M&A-Deals: Commerzbank, Heise, Frauscher 

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Die gelbe Bank bleibt eisern: Eine Übernahme durch die Unicredit kommt für die Coba weiterhin nicht in Frage. Foto: Matthias – stock.adobe.com
Die gelbe Bank bleibt eisern: Eine Übernahme durch die Unicredit kommt für die Coba weiterhin nicht in Frage. Foto: Matthias – stock.adobe.com

Unicredit erhöht Beteiligung an Coba auf 20 Prozent

Die italienische Großbank Unicredit lässt bei der Commerzbank nicht locker: Die Bank hat ihre Beteiligung an der Commerzbank auf 20 Prozent verdoppelt und ist damit zum größten Aktionär aufgestiegen, noch vor dem deutschen Staat, der 12 Prozent hält.  

Nach Erhalt aller erforderlichen Genehmigungen, darunter von der Europäischen Zentralbank und dem Bundeskartellamt, hat Unicredit zuvor erworbene Derivate in Commerzbank-Aktien umgewandelt. Die Muttergesellschaft der Münchener Hypovereinsbank plant, weitere 9 Prozent in Aktien umzuwandeln. Trotz dieser Schritte lehnt die Commerzbank einen Verkauf an Unicredit ab und betont ihre Unabhängigkeit. Die Gewerkschaft Verdi kritisiert das Vorgehen als feindliche Übernahmeaktivität. 

Unicredit-Chef Andrea Orcel verfolgt das Ziel, die Commerzbank mit der Münchener Tochter Hypovereinsbank zu fusionieren. Orcel argumentiert, dass eine Annäherung wirtschaftliche, soziale und politische Vorteile bringen würde. Trotz mehrfacher Versuche, die deutsche Regierung zu Gesprächen zu bewegen, stieß Orcel auf Ablehnung. Die Commerzbank betont, dass die Anpassung der Unicredit-Position keine Auswirkungen auf ihre strategische Ausrichtung hat.  

Heise übernimmt Mindfactory

Das Medienhaus Heise hat den vollständigen Geschäftsbetrieb von Mindfactory im Rahmen eines Asset-Deals erworben. Die Übernahme steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch das Kartellamt. Sollte diese erfolgen, wechselt einer der größten deutschen Online-Händler für PC-Komponenten den Besitzer. Die finanziellen Details bleiben vertraulich. Der Standort Wilhelmshaven sowie alle Mitarbeiter und Kundenbeziehungen sollen erhalten bleiben. 

Mindfactory geriet zu Jahresbeginn in finanzielle Schwierigkeiten und leitete im Frühling eine Insolvenz in Eigenverwaltung ein. Die Heise Group plant, den Bereich Hardware-Handel als neue Unternehmenssäule zu etablieren. Die Redaktionen von Heise online und C’t bleiben unabhängig von der Händlersparte.  

US-Konzern schluckt Frauscher für 675 Millionen Euro

Der US-amerikanische Konzern Wabtec hat die Übernahme des oberösterreichischen Bahnsensorenherstellers Frauscher Sensortechnik angekündigt. Die Transaktion umfasst die Muttergesellschaft Frauscher Sensor Technology Group und beläuft sich auf 675 Millionen Euro.  

Frauscher, bekannt für die Entwicklung von Sicherheits-Signaltechnik wie Radsensoren und Achszählern, wurde 1987 gegründet und wechselte in den vergangenen Jahren mehrfach den Besitzer. Zuletzt hielt das französische Industrieunternehmen Delachaux 92 Prozent der Anteile, während das Management die restlichen 8 Prozent besaß.  

Wabtec, ein Hersteller von Lokomotiven und Komponenten für Schienenfahrzeuge, erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von 10,5 Milliarden US-Dollar. Die Übernahme von Frauscher soll das Wachstum und die globale Reichweite des Unternehmens weiter stärken.  

Gesco schnappt sich Hydrauliker Eckart

Die Industriegruppe Gesco hat Eckart mit Sitz in Schlüchtern übernommen. Wie das Unternehmen nun bekanntgab, erfolgte die Übernahme rückwirkend zum Januar 2025. Eckart ist auf hydraulische Schwenkmotoren und Armaturenantriebe spezialisiert, die in mobilen Arbeitsmaschinen und stationärem Maschinenbau Anwendung finden. Mit einem Jahresumsatz von rund 20 Millionen Euro und 137 Mitarbeitern wird das Unternehmen weiterhin von Markus Eckart geleitet.  

Gesco-CEO Johannes Pfeffer betont: „Eckart liefert einen hervorragenden Fit zum Gesco-Anforderungskatalog für M&A-Targets – insbesondere bezüglich der Kriterien differenzierungsprägende Wertschöpfung, Innovationsfähigkeit und kundenerfolgsrelevantes Angebot.“ Die Akquisition stärkt das Segment Industrial Assets & Infrastructure von Gesco. Beraten wurden die Gesellschafter der Eckart Gruppe bei dem Deal von Taurus Advisory. 

