M&A-Deals: Osram Continental, Adler Real Estate, Paracelsus

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06.04.18
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M&A-Deals: Osram Continental, Adler Real Estate, Paracelsus

Osram und Continental gründen ein Joint Venture, Adler Real Estate kauft BCP für 550 Millionen Euro und zahlreiche Interessenten wollen die insolvente Paracelsus-Klinikgruppe übernehmen.

Osram und Continental gründen Joint Venture

Der Beleuchtungshersteller Osram und der Automobilzulieferer Continental gründen ihr 2017 angekündigtes Gemeinschaftsunternehmen für Autobeleuchtungen. Beide Konzerne halten jeweils 50 Prozent an dem Joint Venture, das seinen Sitz in München haben wird. Das neue Unternehmen trägt den Namen Osram Continal und beschäftigt 1.500 Mitarbeiter, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht. Demnach rechnen beide Unternehmen mit einem Umsatz im dreistelligen Millionenbereich.

Die Behörden müssen der Unternehmensgründung noch zustimmen. Aktuell gehen beide Konzerne von einem Betriebsstart in der zweiten Jahreshälfte 2018 aus. Continental wurde bei der Transaktion von der Wirtschaftskanzlei Linklaters (Federführung: Wolfgang Krauel und Dirk Horcher) beraten. Osram wurde bei der Unternehmensgründung von der Anwaltskanzlei Hengeler Mueller (Federführung: Simon Patrick Link) unterstützt.

Adler Real Estate übernimmt BCP für 550 Millionen Euro

Das im SDax notierte Immobilienunternehmen Adler Real Estate hat den niederländischen Konzern Brack Capital Properties (BCP) übernommen. Für einen Kaufpreis von 550 Millionen Euro hat sich das Berliner Unternehmen 70 Prozent der BCP-Anteile gesichert. Das teilt das Unternehmen in einer Pressemeldung mit. Bereits Mitte Februar hatte Adler Real Estate die geplante Übernahme angekündigt.

Der Großteil der Anteile kam nun mit gut 41 Prozent von BCP-Großaktionär Redzone Empire. Zusätzlich übernimmt Adler Real Estate rund 6 Prozent von drei BCP-Managern. Außerdem hätten fast alle übrigen BCP-Aktionäre ebenfalls ihre Anteile an die Berliner verkauft. Durch den Erwerb des niederländischen Immobilienkonzerns erweitert Adler Real Estate sein Portfolio um rund 12.000 Wohneinheiten.

Offenbar über 100 Interessenten für Paracelsus-Kliniken

Gleich über 100 potentielle Investoren sollen Interesse an der insolventen Klinikkette Paracelsus haben. Das geht aus einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ hervor. Demnach sollen bereits erste unverbindliche Angebote für einen der zehn größten deutschen Krankenhausbetreiber vorliegen. Zu den möglichen Interessenten sollen Klinikkonzerne wie Asklepios und Helios, aber auch Finanzinvestoren wie Carlyle und Cinven zählen, heißt es weiter. Außerdem sei die Beteiligungsfirma Porterhouse des Schweizer Multimilliardärs Otto Happel ebenfalls an einer Übernahme interessiert.

Investoren schätzen, dass aktuell mit einem Kaufpreis im dreistelligen Millionenbereich zu rechnen sei. Paracelsus musste im Dezember Insolvenz anmelden und arbeitet seitdem an einer Sanierung des Unternehmens in Eigenregie.

Alpiq verkauft Industriesparte Intec an Bouygues

Der Schweizer Energiedienstleister Alpiq verkauft seine Industriesparte Intec für 850 Millionen Schweizer Franken (rund 721 Millionen Euro) an die französische Baugesellschaft Bouygues Construction. Das geht aus einer Pressemitteilung des Unternehmens hervor. Der Abschluss des Deals soll demnach im zweiten Halbjahr 2018 erfolgen.

Durch den Verkauf wolle man sich wieder verstärkt auf das Kerngeschäft konzentrieren, heißt es weiter. Die Alpiq Gruppe mit Sitz in Lausanne ist an der Schweizer Börse SIX notiert und beschäftigt rund 8.500 Mitarbeiter. Der Konzern wurde bei der Transaktion von der Kanzlei Gleiss Lutz (Federführung: Thomas Menke) beraten.

