Produktionsstandort sowie die rund 70 Beschäftigten werden übernommen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Kathi, spezialisiert auf Backmischungen und Mehl, bleibt unter dem bisherigen Management eigenständig.

Die Oetker-Gruppe plant, ihre Position im Bereich Backmischungen und Kuchenspezialitäten zu stärken. Kathi ist vor allem in Ostdeutschland etabliert und soll weiterhin in Halle produzieren. Investitionen und Modernisierungen sind geplant, um den Standort langfristig zu sichern. Marco Thiele, Geschäftsführer von Kathi, nennt schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen als Grund für den Distressed-Verkauf. Beraten wurden die Gesellschafter von Kathi von IMAP.

Katjes erwartet Millionen-Erlöse aus CPK-Verkauf

Katjes International plant, seine 23-Prozent-Beteiligung an dem französischen Süßwarenhersteller Carambar & Co. zu veräußern. Der Mehrheitseigentümer, der französische Private-Equity-Investor Eurazeo, hat exklusive Verhandlungen mit einer Holdinggesellschaft der Ferrara Candy Company, einer Tochter der Ferrero-Gruppe, aufgenommen.

Die Transaktion könnte Katjes International im vierten Quartal 2025 bis zu 80 Millionen Euro einbringen. Der Abschluss hängt von der Zustimmung der Kartellbehörden und dem Konsultationsprozess mit den Gewerkschaften in Frankreich ab. CPK betreibt drei Produktionsstätten in Frankreich und beschäftigt über 900 Mitarbeiter.

Gerresheimer beendet Gespräche mit Private Equity

Der Verpackungsspezialist Gerresheimer wurde als nächstes Private-Equity-Ziel gehandelt. Einige Gerüchte über Verhandlungsgespräche kursierten. Nun meldet sich der Konzern selbst zu Wort und vermeldet: Es gibt keinen Deal. Konkret heißt es aus Düsseldorf, dass die Verhandlungen mit Private-Equity-Investoren über ein potenzielles Übernahmeangebot eingestellt wurden. Das Unternehmen sehe die Fortführung der Gespräche nicht im besten Interesse seiner Stakeholder und konzentriere sich lieber auf die Umsetzung seiner Wachstumsstrategie. Ein Strategie-Update soll es am Kapitalmarkttag am 15. Oktober geben, bei dem auch die beschleunigte strategische Überprüfung des Moulded-Glass-Geschäfts vorgestellt werden soll.

Dreh- und Angelpunkt der Gerresheimer-Strategie ist eine neue Segmentierung der Geschäftsbereiche, um die Transparenz der Finanzberichterstattung zu erhöhen. Erst jüngst hat Gerresheimer durch die Akquisition von Bormioli Pharma von PE-Investor Triton sein Produktportfolio um Primärverpackungen aus Glas und Kunststoff erweitert und damit den Grundstein für einen neuen Geschäftsbereich gelegt. Die Düsseldorfer planen mittelfristig ein organisches Umsatzwachstum von 6 bis 9 Prozent und eine organische Adjusted-Ebitda-Marge von 23 bis 25 Prozent.

Weitere M&A-Deals

Der Maschinenbauer Manz hat einen Kaufvertrag mit Ekvip Automation über den Verkauf der Anteile an ihrer Tochtergesellschaft Manz USA unterzeichnet. Der Verkaufserlös fließt in die Insolvenzmasse von Manz. Der Konzern befindet sich seit Februar dieses Jahres im Insolvenzverfahren unter Leitung von Insolvenzverwalter Martin Mucha von Grub Brugger. Ein Teil des Unternehmens wurde bereits von einer Tochter des E-Autobauers Tesla übernommen. Ekvip Automation, spezialisiert auf Automatisierungstechnik, erweitert durch diesen Deal das internationale Geschäft und stärkt die Präsenz in Nordamerika.

