Infineon

09.03.18
Deals

M&A-Deals: Infineon, DWS, Axa

Infineon verkauft eine millionenschwere Geschäftssparte an Cree, Nippon Life steigt offenbar im Zuge des Börsengangs bei DWS ein und Axa sticht Allianz bei Milliarden-Deal aus. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Infineon verkauft Geschäftssparte an Cree

Der US-amerikanische LED-Anbieter Cree übernimmt den größten Teil des Geschäfts für Hochfrequenz-Leistungskomponenten von dem Münchener Halbleiterhersteller Infineon Technologies. Laut Unternehmensangaben bezahlt Cree für die Geschäftssparte 345 Millionen Euro. Dabei stammt das Geld zum Teil aus dem Kapitalbestand von Cree und zum Teil aus einer revolvierenden Kreditlinie.

Geplant sei, das Geschäft für Hochfrequenz-Leistungskomponenten in das Geschäftssegment Wolfspeed von Cree zu integrieren. Wolfspeed ist im Markt für Mobilfunk-Infrastruktur tätig und soll durch die Akquisition unter anderem Zugang zu weiteren Märkten und Kunden erhalten, heißt es in einer Mitteilung von Infineon. Bestandteil der Übernahme sind unter anderem die Haupt-Backend-Fertigungsstätte in den USA, sowie Vertriebsbüros und Service-Ingenieure. Außerdem übernimmt Cree 260 Mitarbeiter. 

Nippon Life plant offenbar Beteiligung an DWS

Im Zuge des geplanten Börsengangs von DWS, der Vermögensverwaltungssparte der Deutschen Bank, könnte sich offenbar die japanische Lebensversicherung Nippon Life an der Tochtergesellschaft beteiligen. Das berichtet die „FAZ“ unter Berufung auf Informationen aus Asien. Demnach stehe ein Einstieg von Nippon kurz bevor. Die Japaner planen eine Beteiligung von unter 10 Prozent, heißt es in dem Bericht.

Die Deutsche Bank will DWS noch vor Ostern an die Börse bringen und dabei mit 75 Prozent an DWS beteiligt bleiben. Nippon wäre somit der zweitgrößte Aktionär hinter dem Finanzinstitut. Über die Beteiligung hinaus wollen DWS und Nippon Life laut den „FAZ“-Informationen eine geschäftliche Vereinbarung eingehen. 

Axa sticht Allianz bei XL-Group-Übernahme aus

Der französische Versicherer Axa plant die Übernahme des US-amerikanischen Konkurrenten XL Group mit Sitz in Bermuda. Laut eigenen Angaben bietet Axa den XL-Aktionären 57,60 Dollar je Anteilsschein. Daraus ergibt sich ein Kaufpreis von 15,3 Milliarden Dollar (rund 12,4 Milliarden Euro).

Mit dem Angebot stechen die Franzosen offenbar den Münchener Versicherungsriesen Allianz aus. Die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ hatte Anfang Februar über die Allianz als einen möglichen Interessenten für die XL Group berichtet. Der Sach- und Rückversicherer XL beschäftigt eigenen Angaben zufolge rund 7.400 Mitarbeiter. Die Aktionäre der US-Amerikaner sowie die Behörden müssen der Transaktion noch zustimmen. Axa rechnet mit einem Abschluss im zweiten Halbjahr 2018.

Bayer verhandelt mit BASF über Gemüsesaatgutgeschäft

Der Chemiekonzern BASF könnte im Zuge der Monsanto-Übernahme durch Bayer einen weiteren Geschäftsteil des Leverkusener Agrochemie- und Pharmakonzerns übernehmen. Wie BASF diese Woche bekannt gab, verhandeln beide Unternehmen exklusiv über den Erwerb des Gemüsesaatgutgeschäfts von Bayer. Eine endgültige Vereinbarung sei bisher aber noch nicht getroffen worden. Der Geschäftsteil erwirtschaftet einen Umsatz von 430 Millionen Euro und operiert hauptsächlich unter der Marke Nunhems.