Softbank könnte mit 10 Prozent bei Swiss Re einsteigen

Ein möglicher Einstieg des Telekommunikationskonzerns Softbank bei dem Schweizer Rückversicherer Swiss Re wird bereits seit längerem diskutiert. Nun ist wieder Bewegung in die Verhandlungen gekommen. Wie Swiss Re mitteilt würde der japanische Konzern im Falle einer Beteiligung höchstens 10 Prozent des Versicherungskonzerns erwerben.

Zu Beginn der Verhandlungen war zeitweise von einer Beteiligung von 25 bis 30 Prozent und einem Kaufpreis von 10 Milliarden Euro die Rede. Ob es tatsächlich zu einem Einstieg der Japaner kommt, bleibt weiterhin offen, teilte der Züricher Konzern mit.

M&A-Personalien

Kevin Moran wechselt von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG zum Konkurrenten Ebner Stolz. Der 46-Jährige wird künftig am Frankfurter Standort als Steuerpartner mit Schwerpunkt im Transaktionsbereich arbeiten. Moran hat bei KPMG seit 2000 den Bereich M&A Tax mit aufgebaut. Seit 2005 begleitete er bei KPMG als Partner schwerpunktmäßig M&A-Projekte im Private-Equity-Bereich sowie sonstige Transaktionen und Restrukturierungen.

Weitere M&A-Deals

Der Motoren- und Triebwerkhersteller MTU Friedrichshafen und der indische Fahrzeughersteller Force Motors Limited haben ein Joint Venture gegründet. Beide Konzerne investieren 40 Millionen Euro in das neue Unternehmen, das den Namen Force MTU Power Systems Private Limited trägt. MTU wird 49 Prozent und Force Motors 51 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen halten. Die Rechtsanwaltskanzlei DLA Piper (Federführung: Benjamin Parameswaran) hat den MTU-Mutterkonzern Rolls-Royce Power Systems bei der Transaktion beraten.

Capsensixx und der Softwareentwickler Inquence planen die Gründung eines neuen Unternehmens unter dem Namen Coraixx. Das Joint Venture wird eine softwarebasierte, digitale und selbstlernende Belegverarbeitungslösung für die Finanzbuchhaltung mittlerer und größerer Unternehmen anbieten, wie die Unternehmen mitteilen. Mit einem Abschluss des Deals wird in den nächsten drei bis sechs Monaten gerechnet. Beide Partner sollen mit jeweils 50 Prozent am Stammkapital des neuen Unternehmens beteiligt sein, das seinen Hauptsitz in Frankfurt am Main haben wird.

Der Medienkonzern Axel Springer will sein Online-Stellenportal Stepstone mit einem Zukauf in Skandinavien erweitern. Stepstone übernimmt den auf die Vermarktung von Arbeitgebern spezialisierten Anbieter Universum aus Stockholm, wie Axel Springer mitteilt. Universum hat laut eigenen Angaben 2.000 Kunden in rund 35 Ländern. Eine Freigabe der Kartellbehörden steht noch aus.

Die betriebliche Altersversorgung der C&A-Beschäftigten wird künftig vom Abwickler Frankfurter Leben verwaltet. Das Unternehmen kauft die Prudentia Pensionskasse mit rund 50.000 Verträgen von Mitarbeitern der Schweizer Familienholding Cofra, wie die Frankfurter Leben mitteilte. Die Verträge der Mitarbeiter der Cofra-Gruppe würden unverändert fortgeführt. Die Finanzaufsicht Bafin muss dem Deal noch zustimmen. Die Frankfurter Leben hat in der Vergangenheit bereits Pensionskassen anderer Anbieter wie die des Versicherers Arag übernommen. Einschließlich des Prudentia-Kaufs steigt der Bestand dem Unternehmen zufolge auf 700.000 Verträge.

Der Finanzinvestor HG Capital kauft den Flottenmanagement-Spezialisten Mobility Concept. Bei den Verkäufern handelt es sich um die Uni Credit Leasing und die Firmengründer des Münchener Unternehmens. Die Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins (Federführung: Oliver Felsenstein) hat HG Capital bei der Transaktion beraten. Mobility Concept hat laut eigenen Angaben eine Flotte von rund 25.000 Fahrzeugen unter Vertrag und konzentriert sich auf die Blue-Chip-Kunden.

