M&A-Deals: Ströer, P&I, Techem

Ströer

23.09.16
Deals

M&A-Deals: Ströer, P&I, Techem

Ströer kauft die Onlineapotheke Vitalsana, Permira übernimmt P&I-Software und Macquarie könnte Techem veräußern. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Ströer kauft Onlineapotheke

Der Werbekonzern Ströer hat die ehemaligen Schlecker Onlineapotheke Vitalsana mit Sitz im niederländischen Heerlen erworben. Vitalsana rechnet 2016 mit einem Umsatz von rund 30 Millionen Euro. Der Kaufpreis liegt bei 4,5 Millionen Euro. Vitalsana wurde 2007 gegründet und 2012 durch das aktuelle Management im Rahmen eines Management-Buy-Outs erworben. Das Unternehmen fokussiert sich auf rezeptfreie und apothekenpflichtige sowie Pflegeprodukte.

„Mit unseren Medien treiben wir den Umsatz in unserem neuen Kanal Onlineapotheke und mit unserem neuen Kanal Onlineapotheke treiben wir den Umsatz für unsere Health & Beauty Angebote wie Asam Beauty und BodyChange", erklärt Christian Schmalzl, COO von Ströer, den strategischen Gedanken hinter dem Deal. Der Vollzug wird für die erste Oktoberhälfte erwartet.

Permira kauft P&I-Software

Der PE-Investor Permira baut sein Portfolio an IT-Investments in Deutschland aus und kauft den Human-Resources-Softwareanbieter Personal & Informatik (P&I) aus Wiesbaden. FINANCE erfuhr aus Marktkreisen, dass der Kaufpreis inklusive Schulden zwischen 800 und 850 Millionen Euro liegen soll.

Der bisherige Eigentümer HG Capital wird eine Minderheitsbeteiligung im Wert von rund 70 Millionen Euro behalten. Er hatte P&I im November 2013 von dem Finanzinvestor Carlyle übernommen. Das Investment-Multiple – also das Verhältnis von Verkaufserlös zum eingesetzten Kapital – liegt laut HG Capital bei 2,3, womit er Investor seinen Einsatz mehr als verdoppelt hätte. HG Capital wurde bei dem Deal von Arma Partners, GCA Altium sowie Latham & Watkins (Federführung: Oliver Felsenstein) beraten. Permira hat Freshfields mandatiert. Für den Vorstandsvorsitzenden von P&I war P+P Pöllath+Partners unter Federführung von Tim Kaufhold beratend tätig.

Macquarie will offenbar Techem verkaufen

Der Finanzinvestor Macquarie will Insidern zufolge sein Portfoliounternehmen Techem verkaufen. Das berichtet das Handelsblatt. Der Investor hält den Heizungsableser seit rund zehn Jahren. Der Deal könnte ein Volumen von zwei bis vier Milliarden Euro haben, so die Insider. Macquarie habe JP Morgan, die Deutsche Bank und die eigene Investmentbank-Tochter mit der Suche nach einem Käufer beauftragt.

Macquarie hatte Techem für 1,5 Milliarden Euro gekauft. Techem wurde 1952 gegründet und beschäftigt 3.500 Mitarbeiter.

Knorr-Bremse überrascht über Haldex-Stellungnahme

Im Kampf um den schwedischen Bremsenhersteller Haldex zeigt sich Knorr-Bremse überrascht darüber, dass das Haldex-Management weiterhin das Angebot des Konkurrenten ZF Friedrichshafen empfiehlt. Knorr-Bremse hatte vor einer Woche sein Übernahmeangebot auf 125 Schwedische Kronen erhöht.

ZF erhöhte daraufhin sein Angebot ebenfalls, allerdings auf nur 120 Schwedische Kronen. ZF wirbt damit, dass die Transaktionssicherheit höher ist. Davon ist offenbar auch das Haldex-Management überzeugt. „Knorr-Bremse ist überrascht, dass das Haldex-Board trotz der Bereitschaft, den Ansatz der Kartellfreigabe zu erläutern, weiterhin ein niedrigeres Angebot empfiehlt“, sagt Knorr-Bremse in einer Stellungnahme. Knorr-Bremse habe die kartellrechtliche Situation sorgfältig evaluiert und ein umfassendes Konzept entwickelt, um in den relevanten Märkten die kartellrechtliche Freigabe zu erhalten.

Wenige Tage nach dieser Stellungnahme hat Knorr-Bremse seinen Anteil an Haldex um 3,56 Prozent auf 14,91 Prozent aufgestockt.

