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23.03.18
Deals

M&A-Deals: Laudamotion, N26, Bayer

Ryanair will Laudamotion übernehmen, Allianz X steigt beim Fintech N26 ein und Bayer nimmt die nächste Hürde bei der geplanten Übernahme von Monsanto. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Ryanair will Laudamotion übernehmen

Der irische Billigflieger Ryanair kauft sich mit 25 Prozent bei der Airline Laudamotion ein. Die Iren wollen ihren Anteil jedoch in naher Zukunft auf 75 Prozent aufstocken und damit die Kontrolle bei dem Unternehmen des Ex-Formel-1-Fahrers Niki Lauda übernehmen. Lauda soll als Geschäftsführer an Bord bleiben.

Lauda hatte über sein Unternehmen Laudamotion seine ehemalige Airline „Niki“ für rund 50 Millionen Euro aus der Insolvenzmasse von Air Berlin erworben. Ungefähr in diesem Rahmen soll sich der Kaufpreis bei einer potenziellen Übernahme durch Ryanair bewegen. Außerdem finanziert der Billigflieger mit weiteren 50 Millionen Euro den geplanten Ausbau von Laudamotion.

Allianz X beteiligt sich an Fintech N26

Allianz X, die digitale Investmenteinheit des Versicherers Allianz, hat sich an dem Fintech N26 beteiligt. Die Finanzierungsrunde, bei der N26 insgesamt 160 Millionen US-Dollar (rund 130 Millionen Euro) einsammelte, wurde von dem chinesischen Internetkonzern Tencent angeführt.

Für die Allianz könnte die Beteiligung die Rückkehr in das Bankgeschäft bedeuten. N26 positioniert sich mit seinen Dienstleistungen als eindeutiger Konkurrent zu den traditionellen Banken. Mit dem Geld aus der Finanzierungsrunde will das Berliner Start-up die Märkte in den USA und Großbritannien erschließen. Die Wirtschaftskanzlei Osborne Clarke (Federführung: Nicolas Gabrysch) hat N26 bei der Finanzierungsrunde beraten, während die Anwaltssozietät Hengeler Mueller sowie die US-Kanzlei Davis Polk & Wardwell Tencent unterstützten.

EU genehmigt Monsanto-Übernahme durch Bayer

Der Chemie- und Agrarkonzern Bayer hat von der Europäischen Kommission grünes Licht für die milliardenschwere Übernahme des amerikanischen Saatgutherstellers Monsanto erhalten. Die EU-Kommission genehmigt den Deal allerdings nur unter Auflagen. Die Behörde will sicherstellen, dass in den Bereichen Saatgut, Pflanzenschutz und digitale Landwirtschaft weiterhin wirksamer Wettbewerb besteht.

Bayer hatte sich bereits im Vorfeld dazu verpflichtet, sein gesamtes Gemüsesamengeschäft zu verkaufen. Zudem wird fast das komplette Geschäft für Saatgut, agronomische Merkmale und Glufosinat veräußert. Der Chemiekonzern BASF wird Teile des Saatgut- und Pflanzenschutzbereichs übernehmen und verhandelt derzeit exklusiv mit den Leverkusenern über den Erwerb des Gemüsesaatgutgeschäfts. In den vergangenen Wochen hatte Bayer bereits die nötigen Genehmigungen für die Monsanto-Übernahme von den brasilianischen und chinesischen Behörden erhalten. Der Dax-Konzern will die Transaktion im zweiten Quartal abschließen.

Lichtblick will offenbar Innogy-Aufspaltung blockieren

Der Ökostromanbieter Lichtblick will offenbar durch eine Klage verhindern, dass der Energiekonzern Innogy aufgespalten und zwischen den Energieriesen RWE und E.on aufgeteilt wird. Das berichtet die Nachrichtenagentur „Dow Jones“. Demnach habe Lichtblick bereits eine Anwaltskanzlei beauftragt, die in dem baldigen Fusionskontrollverfahren der EU-Kommission die Interessen der Wettbewerber vertreten solle.

Die Aufspaltung von Innogy bewegt Vermögenswerte im mittleren zweistelligen Milliardenbetrag. Unter anderem ist geplant, dass E.on die Innogy-Beteiligung von RWE im Umfang von 76,8 Prozent übernimmt. Im Gegenzug erhält RWE eine 16,67-prozentige Beteiligung an E.on.

Grüne-Punkt-Übernahme durch Remondis wackelt

Erst Anfang des Jahres hatte es so ausgesehen, dass der Abfallentsorger Remondis nach langen Verhandlungen bei der geplanten Übernahme des Dualen Systems Deutschland, dem Unternehmen hinter dem Gründen Punkt, vorankommen würde. Nun steht die Transaktion offenbar vor dem Aus, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet. Dem Bericht zufolge haben die Eigentümer von DSD, der Private-Equity-Investor H.I.G. Capital und der Finanzinvestor Bluebay, die Verhandlungen abgebrochen. Grund hierfür seien Uneinigkeiten über Kartellrisiken, die Remondis bei den Eigentümern habe belassen wollen, heißt es weiter.