Die Sektkellerei Henkell erwirbt die Mehrheit am litauischen Vertriebsspezialisten Filipopolis. Die Wiesbadener übernehmen 75 Prozent am Importeur, der im Baltikum künftig mehr Marken aus der Gruppe vertreiben soll. Henkell baut somit seine Präsenz auf 22 Länder mit eigenen Tochterunternehmen aus.

Der Technologiekonzern Siemens kauft den Spezialisten für Echtzeit-Funkortungslösungen Agilion. Eigenen Angaben zufolge beschäftigt das Chemnitzer Unternehmen rund 60 Mitarbeiter und soll als Pionier im Bereich Echtzeitortung gelten.

Der Systemanbieter für Elektromobilität Voltabox übernimmt den Ingenieurdienstleister Concurrent Design mit Sitz in Texas. Die neue Tochtergesellschaft beschäftigt 20 Mitarbeiter. Voltabox will mit der Übernahme einen ersten Schritt der Wachstumsstrategie vollziehen. Im Geschäftsjahr 2017 betrug der Umsatz von Voltabox rund 27 Millionen Euro.

Die Frankfurter Beteiligungsgesellschaft Finatem übernimmt die Mehrheit am Reitsportprodukthersteller HKM Sports Equipment sowie den Geschäftsbetrieb der HKM Textil vom geschäftsführenden Gesellschafter Klaus Egbers. Die Beratungsgesellschaft Oaklins hat Egbers im Rahmen des Verkaufsprozesses beraten. Im Geschäftsjahr 2017 erwirtschaftete die HKM Gruppe mit etwa 100 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 25 Millionen Euro.

Der Spezialchemie-Konzern Lanxess hat das Biotech-Start-up IMD Natural Solutions von den Gründern übernommen. Eigenen Angaben zufolge will Lanxess mit dem Zukauf seine Kompetenzen im Bereich Biotechnologie ausbauen. Die Wirtschaftskanzlei Arqis (Federführung: Mirjam Boche) hat die Gründer bei der Transaktion beraten.

Porsche Digital, eine Tochtergesellschaft des Automobilkonzerns Porsche, hat eine Minderheitsbeteiligung am israelischen Start-up Anagog erworben. Das 2010 gegründete Unternehmen mit Sitz in Tel Aviv beschäftigt aktuell rund 30 Mitarbeiter und ist auf die Entwicklung Künstlicher Intelligenz im Mobilitätskontext spezialisiert.

Der Anbieter von Netzwerkkomponenten für die Datenkommunikation Duagon und das Elektronikunternehmen MEN Mikro Elektronik (MEN) schließen sich zusammen. Das neue Unternehmen soll Soft- und Hardwarelösungen für die Datenverarbeitung und -kommunikation anbieten. Mit einem Abschluss der Transaktion wird im Mai 2018 gerechnet. Die Feder bei der Fusion führten zwei Finanzinvestoren: Hinter Duagon steht die Deutsche Beteiligungs-AG, hinter MEN das Private-Equity-Haus HQ Equita. Duagon wurde bei der Transaktion von der Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins (Federführung: Rainer Traugott) beraten. MEN wurde von GCA Altium unterstützt.

Der US-amerikanische Hersteller von elektronischen Bauteilen AVX Corporation übernimmt das Thüringer Unternehmen Kumatec Sondermaschinenbau & Kunststoffverarbeitung. Der geplanten Transaktion müssen die Kartellbehörden noch zustimmen. Die Anwaltskanzlei Noerr (Federführung: Robert Korndörfer und Alexander Ritvay) hat AVX bei der Transaktion beraten.

Das französische Unternehmen Deleplanque & Compagnie und die deutsche Gesellschaft Saat- und Erntetechnik (SUET) übernehmen gemeinsam die Strube-Gruppe. Wie die die Unternehmen mitteilen wird Deleplanque & Compagnie 60 Prozent und SUET 40 Prozent an Strube halten. Die Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek (Federführung: Stephan Degen) hat Deleplanque & Compagnie bei der Übernahme begleitet.

Der Getränkehersteller Eckes-Granini steigt bei dem Start-up True Fruits ein. Wie das Unternehmen mitteilt hat sich Eckes eine Beteiligung von 35 Prozent an dem Bonner Smoothie-Produzenten gesichert. Laut eigenen Angaben erwirtschaftete True Fruits im Geschäftsjahr 2017 einen Umsatz von rund 43 Millionen Euro.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

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