Wincor Nixdorf spricht mit dem US-Wettbewerber Diebold über einen möglichen Zusammenschluss.

Wincor Nixdorf

23.10.15
Deals

M&A-Deals: Deutsche Wohnen, Wincor Nixdorf, Balda

Die Übernahme der LEG durch den Immobilienkonzern Deutsche Wohnen ist gescheitert, der Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf plant einen Milliardendeal mit dem US-Konkurrenten Diebold und der PE-Investor Paragon bessert sein Angebot für Balda nach. Die M&A-Deals und M&A-Personalien der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Wincor Nixdorf und Diebold bereiten Fusion vor

Die Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf und Diebold haben Eckpunkte eines möglichen Zusammenschlusses vereinbart. Denkbar sei demnach ein freiwilliges Übernahmeangebot an sämtliche Aktionäre von Wincor Nixdorf.

Sollte ein M&A-Deal zustande kommen, würde der Kaufpreis in Höhe von 1,73 Milliarden Euro teils bar und teils in Diebold-Aktien gezahlt werden. Dabei liegt ein Wert von 52,50 Euro je Wincor-Aktie zugrunde. Allerdings besteht noch keine verbindliche Vereinbarung. Wincor Nixdorf und Diebold prüfen zunächst weiter die Voraussetzungen einer Fusion.

Deutsche Wohnen bläst LEG-Übernahme ab

Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen hat sein Kaufangebot für seinen engsten Verfolger LEG Immobilien zurückgezogen. Grund für das Scheitern der geplanten Übernahme ist die mangelnde Unterstützung wichtiger Deutsche-Wohnen-Aktionäre.

Der Marktführer Vonovia war dazwischen gegrätscht, indem der Dax-Konzern drei Wochen später seinerseits ein feindliches Übernahmeangebot für die Deutsche Wohnen abgegeben hat. Allerdings hat Vonovia-CFO Dr. A. Stefan Kirsten, Vonovia SEStefan Kirsten noch nicht gewonnen, denn das Deutsche-Wohnen-Management lehnt die Übernahme weiter ab.

PE-Investor Paragon bessert Balda-Angebot nach

Beim Verkauf des operativen Geschäfts des Kunststoffteileherstellers Balda geht das Verwirrspiel weiter: Obwohl der Kaufvertrag schon Ende September unterzeichnet wurde, hat der PE-Investor Paragon nun sein Angebot nachgebessert. Auf das bisherige Angebot von 62,9 Millionen Euro hat Paragon damit nochmals 3 Millionen Euro aufgeschlagen. Auch das vereinbarte Verkäuferdarlehen über 25 Millionen Euro will das PE-Haus um weitere 3 Millionen Euro aufstocken.

Insgesamt schlägt das nachgebesserte Übernahmeangebot von Paragon das nachträglich eingereichte Angebot von der Industrieholding Heitkamp & Thumann nun um 2 Millionen.

Kreditplattform Funding Circle schluckt Zencap

Die britische Kreditplattform Funding Circle übernimmt das Rocket-Internet-Startup Zencap. Damit wächst das Unternehmen nach eigenen Angaben zum ersten global agierenden Onlinemarktplatz für Unternehmenskredite. Der bisherige Zencap-Mehrheitsaktionär Rocket Internet erhält im Gegenzug eine Minderheitsbeteiligung an Funding Circle, deren Höhe ist jedoch nicht bekannt.  

Auch die übrigen Eigentümer sollen weiter bei Zencap an Bord bleiben. Gleiches gilt für die Mitgründer und Geschäftsführer Christian Grobe und Matthias Knecht. Als nächstes will das Fintech-Unternehmen in Europa expandieren, ein genauer Zeitplan dafür steht jedoch noch nicht fest.