Henkell erwirbt 50 Prozent an Freixenet

Henkell – die Sekt-, Wein- und Spirituosensparte der Oetker-Gruppe – will 50,67 Prozent der Anteile des spanischen Schaumweinherstellers Freixenet übernehmen. Einen entsprechenden Kaufvertrag haben die Parteien bereits unterzeichnet, allerdings müssen die Kartellbehörden der Transaktion noch zustimmen. Die „Lebensmittel Zeitung“ berichtet von einem Kaufpreis über rund 220 Millionen Euro. Nach eigenen Angaben will Henkell durch die Übernahme zusammen mit den Spaniern zum „weltweit führenden Anbieter in der Schaumweinbranche“ aufsteigen.

Deutsche Telekom baut offenbar Anteil an OTE aus

Die Deutsche Telekom hat offenbar ihren Anteil an der vormals staatlichen griechischen Telekom (OTE) auf 45 Prozent aufgestockt, wie die Nachrichtenagentur „Dpa“ unter Berufung auf die griechische Privatisierungsagentur „Taiped“ berichtet. Demnach habe die Deutsche Telekom weitere fünf Prozent der Aktien des griechischen Telekommunikationsunternehmens erworben. Dem griechischen Staat, der noch fünf Prozent an OTE halte, seien dadurch rund 284 Millionen Euro zugeflossen. 

M&A-Personalien

Franco Pörtner ist neuer Partner des Beratungsunternehmens Beyond the Deal. Pörtner verstärkt die M&A- und PMI-Beratung des Unternehmens und soll in Zukunft gemeinsam mit dem geschäftsführenden Partner Stephan Jansen das Geschäft in der DACH-Region verantworten. Der Finanz- und M&A-Experte leitete zuletzt als Geschäftsführer die Integration eines mittelständischen Online-Modehandelsunternehmens. Davor war er von 2014 bis 2016 Partner und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Accuracy Deutschland. 

Weitere M&A-Deals

Der Industriekonzern Siemens möchte das spanische Softwareunternehmens Aimsun übernehmen. Das Unternehmen mit Sitz in Barcelona hat eine Software entwickelt, die Echtzeitdaten einsetzt, um den Verkehrsfluss zu steuern. Aimsun soll als rechtlich eigenständiges Unternehmen im Geschäftsbereich Intelligent Traffic Systems innerhalb der Division Mobility geführt werden. Der Abschluss der Transaktion ist für April geplant.

Der Leuchtenhersteller Osram übernimmt Bag Electronics, eine Tochtergesellschaft des Konkurrenten Trilux. Bag Electronics ist auf Vorschaltgeräte, LED-Module und Software für innovative Lichtlösungen spezialisiert. Das Unternehmen erzielte 2017 einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro und beschäftigt 380 Mitarbeiter.

Der Nutzfahrzeugzulieferer SAF-Holland übernimmt York Transport Equipment, einen Anbieter für Trailer-Achs- und Federungssystemen mit Sitz in Singapur. Der Kaufpreis beträgt 33 Millionen Euro und die Transaktion soll im zweiten Quartal 2018 abgeschlossen werden. Durch die Übernahme will SAF-Holland nach eigenen Angaben im indischen Transportmarkt präsenter werden. Außerdem erwirbt der Nutzfahrzeugzulieferer 70 Prozent der Anteile an V.Orlandi, einem italienischen Hersteller von Kupplungssystemen für Lkw, Anhänger, Trailer und landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge. Der Kaufpreis liegt hier bei 39 Millionen Euro. Für die restlichen 30 Prozent an V.Orlandi besitzt SAF-Holland eine Kaufoption. Auch diese Transaktion soll im zweiten Quartal abgeschlossen werden. In beiden Fällen war die Anwaltskanzlei Noerr (Federführung: Holger Alfes) als Berater tätig.

Der Lebensmittel-Lieferdienst Hello Fresh will über eine seiner US-amerikanischen Tochtergesellschaften den US-amerikanischen Konkurrenten Green Chef Corporation übernehmen. Die Green Chef Corporation vertreibt Kochboxen mit Zutaten aus ökologischem Anbau. Hello Fresh wurde bei dem Deal von der Anwaltskanzlei Noerr (Federführung: Laurenz Wieneke) beraten.

Die Versicherer Axa und Gothaer übernehmen offenbar den Rechtsschutzversicherer Roland, wie die Nachrichtenagentur „Dow Jones“ berichtet. Demnach habe Axa seinen Anteil an Roland von 41 Prozent auf 60 Prozent und Gothaer seinen Anteil von 29 Prozent auf 40 Prozent aufgestockt. Dem Bericht zufolge sollen sowohl die Marke Roland als auch der Standort Köln erhalten bleiben.

