SAP setzt den US-Konkurrenten Salesforce weiter unter Druck und stemmt dafür die größte Übernahme in der Unternehmensgeschichte.

Norbert Steinhauser/SAP SE

16.11.18
Deals

M&A-Deals: SAP, Grünenthal, Voltabox

SAP wagt den teuersten Zukauf in der Firmengeschichte, Grünenthal kauft weiter in den USA zu und Voltabox kippt seinen US-Deal wegen CFIUS. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

SAP stemmt mit Qualtrics größten M&A-Deal

SAP wagt den teuersten Zukauf in seiner Firmengeschichte. Für 8 Milliarden Dollar (7 Milliarden Euro) übernimmt das Walldorfer Unternehmen das US-Softwarehaus Qualtrics, wie SAP am Montag bekanntgab. Mit dem jüngsten M&A-Deal übertrifft der Konzern seine bisher größte Übernahme aus dem Jahr 2014, als SAP den Wettbewerber Concur kaufte. Seinen letzten größeren Auftritt am M&A-Markt legte SAP im Januar hin, als der Konzern den Zukauf des US-Software-Anbieters Callidus verkündete – Kaufpreis 2,4 Milliarden Dollar.

Der Kaufpreis für Qualtrics soll Unternehmensangaben zufolge zunächst über eine von JP Morgan arrangierte Kreditlinie aufgebracht werden. Später sollen Teile des Kredits dann über Anleihen refinanziert werden. 

Grünenthal übernimmt US-Firma Averitas Pharma

Der Arzneimittelhersteller Grünenthal hat erneut in den USA zugekauft. Wie die Aachener mitteilten, habe man das Pharmaunternehmen Averitas Pharma aus New Jersey übernommen. Den Kaufpreis für die US-Firma gab Grünenthal nicht bekannt. Averitas Pharma sei ein kleines Unternehmen, dessen Mitarbeiterzahl zügig auf etwa 100 Personen steigen soll, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens.

Erst vor wenigen Wochen hatte sich Grünenthal die Europa-Rechte an einem Magen- und Schmerzmittel des US-Pharmakonzerns Astra Zeneca gesichert. Für die Vertriebsrechte der beiden Mittel zahlte das Aachener Unternehmen insgesamt 881 Millionen Euro. Laut eigenen Angaben hat das Unternehmen für Übernahmen seit 2016 in Summe 1,3 Milliarden Euro ausgegeben.

Voltabox kippt US-Deal wegen CFIUS

Der Batteriehersteller Voltabox kippt die geplante rund 42 Millionen Dollar schwere Übernahme des US-Unternehmens Navitas Systems. Das teilte das Delbrücker Unternehmen am Donnerstag mit. Grund dafür sei die fehlende Freigabe des Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS), einem US-Ausschuss zur Prüfung von ausländischen Investitionen in den USA.

Zuletzt war Voltabox noch von einer CFIUS-Freigabe bis zum 13. November ausgegangen. Jedoch habe der Ausschuss bis dahin keine Entscheidung gefällt. Die Planungssicherheit sei Voltabox zufolge nicht mehr gegeben, um den Deal noch durchzuführen. Voltabox ist nicht das erste deutsche Unternehmen, das am Einspruch von CFIUS scheiterte. Auch die beiden deutschen Konzerne Infineon und Aixtron mussten wesentlich größere M&A-Deals mit US-Bezug wegen Bedenken von CFIUS absagen.  

Weitere Meldungen

Der mittelständische Wirtschaftsprüfer Warth & Klein Grant Thornton (WKGT) schließt sich zum 1. März 2019 mit der in Berlin sitzenden Trinavis Group zusammen. Wie die beiden Unternehmen mitteilten, wird das fusionierte Unternehmen weiterhin unter dem Namen Warth & Klein Grant Thornton firmieren. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Laut eigenen Angaben erzielte WKGT 2017 einen Umsatz von gut 96 Millionen Euro, Trinavis von 25,5 Millionen Euro. Gemeinsam soll im laufenden Jahr ein Umsatz von rund 130 Millionen Euro erreicht werden, schätzt WKGT.

Der Chipkonzern Infineon hat das Dresdner Start-up-Unternehmen Siltectra für 124 Millionen Euro gekauft. Infineon begründet den Zukauf mit einem neuen Verfahren zum besonders materialsparenden und effizienten Bearbeiten von Kristallen, das Siltectra entwickelt hat. Bisher gehörte das Start-up mehrheitlich dem Risikokapital-Investor MIG Fonds. MIG wurde bei der Transaktion von der Kanzlei Reed Smith (Federführung: Florian Hirschmann und Silvio McMiken) beraten.

Der Autozulieferer Hella hat die norwegische Tochter Hellanor an die Beteiligungsgesellschaft Aurelius verkauft. Details zum Kaufpreis gaben die Unternehmen nicht bekannt. Die Freigabe der Kartellbehörden wird bis Jahresende erwartet. Eigenen Angaben zufolge erzielte Hellanor im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 mit rund 250 Mitarbeitern einen Umsatz von etwa 70 Millionen Euro. Hella wurde bei der Transaktion von Ebner Stolz, Freshfields sowie Bruckhaus Deringer beraten.

Die Funke Mediengruppe hat 49 Prozent ihres Österreich-Geschäfts an die Signa Holding veräußert. Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, übernimmt die von René Benko kontrollierte Holding die Anteile von der WAZ Ausland Holding, die wiederum an der „Kronen Zeitung“ und am „Kurier“ beteiligt ist. Die Transaktion muss noch von den Behörden genehmigt werden. Der Einstieg ins Mediengeschäft erfolgt wenige Wochen nach dem Abschluss der Fusion der beiden Warenhausketten Karstadt und Kaufhof. Benkos Signa Holding wird künftig die Mehrheit an dem neuen Unternehmen halten.  

Die Bitcoin Group hat ihr Serviceportfolio erweitert. Der Betreiber eines Handelsplatzes für digitale Währungen hat die Tremmel Wertpapierhandelsbank von dem bisherigen alleinigen Gesellschafter und Geschäftsführer Rainer Bergmann übernommen. Wie die Bitcoin Group mitteilte, liegt der Kaufpreis im unteren siebenstelligen Euro-Bereich. Das Closing soll im ersten Halbjahr 2019 erfolgen, nachdem die Behörden der Transaktion zugestimmt haben.

Der Mitfahrdienst BlaBlaCar will sein Geschäft mit dem Kauf der Reisebus-Firma Ouibus von der französischen Staatsbahn SNCF ausbauen. Wie das Unternehmen mitteilte, sei SNCF ein entsprechendes Angebot für den Kauf ihrer Tochtergesellschaft unterbreitet worden. Zur Höhe der Offerte wurden keine Angaben gemacht. Zudem habe BlaBlaCar eine neue Finanzierungsrunde in Höhe von 101 Millionen Euro abgeschlossen, an der sich auch SNCF beteiligt haben soll.

Der New Yorker Private-Equity-Investor Motive Partners hat die Frankfurter LPA Gruppe, einen Anbieter von Lösungen für die Finanzmarkttechnologie, erworben. Details zum Kaufpreis sind nicht bekannt. Motive Partners wurde bei der Transaktion von der Kanzlei Skye Partners beraten.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

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