Bereits im Oktober des vergangenen Jahres hatte sich BASF mit Bayer darauf geeinigt, Teile des Saatgut- und Pflanzenschutzmittel-Geschäfts der Leverkusener für 5,9 Milliarden Euro zu übernehmen. Die Transaktion steht allerdings unter der Bedingung, dass Bayer bei Monsanto zum Zuge kommt. Mit beiden Verkäufen hofft Bayer, die Freigabe der Wettbewerbsbehörden für den 66-Milliarden-Dollar-Deal zu erhalten. Der Abschluss der Übernahme musste zuletzt erneut verschoben werde. Mit einem Closing wird nun im zweiten Quartal 2018 gerechnet.

Einigung bei Bieterstreit um Abertis in Sicht

Es scheint Bewegung in den Bieterstreit um den spanischen Autobahnbetreiber Abertis zu kommen. Laut eigenen Angaben befinden sich der italienische Kaufinteressent Atlantia und der Hochtief-Mutterkonzern ACS in Gesprächen über ihre jeweiligen Übernahmepläne. Die spanische Zeitung „Expansion“ berichtet zudem davon, dass beide Unternehmen über eine mögliche Aufteilung von Abertis verhandeln.

Der Übernahmekampf der beiden Unternehmen zieht sich bereits über mehrere Monate hin. Die Familie Benetton hatte über ihr Investmentvehikel Atlantia 16,3 Milliarden Euro für Abertis geboten. Im Oktober zog Hochtief nach und kündigte an, Abertis für 17,1 Milliarden Euro übernehmen zu wollen. In Finanzkreisen schätzt man das Gebot inklusive Schulden sogar auf rund 30 Milliarden Euro. Im Januar hatten die spanischen Behörden Hochtief grünes Licht für die Übernahme gegeben. Zugleich wurde vermeldet, dass auch die Übernahmepläne von Atlantia geprüft würden.

Rolf Benz an chinesische Jason Furniture verkauft

Die Sofamarke Rolf Benz ist von der Hüls-Gruppe an den chinesischen Möbelkonzern Jason Furniture verkauft worden, wie die „FAZ“ berichtet. Kuka Investment and Management, eine Tochtergesellschaft der Chinesen, habe den Kauf vollzogen, heißt es. Der Deal müsse dem Bericht zufolge noch von den Kartellbehörden abgesegnet werden.

Offiziell ist kein Kaufpreis bekannte gegeben worden. Doch laut einem Bericht des „Handelsblatts“ liegt der Kaufpreis bei 40 Millionen Euro bis 50 Millionen Euro. Rolf Benz beschäftigt rund 450 Mitarbeiter. Mit dem Erlös aus dem Verkauf beabsichtige die Hüls-Gruppe, das Tochterunternehmen Hülsta weiter zu restrukturieren. 

Rautenberg & Company übernimmt Bassewitz & Hochberg

Die Private-Equity- und M&A-Beratung Rautenberg & Company hat den Konkurrenten Bassewitz & Hochberg Corporate Finance (BHCF) erworben. BHCF ist spezialisiert auf M&A-Beratung von mittelständischen Familienunternehmen.

Der Gründer von BHCF, Philipp Hochberg, wird in Zukunft gemeinsam mit Rautenbergs Co-Chef Jens Moritz das Geschäftsfeld M&A verantworten sowie neuer Senior Partner des Beratungshauses werden. Sein Mitgesellschafter Gerd Bassewitz wird sich hingegen aus der Geschäftsführung zurückziehen und neuer Senior Advisor bei Rautenberg werden. 

M&A-Personalien

Burkhard Weber wechselt von der US-Investmentbank Raymond James zur M&A-Beratung Imap. In seiner neuen Position verantwortet Weber die Beratung von Kunden im Bereich Investitionsgüter. Er ist spezialisiert auf die Bereiche Maschinen- und Anlagenbau, Bau- und Baustoffindustrie sowie Papierindustrie. Weber war erst Anfang des vergangenen Jahres von der M&A-Boutique Lincoln International zu Raymond James gewechselt.

Moritz von Bodman ist neuer Managing Director der Investmentbank GCA Altium. Er kommt vom M&A-Haus DC Advisory, wo er zuletzt Mitglied der Geschäftsführung war. Von Bodman ist spezialisiert auf die Branchen Industrietechnologie, Handel sowie Konsumgüter und gilt als M&A- und Private-Equity-Spezialist.