M&A-Personalien

Daniel Kral kommt als neuer Partner zum M&A-Beratungshaus Markus Partners. Er bringt mehr als zehn Jahre Erfahrung in der M&A- und Corporate-Finance-Beratung mit. Zu seinen bisherigen Karrierestationen zählen Dresdner Kleinwort Wasserstein, Rothschild und Silvia Quandt. Bei Markus Partners soll Kral sich auf M&A-Deals im Small- und Midcap-Bereich konzentrieren.

Die Anwaltssozietät White & Case hat mit Wirkung zum 1. Januar 2016 vier neue Partner ernannt. Henrik Röger und Andreas Wieland gehören der Praxisgruppe M&A an, Vanessa Schürmann berät unter anderem PE-Investoren und Markus Mette ist in der Praxisgruppe Intellectual Property tätig.

Die Münchener Kanzlei Gütt Olk Feldhaus hat Kilian Helmreich für ihre Praxisgruppe Corporate und M&A angeworben. Er kommt voraussichtlich mit Wirkung zum 1. November von Latham & Watkins, wo er als Partner im Corporate Department ebenfalls in München tätig war. Sein Fokus liegt auf der Beratung von M&A- sowie Private-Equity-Transaktionen.

Weitere M&A-Deals

Der Chemie- und Pharmakonzern Merck erfüllt die Kartellauflagen der EU für die Übernahme von Sigma-Aldrich: Der Darmstädter Konzern veräußert Teile des Europageschäfts für Lösungsmittel und anorganische Stoffe seines Fusionspartners für rund 105 Millionen Euro an den US-Konzern Honeywell. Die EU-Kommission muss dem M&A-Deal noch zustimmen, danach kann Merck die Übernahme von Sigma-Aldrich abschließen. Ziel ist ein Abschluss bis Ende November.  

Die Deutsche Telekom und T-Systems haben den Druck- und Archivierungsdienstleister T-Systems DDM an den Magdeburger IT-Dienstleister Regiocom veräußert. Die Verkäuferseite wurde durch die Kanzlei Noerr unter Federführung von Christoph Spiering beraten. Außerdem prüft die Deutsche Telekom der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge einen möglichen Verkauf seines niederländischen Mobilfunkgeschäfts für knapp 5 Milliarden Euro. T-Mobile Niederlande erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,55 Milliarden Euro. Zu den möglichen Interessenten zählen dem Bericht zufolge Finanzinvestoren sowie der Telekommunikationskonzern Liberty Global.

Die österreichische Rail Cargo Group hat mit der Übernahme der Privatbahn EBM Cargo den Markteintritt in Deutschland vollzogen. Beraten wurde die Güterverkehrssparte der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) dabei durch die Wirtschaftskanzlei Noerr. Das Team leiteten Falk Osterloh und Alexander Hirsch. Die Rail Cargo Group erzielt mit etwa 8.100 Mitarbeitern Umsätze von rund 2,1 Milliarden Euro jährlich.

EWE verkauft seine Anteile in Höhe von 74,2 Prozent an VNG-Verbundnetz Gas an den Energiekonzern EnBW. Der Kaufpreis ist nicht bekannt, allerdings gab das Unternehmen an, mit der Transaktion einen Buchgewinn zu erzielen. Im Zuge des M&A-Deals vereinbarten EWE und EnBW außerdem, dass EnBW ihre Beteiligung an EWE über 26 Prozent in mehreren Schritten veräußert. EWE wird davon 10 Prozent eigene Aktien zu einem Preis von insgesamt 504,8 Millionen Euro zurückkaufen. Weitere 10 Prozent übernehmen die kommunalen EWE-Aktionäre im kommenden Jahr. Den Rest des Aktienpakets kaufen sie bis 2019.

Die EU-Kommission fordert, dass die HSH Nordbank bis 2018 restrukturiert und das operative Geschäft verkauft wird. Ansonsten müssen die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein als Mehrheitseigner die Bank abwickeln. Die HSH will daher Kredite mit einem Volumen von bis zu 6,2 Milliarden Euro in eine Zweckgesellschaft auslagern und weitere Kreditportfolien mit einem Gesamtvolumen von 2 Milliarden Euro verkaufen, womit die ausfallgefährdeten Kredite um mehr als die Hälfte reduziert werden. CFO Stefan Ermisch will die Bank jetzt mit Hilfe einer Wachstumsoffensive für Investoren interessant machen, wie er gegenüber FINANCE erklärte.

