M&A-Deals: Die Übernahme von Gamesa wird für Siemens teurer als gedacht.

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24.03.16
Deals

M&A-Deals: Siemens, Bayer, KKR

Siemens müsste für Gamesa mehr zahlen als geplant, Monsanto will die Agrarchemie-Sparte von Bayer, und KKR macht einen Deal mit Airbus. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Gamesa-Deal kostet Siemens mehr als geplant

Siemens muss bei der geplanten Übernahme des spanischen Windkraftanlagenherstellers Gamesa mit immer höheren Kosten rechnen. Siemens und Gamesa planen die Gründung eines Joint Ventures, in dem das Windturbinengeschäft gebündelt werden soll. Daran soll Siemens 60 Prozent der Anteile halten. Größter Gamesa-Aktionär ist mit rund 20 Prozent der spanische Energiekonzern Iberdrola. Dem Vernehmen nach will Siemens Iberdrola ein 10-Prozent-Paket abkaufen, um die Mehrheit an dem neuen Joint Venture zu erlangen. Ibedrola verlangt aber mehr dafür, als Siemens zahlen wollte.

Der französiche Energieriese Areva bremst den Deal jetzt aus. Vor zwei Jahren hatten Gamesa und Areva ein Joint Venture für Windkraftanlagen auf hoher See gegründet. Siemens wollte offenbar den Platz von Gamesa einnehmen, doch Areva möchte den Partnertausch nicht ohne weiteres hinnehmen. Wenn Siemens jetzt noch Areva übernehmen muss, wird der Deal immer teurer.

Monsanto greift nach Bayers Agrarchemie

Der Saatgutkonzern Monsanto interessiert sich offenbar für die Agrarchemie-Sparte des Bayer-Konzerns. Laut der Nachrichtenagentur Reuters könnte ein möglicher M&A-Deal bis zu 30 Milliarden US-Dollar schwer sein. Dem Bericht zufolge gibt es Gespräche über eine Übernahme des Geschäftsbereichs Crop Science. Monsanto wolle mit dem Geschäft Synergien zwischen den beiden Konzernen heben. Allerdings steht noch gar nicht fest, ob Bayer seine Agrarchemie-Sparte überhaupt veräußern will.

KKR übernimmt Verteidigungselektronik von Airbus

Der US-Investor KKR übernimmt für 1,1 Milliarden Euro die Verteidigungselektronik-Sparte des Flugzeugbauers Airbus. Der Geschäftsbereich mit Sitz in Ulm erzielt einen Jahresumsatz von rund 1 Milliarde Euro. Der M&A-Deal soll im ersten Quartal 2017 abgeschlossen werden.

KKR hat Medienberichten zufolge im Rennen um das Militärtechnik-Geschäft von Airbus fünf Mitbewerber ausgestochen. Auch der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall sei demnach interessiert gewesen. Airbus wurde bei dem Verkauf durch die Sozietät Freshfields Bruckhaus Deringer unter Federführung von Ralph Kogge und Torsten Schreier beraten. Für KKR war die Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller beratend tätig.

M&A-Personalien

Die Wirtschaftskanzlei Bryan Cave baut den Bereich Corporate/M&A in Hamburg aus. Hubertus Schröder wird das Team als Counsel verstärken. Er wechselt von Gibson Dunn aus München zu Bryan Cave, zuvor war er als Rechtsanwalt bei Ashurst in London und München tätig. Tonio Sadoni wird als Associate anfangen, er wechselt aus dem Hamburger Corporate Department von Latham & Watkins.

Das M&A-Beraternetzwerk IMAP muss sich neu aufstellen. Zum einen muss das Netzwerk den Austritt des Beratungshauses Clearwater verkraften. Außerdem haben in den letzten Monaten mehrere Partner den Mannheimer IMAP-Ableger verlassen. Werner Warthorst hat zu hww Unternehmensberater gewechselt. Daniel Jürgens hat eine CFO-Position in der Industrie angenommen, und Christian Hamacher ist neuer Managing Director bei dem Onlineportal BetterHeads.

Weitere M&A-Deals

Bei der geplanten Übernahme von Wincor Nixdorf hat Diebold die Mindestannahmequote mit 68,9 Prozent die Wincor-Aktien erreicht. Zuvor gab es Spekulationen, dass der Deal platzen könnte, weil möglicherweise nicht genug Wincor-Aktionäre andienen würden. Im Herbst 2015 gaben Wincor Nixdorf und Diebold bekannt, dass sie fusionieren wollen. Der Vollzug wird für den Sommer angestrebt.

Der Telekommunikationskonzern Freenet hat für rund 714 Millionen Euro 23,83 Prozent der Anteile an Sunrise Communications erworben. Zudem steht Freenet eine Option auf weitere 0,73 Prozent offen. Für das aktuelle Geschäftsjahr erwartet Freenet aus dem Deal einen Ebitda-Beitrag von rund 10 Millionen Euro. Beraten wurde Freenet bei dem Verkauf durch die Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller sowie die Schweizer Kanzlei Bär & Karrer.