Hedgefonds veräußern ATU nach Frankreich

Die Hedgefonds Centerbridge, Babson Capital und Goldman Sachs veräußern den Werkstattbetreiber ATU an die französische Mobivia Gruppe. Eine entsprechende Vereinbarung haben die beiden Seiten bereits unterzeichnet. Den Kaufpreis gaben die Unternehmen nicht bekannt. Allerdings zahlt Mobivia laut Presseberichten einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag. ATU erzielt Umsätze von rund 1 Milliarde Euro. Das kombinierte Unternehmen soll einen Umsatz von rund 2,7 Milliarden Euro aufweisen.

Mobivia hätte allerdings noch eine Möglichkeit, vom Kaufvertrag zurückzutreten, falls die als zu hoch erachteten Mieten für die ATU-Filialen nicht auf „marktübliche Niveaus“ gesenkt werden können. Die Nachverhandlung gilt als Bedingung für das nachhaltige Überleben von ATU. Mobivia hat die Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins unter Leitung von Gregor Klenk und Denis Criton als Berater beauftragt.

Blackstone zieht sich aus Scout24 zurück

Die Beteiligungsfirma Blackstone will ein großes Aktienpaket am Internet-Portal Scout24 verkaufen. Blackstone beauftragte die Bank Credit Suisse damit, 13,6 Millionen Scout24-Titel für 31,60 Euro zum Verkauf anzubieten. Das entspricht 12,6 Prozent des Grundkapitals. Blackstone hält derzeit knapp 40 Prozent an dem Unternehmen.

Scout24-CFO Christian Gisy hatte bereits im Interview mit FINANCE-TV angekündigt, dass er nach dem SDax nun auch den MDax ins Visier nimmt. Durch einen Ausstieg von Blackstone würde er seinem Ziel näher kommen. Blackstone war im Frühjahr 2014 bei Scout24 eingestiegen und hatte das Unternehmen vor rund einem Jahr an die Börse gebracht. Blackstone hat die Kanzlei Latham & Watkins als Berater mandatiert, das Team leitet Roland Maaß.

PE-Investor Alpinvest steigt bei Carcoustics aus

Der PE-Investor Alpinvest veräußert den Autozulieferer Carcoustics für rund 200 Millionen Euro. Käufer ist die chinesische Liaoning Dare Industrial Company. Der M&A-Deal muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden. Die Dare-Gruppe will mit der Übernahme Synergien mit der eigenen Tochter Fuxin Dare Automotive Parts heben. Den Kaufpreis gaben die Parteien nicht bekannt, Reuters berichtete allerdings, dass Alpinvest bis zu 200 Millionen Euro erzielen könnte. Die Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller berät die Dare-Gruppe bei der Transaktion.

SAP kauft US-Startup Altiscale

Der Softwarekonzern SAP übernimmt das US-Unternehmen Altiscale, wie das „Handelsblatt“ berichtete. Das Startup ist auf die Auswertung großer Datenmengen spezialisiert. Der Kaufpreis soll bei über 125 Millionen US-Dollar liegen. Der Deal soll es SAP ermöglichen, den Kunden Lösungen aus einer Hand anzubieten. Zu den Verkäufern gehören Accel Partners und Sequoia Capital.

Stahl Cranesystems könnte an PE-Investoren gehen

Der finnische Kranhersteller Kronecranes will sein deutsches Tochterunternehmen veräußern. Als Käufer kommen nach FINANCE-Informationen insbesondere PE-Investoren in Frage. Offenbar ist eine zweistellige Anzahl von Private-Equity-Häusern im Bieterrennen. Die Interessenten können bis Anfang Oktober ihre Offerten einreichen. Berater von Kronecranes ist MCF Corporate Finance.

Boston Consulting Group erwirbt Inverto

Die Boston Consulting Group tätigt mit der Übernahme des Einkaufsberaters Inverto seinen bisher größten Zukauf. Mit dem M&A-Deal will sich BCG von den Wettbewerbern McKinsey und Bain abgrenzen. Inverto erzielte im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 25 Millionen Euro. Den Kaufpreis gaben die Unternehmen nicht bekannt.

Capital Stage schließt Übernahme von Chorus Clean Energy ab

Das Solarunternehmen Capital Stage kann Chorus Clean Energy übernehmen. Bislang haben die Anleger Capital Stage 84 Prozent der Anteile angedient, womit die Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent plus einer Aktie klar überschritten wurde. Nun können die Aktionäre bis zum 5. Oktober auch noch die restlichen Aktien an Capital Stage verkaufen. Allerdings will Capital Stage sein Angebot nicht erhöhen, um auch noch die restlichen Anteile zu übernehmen. Als Berater hat Capital Stage die Kanzlei CMS mandatiert.

M&A-Personalien

Björn Broda ist als Bereichsleiter Strategie und Unternehmensentwicklung zu dem Windparkprojektierer Juwi gewechselt. Broda war zuletzt rund vier Jahre als Leiter Unternehmensstrategie und M&A Projekte bei dem Energieversorger Mainova tätig. Vor seiner Zeit bei der Mainova arbeitete er als Referent Strategie & Corporate Development bei E.on.