Das Familienunternehmen Ruf aus Quakenbrück beabsichtigt, die Großbäckerei Mestemacher aus Gütersloh zu übernehmen. Ruf produziert unter anderem Backmischungen und Puddingpulver, während Mestemacher Pumpernickel und Vollkornbrote herstellt und in über 80 Länder exportiert. Die Mestemacher Gruppe gehört jeweils zur Hälfte den beiden Familien Albert und Ulrike Detmers sowie Fritz und Helma Detmers. Die Fusion muss noch genehmigt werden, eine Entscheidung wird bis Ende August erwartet. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Mestemacher erzielte 2024 einen Umsatz von 171 Millionen Euro.

Das chinesische Unternehmen CAC Nantong Chemical hat das chemische Pflanzenschutzportfolio von Helm mit Sitz in Hamburg erworben. Durch die Übernahme wird die globale strategische Partnerschaft zwischen beiden Unternehmen erweitert. Die Tochtergesellschaft CAC Chemical übernimmt die Zulassungen und Rechte für das Helm-Portfolio in Europa. CAC Nantong Chemical ist Teil der in Shanghai ansässigen CAC-Gruppe, die sich auf Pflanzenschutz und neue Werkstoffe konzentriert. Gleiss Lutz (Federführung: Anselm Christiansen, Yixiao Li) hat CAC Nantong bei dem Deal beraten.

M&A-Gerüchteküche

Die Bundesregierung soll einen Einstieg beim deutsch-französischen Panzerbauer KNDS, dem Mutterkonzern des deutschen Panzerbauers Krauss-Maffei-Wegemann und des französischen Partners Nexter, erwägen, um das Machtgefüge zwischen Deutschland und Frankreich zu stabilisieren. Die Eigentümerfamilien Bode und Braunbehrens planen, ihre Anteile am Leopard-Hersteller schrittweise zu verkaufen. Der Wert von KNDS wird auf rund 20 Milliarden Euro geschätzt. Ein Börsengang ist noch für dieses Jahr geplant, bei dem der französische Staat und die Wegmann-Holding jeweils 12,5 Prozent der Aktien an neue Investoren abgeben könnten. Die Bundesregierung könnte zudem eine Sperrminorität von 25,1 Prozent von Wegmann erwerben.

Noch mehr Deal-Gerüchte aus dem Militärsektor drehen sich um KNDS – allerdings als Käufer. Denn auch der italienische Defense-Konzern Iveco stellt eine Division ins Schaufenster, konkret seine Militärfahrzeugsparte. Und für diese sollen neben dem deutsch-italienischen Konsortium aus Rheinmetall und Leonardo auch der deutsch-französische Panzerhersteller KNDS eine Offerte abgegeben haben, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg. Demnach sollen sich die Angebote auf 1,6 Milliarden bis 1,9 Milliarden Euro belaufen. Eine KNDS-Sprecherin betonte, dass der Konzern „eine wichtige Rolle bei der Konsolidierung“ spiele und Italien ein Schlüsselmarkt sei.

Medienberichten zufolge soll auch im Defense-Tech-Start-up-Sektor ein Deal über die Bühne gehen. Wie das Start-up-Magazin „Sifted“ erfahren haben will, soll das Defense-Tech-Startup Stark den Berliner Branchenkollegen Pleno übernehmen. Das Berliner Unternehmen hat sich auf autonome Navigationssoftware für Drohnen spezialisiert. Pleno wurde vor zwei Jahren von Ngurah Linggih und Nino Lindenberg gegründet und entwickelt KI-Agenten für Drohnen, die ohne Satellitenpositionierung navigieren können. Stark, gegründet von Florian Seibel, soll planen, mit Pleno GNSS-unabhängige Schwarmtechnologien zu entwickeln, um die technologischen Fähigkeiten der Nato und europäischer Streitkräfte zu stärken.

Info

Melanie Ehmann ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen am M&A- und Private-Equity-Markt. Sie hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Ehmann sechs Jahre in der Redaktion des Platow Verlags, zunächst als Volontärin, später als Wirtschaftsjournalistin im Platow Brief und den Sonderpublikationen.