Einem Bericht der F.A.Z. zufolge steht eine Großfusion unter den gesetzlichen Krankenkassen bevor. Demnach will die Barmer/GEK mit 8,5 Millionen Versicherten die Deutsche BBK übernehmen, die ihrerseits 1,1 Millionen Kunden hat. Es existiere bereits eine beiderseitige Absichtserklärung über einen Zusammenschluss spätestens bis zum 1. Januar 2017.

Der Münchener PE-Investor Emeram übernimmt von dem polnischen IT-Anbieter Asseco das deutsche IT- und Softwarehaus Matrix42. Das Unternehmen entwickelt und vertreibt Management-Lösungen zur Verbesserung der Arbeitsplatzorganisation. Emeram will Matrix42 bei der Auslandsexpansion unterstützen und weitere Anbieter hinzukaufen. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Emeram ließ sich beraten von Goetzpartners (Commercial Due Diligence, IT), Alvarez & Marsal (Financial Due Diligence), GNS (Legal Due Diligence) und Deloitte (Tax Due Diligence).

Die italienische Bank Unicredit zieht offenbar einen Verkauf von Teilen der Bank Austria in Erwägung, wie das „Handelsblatt“ berichtete. Betroffen sei das Geschäft mit Privatkunden sowie kleinen und mittleren Unternehmen. Der Zeitung „Der Standard“ zufolge verhandelt Unicredit mit der österreichischen Bank Bawag und deren Eigentümer Cerberus.

Der Gabelstaplerhersteller Jungheinrich übernimmt die Mehrheit an dem australischen Unternehmen NTP Forklifts Australia, das Materialflusstechnik herstellt. Verkäufer sind die Gründer Nick Perdelis und John Naffine, der Kaufpreis wurde nicht bekanntgegeben. NTP soll ein strategischer Partner für Jungheinrich werden und seine bestehenden Marken weiter ausbauen.

Das Schweizer Biotechnologieunternehmen Actelion hat mehr als 2,5 Milliarden Euro für M&A-Deals zur Verfügung, wie Reuters berichtete. Der Agentur gegenüber erklärte CFO Andre Muller, dass das Unternehmen über eine starke Bilanz und Bargeldzuflüsse verfüge. Außerdem könne sich Actelion Geld am Kapitalmarkt beschaffen. Das Unternehmen befindet sich demnach regelmäßig in Gesprächen mit sieben oder acht möglichen Partnern.

Die BF Holding hat als Großaktionärin mit über 50 Prozent den übrigen Anteilseignern des Unternehmens Nanostart ein freiwilliges öffentliches Erwerbsangebot unterbreitet. Insgesamt umfasst das Kaufangebot bis zu 1,6 Millionen Aktien - oder rund 25,6 Prozent des Grundkapitals – für je 1,20 Euro.

Das Bundeskartellamt hat dem PE-Fonds Oakley Capital Private Equity II die Freigabe erteilt, EliteMedianet zu übernehmen, den Betreiber des Partnervermittlungsportals ElitePartner. Verkäufer ist Tomorrow Focus, der Kaufpreis wurde nicht genannt.

Die Würth-Gruppe hat das US-amerikanische Unternehmen Des Moines Bolt Supply, einen Anbieter von Befestigungstechnik, übernommen. Beraten wurde Würth bei der Akquisition durch Lincoln International. Details des Deals sind nicht bekannt.

Der US-amerikanische Fonds First Eagle Global Fund hat mitgeteilt, dass er seine Anteile an der Baumarktkette Hornbach Holding auf 8,37 Prozent ausgebaut hat. Details der Transaktion sind nicht bekannt.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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