Der US amerikanische Finanzinvestor Starwood greift nach zwei österreichischen Immobilienunternehmen. Starwood versucht über ein freiwilliges Übernahmeangebot bis zu 26 Prozent an CA Immo und bis zu 5 Prozent an der Immofinanz zu erwerben. Das teilte Investor am Donnerstag mit. Komplett wolle Starwood die Unternehmen aber nicht übernehmen.

Der Hamburger Asset- und Investmentmanager Ernst Russ ist bei der Marenave Schiffahrts AG ausgestiegen. Ernst Russ hatte erst im vergangenen September seinen Anteil auf 29,98 Prozent aufgestockt. Die Hamburger begründeten ihren Rückzug mit unterschiedlichen Auffassungen im Hinblick auf das Geschäftsmodell und die strategische Neuausrichtung, die zwischen ihnen und dem zweiten Großaktionär, Deutsche Balaton, bestehen würden. Die Beteiligungsgesellschaft Deutsche Balaton hält 21,34 Prozent an der Marenave Schiffahrts AG.

Der Augsburger Roboterbauer Kuka will sein chinesisches General-Industry- und sein chinesisches Swisslog-Geschäft in Joint Ventures mit seinem chinesischen Eigentümer Midea einbringen. Die jeweiligen Gesellschafter der Gemeinschaftsunternehmen werden mit jeweils zur Hälfte an den Joint Ventures beteiligt sein. Das Joint Venture im Roboterbereich wird von Kuka kontrolliert. Das chinesische Automotive Geschäft verbleibt hingegen bei Kuka.

Der schwedische Industriekonzern Atlas Copco erwirbt den Geschäftsbereich Fügetechnik des Waiblinger Unternehmens Klingel. Die Unternehmenssparte ist auf Fließlochschrauben spezialisiert, die in der Automobilindustrie eingesetzt werden und erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr mit 23 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 8,5 Millionen Euro. Die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ebner Stolz (Federführung: Ronald Kagan) hat Klingel bei der Transaktion beraten.

Die Private-Equity-Gesellschaft Nordic Capital Fund übernimmt die Ober-Scharrer-Gruppe, einen Anbieter im Bereich der Augenheilkunde, von dem Konkurrenten Palamon Capital Partners. Die Ober-Scharrer-Gruppe beschäftigt 900 Mitarbeiter in rund 80 Kliniken in Deutschland. Die Beratungsgesellschaft GCA Altium stand Nordic Capital bei der Transaktion beratend zur Seite.

Der Polymerasehersteller Sygnis will das australische Unternehmen TGR Bioscience für 10,4 Millionen Euro übernehmen. Mit dem derzeitigen nicht namentlich genannten Mehrheitseigentümer habe man eine entsprechende Vereinbarung getroffen, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. TGR Bioscience vertreibt Forschungsreagenzien und erzielte zuletzt einen Umsatz von 3,6 Millionen Euro.

Das Bioökonomie-Unternehmen Brain übernimmt die Mehrheit an dem britischen Unternehmen Biocatalysts. Die Briten sind im Bereich Spezial-Enzyme tätig und erwirtschafteten zuletzt einen Umsatz von 10,81 Millionen Euro. Der Abschluss der Transaktion ist für das erste Quartal geplant.

Die Nachhaltigkeits-Ratingagentur Oekom Research hat sich mit Institutional Shareholder Services, einem Anbieter von Corporate Governance und Responsible Investment-Lösungen, zusammengeschlossen. Der neu entstandene Geschäftsbereich soll unter dem Namen ISS-Oekom firmieren. Oekom Research besitzt Büros in München, Paris, London, New York sowie Zürich und beschäftigt dort insgesamt 110 Mitarbeiter.

Deutsche Erdwärme hat mit dem Infrastrukturfonds Copenhagen Infrastructure Partners (CIP) ein Joint Venture gegründet. Deutsche Erdwärme realisiert in Deutschland Geothermieprojekte für die Erzeugung von Fern-, Nahwärme und Strom. Das Joint Venture soll Geothermieprojekte in Deutschland entwickeln, errichten und betreiben. Die Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells (Federführung: Tobias Flasbarth) hat Deutsche Erdwärme bei der Transaktion beraten, während CIP von der Anwaltssozietät Chatham Partners (Federführung: Felix Fischer) begleitet wurde.

Die Beteiligungsgesellschaft Deutsche Balaton will bis zu 6,25 Millionen Aktien des Spezial-Pharmaunternehmens Biofrontera übernehmen. Dies entspricht rund 14 Prozent der ausgegeben Aktien des Unternehmens. Ziel der Transaktion ist es nach eigenen Angaben, gemeinsam mit der Unternehmensberatung Delphi die Sperrminoritätsschwelle von 25 Prozent zu überschreiten.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.