Das Beteiligungsunternehmen VR Equitypartner hat die Mehrheit an der Norafin Gruppe, einem Hersteller von Vliesstoffen, erworben. Norafin erzielt Umsätze von rund 29 Millionen Euro. Die Kartellbehörden müssen der Übernahme noch zustimmen.  

Die Mediengruppe RTL übernimmt das Online-Werbeunternehmen Smartclip, wie Reuters berichtete. Der Kaufpreis soll für 93,75 Prozent der Anteile 47 Millionen Euro betragen. RTL habe allerdings eine Option auf die verbleibenden Anteile.

Die Xing-Tochter Kununu hat in den USA ein Joint Venture mit der Jobplattform Monster Worldwide gegründet. Auf diesem Weg verschafft sich Kununu Zugang zum amerikanischen Markt. Das Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in Boston ist bereits seit Mitte März aktiv. Bei der Transaktion wurde Xing durch die Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer beraten.

Die German Startups Group investiert in das Online-Auktionshaus Auctionata. Der Venture-Capital-Investor will eine mittelbare Beteiligung an Auctionata erwerben. Ein bindender Vorvertrag wurde bereits unterzeichnet. Zudem hat die German Startups Group ihre Beteiligungen an Rebuy und TVSmiles erhöht. Details der Deals sind nicht bekannt.

Der deutsch-südafrikanische Möbelhändler Steinhoff plant die Übernahme des britischen Elektronikhändlers Darty, wie das Handelsblatt berichtete. Demnach bietet Steinhoff über das französische Tochterunternehmen Conforama rund 864 Millionen Euro.

Hug Engineering, ein auf Abgasreinigungssysteme spezialisiertes Tochterunternehmen von ElringKlinger, erwirbt weitere 80 Prozent der Anteile an dem niederländischen Vertriebsunternehmen Codinox Beheer. Damit erhöht sich die Beteiligung auf rund 90 Prozent. Abgeschlossen werden soll die Übernahme im April.

Die britische Mälzereigruppe Anglia Maltings (Holding) hat das Hamburger Unternehmen Tivoli Malz komplett übernommen. Verkäufer ist die Hemera Vermögensverwaltungsgesellschaft. Die Käuferseite wurde durch Heuking Kühn Lüer Wojtek unter Federführung von Stefan Duhnkrack sowie durch die britische Kanzlei Stephenson Harwood unter Leitung von Ben Mercer beraten.

Volkswagen hat laut dpa mit dem Verkauf seiner Beteiligung an dem Leasinganbieter LeasePlan 2,2 Milliarden Euro erzielt. Der Verkauf des 50-prozentigen Anteils ist demnach abgeschlossen. Die Anteile gingen an ein internationales Investorenkonsortium.

Der französische Konzern Saint-Gobain will im Sommer 2017 die Kaufoption für den Schweizer Baustoffhersteller Sika verlängern. Falls der M&A-Deal zustande kommt, gebe es eine Arbeitsplatzgarantie in den ersten beiden Jahren.

Der Hamburger Spieleanbieter Bigpoint wird dpa zufolge von dem chinesischen Wettbewerber Youzu Interactive übernommen. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Durch den Deal erweitere sich die globale Reichweite für Bigpoint, hieß es. Beraten wurde Youzu Interactive bei der Übernahme durch die Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller.

Die Digitalberatung Etventure und die Personal- und Unternehmensberatung Kienbaum haben das Joint Venture Unternehmer-Schmiede gegründet. Das Gemeinschaftsunternehmen soll Führungs- und Fachkräften unternehmerische Digitalkompetenz vermitteln und Kandidaten in Unternehmen vermitteln.

Das Medizintechnikunternehmen aap Implantate hat sein Tochterunternehmen aap Biomaterials an einen europäischen PE-Investor veräußert. Dem Kaufpreis liegt ein angenommener Unternehmenswert von 36 Millionen Euro zugrunde. Bei dem Verkauf agierte die Kanzlei Taylor Wessing als Berater. Die Feder führten Thomas Dörmer und Marc-Oliver Kurth.

Der schwedische Leuchtenhersteller Fagerhult hat das Unternehmen LED Linear übernommen. Der Deal umfasst auch die Beteiligungen an mehreren Joint Ventures. Der Kaufpreis liegt im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Fagerhult wurde durch die Kanzlei Orrick, Herrington & Sutcliffe unter Federführung von Konstantin Heitmann beraten. Zudem waren die schwedische Kanzlei Gärde Wesslau Advokatbyrå mandatiert. Weiterhin waren  die Kanzlei  Afridi & Angell Legal Consultants in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie DGS Associates in Indien und Allen & Glendhill in Singapur tätig.

Das Unternehmen Aconex, das eine Projektplattform für die Bauwirtschaft anbietet, übernimmt den Softwareanbieter Conject Holding. Der Kaufpreis beträgt 65 Millionen Euro. Die Übernahme soll Ende März abgeschlossen werden, sofern die erforderlichen Genehmigungen vorliegen.

Das Beteiligungsunternehmen H.I.G. Capital hat den Freizeitparkbetreiber Looping Group veräußert. Käufer ist Ergon Capital Partners III. Auch das Management um Laurent Bruloy hat sich an Looping beteiligt.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.