Weitere M&A-Deals

Der geplante Verkauf der US-Tochter des insolventen Photovoltaikkonzerns Solarworld, Solarworld Americas, steht offenbar kurz vor dem Abschluss. Wie das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Gläubiger- und Finanzkreise berichtet, könne der M&A-Deal bis Ende des Monats abgeschlossen sein. Anders als der Mutterkonzern ist Solarworld Americas nicht insolvent. Bisher hätten fünf Interessenten von den 15 angesprochenen Investoren ein verbindliches Angebot abgegeben, heißt es in dem Bericht. Zu den Interessenten gehören demnach asiatische und amerikanische Strategen. Der Verkaufspreis könne einen zweistelligen Millionenbetrag umfassen, heißt es weiter.

Der Automobilkonzern Audi und sein chinesischer Partner FAW haben zwei Joint Venture in Fernost gegründet. Laut Unternehmensangaben wird sich eines der Gemeinschaftsunternehmen auf den Vertrieb fokussieren. Das zweite Unternehmen soll eine Gesellschaft für Mobilitätsdienstleistungen und digitale Services sein. Durch die Gründung der Unternehmen werde die Vertriebsabteilung aus FAW-Volkswagen ausgegliedert und in die neue Vertriebsgesellschaft integriert.

Der Maschinenbaukonzern Max Automation hat den chinesischen Konkurrenten Shanghai Cisens Automation übernommen. Im Zuge der Transaktion wurde der Geschäftsbetrieb der Chinesen in eine neue Gesellschaft eingebracht, die unter dem Namen Max Automation (Shanghai) firmiert. An der Gesellschaft hält Max Automation 51 Prozent und Roger Lee, der CEO von Shanghai Cisens, die restlichen 49 Prozent. Für Max Automation besteht die Option, seinen Anteil stufenweise zu erhöhen. Nach eigenen Angaben beläuft sich der Kaufpreis auf einen niedrigen zweistelligen  Millionen-Euro-Betrag.

Die Mediengruppe Klambt hat die Zeitschrift „Jolie“ von der Media Group Medweth erworben. Im Zuge der Transaktion übernimmt Klambt auch die dazugehörenden Marken sowie die digitalen Angebote „Jolie.de“ und „Mädchen.de“. Nach eigenen Angaben will der Medienkonzern durch die Akquisition sein Portfolio erweitern. Die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ebner Stolz und die Anwaltskanzlei Hogan Lovells haben die Mediengruppe Klambt beraten. Die Rechtsanwaltsgesellschaft Beiten Burkhardt (Federführung: Holger Weimann) stand der Media Group Medweth beratend zur Seite.

Der Technologieunternehmen Continental gründet mit dem chinesische Automobilzulieferer CITC ein Joint Venture. Das Gemeinschaftsunternehmen soll künftig 48-Volt-Batterien für die Automobilindustrie entwickeln und produzieren. Continental wird eigenen Angaben zufolge 60 Prozent der Anteile an dem Joint Venture halten. Die übrigen 40 Prozent entfallen auf CITC.  

Der Energiekonzern EnBW übernimmt die Deutsche Energieversorgung (DEV)von der Private-Equity-Gesellschaft Grünwald. DEV ist ein Hersteller von Energiespeichersystemen mit Sitz in Leipzig und beschäftigt rund 120 Mitarbeiter. Das Unternehmen soll eigenständig weitergeführt werden. Das Beratungshaus Pöllath + Partners (Federführung: Philipp von Braunschweig) stand Grünwald Equity bei der Transaktion beratend zur Seite.

Das Münchener Beteiligungsunternehmen Paragon Partners ist neuer Mehrheitsgesellschafter des Media-Intelligence-Unternehmens Unicepta. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte Unicepta einen Umsatz von 32 Millionen Euro. Zu den rund 300 Kunden des Unternehmens zählen laut eigenen Angaben eine Vielzahl von Dax-Unternehmen. Die Beratungshäuser Pöllath + Partners (Federführung: Tobias Jäger) und Ebner Stolz haben die Transaktion begleitet. Außerdem wurde Paragon von der Anwaltskanzlei Raue LLP (Federführung: Andreas Nelle) unterstützt.