Weitere M&A-Deals

Der IT-Dienstleister Bechtle hat den spanischen Branchenkollegen Grupo Solutia Tecnologia akquiriert. Bechtle will mit dem Zukauf seine Position in Spanien stärken. Mit der Übernahme verfünffacht Bechtle nach eigenen Angaben sein Team in Spanien und erweitert sein Portfolio in den Bereichen Workplace, Software-Entwicklung und IT-Services. Grupo Solutia, mit Standorten in Sevilla, Madrid und Murcia, erzielte zuletzt einen Umsatz von knapp 100 Millionen Euro und ist besonders im öffentlichen Sektor etabliert. Die Akquisition ist Teil der Internationalisierungsstrategie von Bechtle. Über die Konditionen wurde Stillschweigen vereinbart. CMS hat Bechtle bei der Akquise beraten.  

Capol aus Elmshorn hat Curt Georgi in Böblingen übernommen. Diese Akquisition ist Teil der Wachstumsstrategie von Capol, einer Geschäftseinheit der Freudenberg Gruppe. Freudenberg ist auf die Entwicklung und Produktion von Dichtungen, Filtern, Vliesstoffen, Produkte zur Oberflächenbehandlung, Spezialschmierstoffe, mechatronische Produkte und Reinigungsprodukte spezialisiert. Curt Georgi, ein Anbieter spezialisierter Aromastoffe, ergänzt das bestehende Produktportfolio von Capol und eröffnet neue Marktchancen. Der Kaufpreis bleibt vertraulich. Ein CMS-Team um Henrik Drinkuth hat die Freudenberg Gruppe bei dem Erwerb beraten.  

Blick in den M&A-Markt

Der deutsche M&A-Markt zeigt sich resilient gegenüber den Herausforderungen der letzten Jahre. Besonders die im April 2025 eingeführten US-Zölle haben die Unsicherheit weiter verstärkt, dennoch erkennen viele Führungskräfte Chancen und verfolgen eine klare, langfristige M&A-Strategie, wie der M&A Midyear Report 2025 der Unternehmensberatung Bain zeigt.

Demnach konzentrieren sich M&A-Aktivitäten zunehmend auf die Schaffung zukunftsfähiger Portfolios. Unternehmen setzen auf Skalierung, Erweiterung von Fähigkeiten und strategische Desinvestitionen, um ihre Positionen in einem von disruptiven Technologien wie generativer KI geprägten Umfeld zu stärken.

Die jüngsten M&A-Trends zeigen, dass Unternehmen trotz hoher Zinsen und Kostendruck auf Skaleneffekte setzen. Transaktionen wie der 60-Milliarden-Dollar-Deal im Energiesektor zwischen Adnoc und der österreichischen OMV verdeutlichen den Trend zu Konsolidierungen. Gleichzeitig treiben disruptive Technologien die Nachfrage nach neuen Fähigkeiten und damit auch das M&A-Geschehen an: Unternehmen wie Siemens investieren in KI-Assets, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.  

Die besten Unternehmen konzentrieren sich laut Bain auf die langfristige Transformation ihrer Portfolios und lassen sich nicht von kurzfristigen Marktgeräuschen ablenken. Ein Beispiel hierfür ist die geplante Abspaltung der Robotersparte von ABB, um sich auf Elektifizierung und Prozessautomatisierung zu konzentrieren. 

M&A-Berater-News

Marc Osigus hat seinen Abschied von Hauck Aufhäuser Lampe bekannt gegeben. Nach über 16 Jahren endet seine Tätigkeit als Leiter des Investmentbankings, das er 2009 mitbegründete. Sein Weggang fällt mit der Übernahme der Privatbank durch ABN Amro zusammen, die am 30. Juni abgeschlossen wurde. ABN Amro plant, das Investmentbanking in seine deutschen Strukturen zu integrieren. Die Zukunft der Investmentbanking-Sparte bleibt unklar und auch Osigus nächster Karriereschritt ist noch nicht bekannt. 

Alantra hat Alexander Matthes zum neuen Deutschlandchef ernannt. Matthes, der zuvor bei Vendis Capital tätig war, übernimmt ab dem 1. Oktober die Rolle des Managing Directors und wird sich auf den Consumer-Sektor konzentrieren. Er bringt umfangreiche Erfahrung aus dem Investmentbanking mit, unter anderem von William Blair. Alantra plant, das Team in Deutschland auf 20 bis 25 M&A-Professionals zu erweitern. Die Bank sieht Chancen im Midmarket, insbesondere bei Transaktionen mit einem Unternehmenswert von 100 bis 400 Millionen Euro

Info

Melanie Ehmann ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen am M&A- und Private-Equity-Markt. Sie hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Ehmann sechs Jahre in der Redaktion des Platow Verlags, zunächst als Volontärin, später als Wirtschaftsjournalistin im Platow Brief und den Sonderpublikationen.