Das auf Milchprodukte spezialisierte Neuseeländische Unternehmen Fonterra Co-operative Group Limited plant den Erwerb einer strategischen Beteiligung an Goodminton. Die Tochterunternehmen der Venture Capital-finanzierten Holdinggesellschaft Goodminton vertreiben insbesondere Sport- und Diätnahrungsmittel. Die Anwaltssozietät Hengeler Mueller (Federführung: Kai-Steffen Scholz und Jens Wenzel) hat Fonterra bei der Transaktion beraten.

Die Beteiligungsgesellschaft ECM Equity Capital Management beteiligt sich in unbekannten Umfang an Albrecht & Dill Cosmetics (A&D), einem Distributor von Parfüms. Philipp Sahling, der bisherige Alleineigentümer, wird auch in Zukunft A&D als geschäftsführender Gesellschafter lenken. Im Zuge der Transaktion hat sich auch das erweiterte Management an dem Hamburger Unternehmen beteiligt. Unter anderem die Kaufhäuser Ludwig Beck in München als auch das KaDeWe in Berlin gehören zu den Kunden, die A&D beliefert. Milbank, Tweed, Hadley & McCloy, EY Parthenon, Ebner Stolz und Willis Towers Watson haben ECM bei der Transaktion beraten. A&D wurde von Pestlin & Co und Allen & Overy begleitet.

Die Publikat Verlags- und Handels GmbH hat den Onlinehändler Stylefile an die Sporthandelsplattform Signa Sports Group verkauft. Stylefile ist ein E-Commerce-Unternehmen für Sneaker und „Sportive Fashion“. Laut eigenen Angaben liegt der aktuelle Umsatz bei mehr als 50 Millionen Euro. Die Kanzlei Noerr und das Beratungshaus Pöllath + Partners hat die Verkäufer bei der Transaktion beraten.

Der japanische Elektrokonzern JVC Kenwood hat das Medizintechnikunternehmen Rein Medical erworben. Rein Medical soll künftig als eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Jvckenwood weitergeführt werden. Mit der Akquisition will das japanische Unternehmen nach eigenen Angaben sein Wachstum im Gesundheitssektor vorantreiben. Die Kanzlei Gleiss Lutz (Federführung: Michael Burian) stand Jvckenwood bei der Transaktion beratend zur Seite.

Der Automobilkonzern Daimler steigt bei Beijing Electric Vehicle (BJEV) ein. Laut eigenen Angaben beläuft sich die Höhe der Beteiligung auf 3,93 Prozent. Bei BJEV handelt es sich um eine Tochtergesellschaft der BAIC Group, die BJEV 2009 als Entwicklungsplattform für E-Mobilitäts-Lösungen gegründet hatte.

Das Münchener Familienunternehmen Serafin übernimmt die Weso-Aurorahütte. Weso ist eine Gießerei mit Sitz im hessischen Gladenbach. Bei dem Verkäufer handelt es sich um die Viessmann Group. Mit über 400 Mitarbeitern gehört die Weso-Aurorahütte zu den großen deutschen Gießereien. Das Unternehmen besteht eigenen Angaben zufolge seit über 130 Jahren.

Die chinesische Goodix Technology hat Commsolid, einen Anbieter für energiesparende Software-Lösungen für das Internet der Dinge übernommen. Goodix Technology ist eine Tochtergesellschaft von Shenzhen Goodix Technology, einem Entwickler von biometrischen Technologien unter anderem für Smartphones. Zu den Verkäufern gehören neben den Gesellschaftern unter anderem auch die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Sachsen und der High-Tech Gründerfonds. Die Wirtschaftskanzlei Osborne Clarke (Federführung: Nicolas Gabrysch) hat Goodix Technology bei der Übernahme des Dresdener Unternehmens beraten.

Der Mitbegründer des IT-Dienstleisters Syngenio, Michael May, zieht sich aus dem Unternehmen zurück und verkauft seine Anteile an die Gesellschaft. Gleichzeitig übernimmt er den 50-Prozent-Anteil der Syngenio an der Digitalagentur Unterschied & Macher.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.