Andreas Schaflitzl ist neuer Leiter des deutschen Steuerfachbereichs von Linklaters. Die Praxisgruppe berät unter anderem bei M&A-, PE- und Immobilientransaktionen. Der 51-Jährige arbeitet bereits seit 2003 als Partner für die Wirtschaftskanzlei.

Weitere M&A-Deals

Das Schweizer Modeunternehmen Charles Vögele soll von dem italienischen Modekonzern OVS und zwei weiteren Investoren übernommen werden. Das schreibt das „Wirtschaftsblatt.at“. Die Käufer haben Kaufangebot zur Übernahme aller ausstehenden Inhaberaktien veröffentlicht. Der Angebotspreis liegt bei 6,38 Franken (5,83 Euro) pro Inhaberaktie. Sollten alle Aktien angedient werden, würde dies einem Kaufpreis von rund 56 Millionen Franken entsprechen. Die Mindestannahmequote liegt bei 70 Prozent.

Der Automobilzulieferer Hella hat zwei Teilgeschäftsbereiche veräußert. Die niederländische TKH Group übernimmt die LED-Flugfeldbefeuerungsaktivitäten, während die Hamburger Wünsche Group die LED-Außen- und Industriebeleuchtungsaktivitäten von Hella übernimmt. Als Berater hatte Hella Lincoln International mandatiert.

Der PE-Investor Ardian hat seinen Mid Cap LBO Fonds Ardian LBO Fund VI mit 4,5 Milliarden Euro geschlossen. Aus dem Fonds will Ardian in europäische Unternehmen mit einem Wert zwischen 175 Millionen Euro und 1,5 Milliarden Euro investieren. Ardian hat mit dem Hygieneunternehmen Hypred und dem Softwareanbieter Dedalus bereits zwei Investments aus dem Fonds getätigt.

Das auf Explosionsschutz spezialisierte Unternehmen R.Stahl hat sich im Rahmen einer Kapitalerhöhung mit 25 Prozent an dem russischen Branchenkollegen Zavod Goreltex beteiligt. Mit dem frischen Kapital sollen die Produktionsanlagen in Sankt Petersburg erweitert werden.

Der PE-Investor Quadriga hat über sein Portfoliounternehmen Dorea die Meritus Gruppe sowie zwei Einrichtungen des Familienunternehmens Frei übernommen. Die 2011 gegründete Gruppe betreibt Pflegeeinrichtungen und Wohneinheiten für betreutes Wohnen. Cubus Partners hat Dorea bei der Finanzierung betraten. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt.

Der Esslinger Autozulieferer Eberspächer kauft 80 Prozent an Vecture, einem kanadischen Batteriespezialisten. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Vecture entwickelt und produziert unter anderem Batteriemanagement-Systeme. Bei dem M&A-Deal hat MP Corporate Finance Eberspächer beraten.

Das auf Fruchtprodukte spezialisierte Unternehmen Zentis hat eine indirekte Minderheitsbeteiligung an dem niederländischen Unternehmen Peeters Produkten, einem Hersteller von Brotaufstrichen, erworben. Als Berater hatte Zentis Rödl & Partner unter Federführung von Cyril Prengel mandatiert. Zudem waren Meisterrechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft, RSM Altavis, BarentsKrans und Stibbe für Zentis tätig. Für die Verkäuferseite waren Witlox Van den Boomen Corporate Finance und La Gro Advocaten beratend tätig.

Die Übernahme von Monsanto durch Bayer könnte noch an einer Bedingung scheitern, wie die Nachrichtenagentur Dow Jones berichtete. Demnach könnten die beiden Konzerne von ihrem Deal zurücktreten, falls die Kartellbehörden den Unternehmen auferlegen, Geschäftsbereiche mit einem Jahresumsatz von mehr als 1,6 Milliarden Euro zu veräußern.

Die TBG, eine Beteiligungsgesellschaft des B2B-Spezialversandhändlers für Geschäftsausstattung Takkt, ist mit einer Minderheitsbeteiligung von 30 Prozent beim Berliner Start-up Printmate eingestiegen. Printmate ist ein im März 2015 gegründetes Start-up aus Berlin, es hat sich auf den digitalen Druck von professionellen Versandverpackungen im kundenindividuellen Design spezialisiert. Es handelt sich um das erste Investment von TBG.

Der PE-Investor Paragon Partners investiert in das Unternehmen Pavis, das mit Dienstleistungen im Bereich Intellectual Property einen Umsatz in Höhe von rund 120 Millionen Euro erwirtschaftet. Als Berater hatte Paragon Partners die Kanzlei Ebner Stolz unter Federführung von Claus Buhmann mandatiert.

Die Beteiligungsgesellschaft Bregal Unternehmerkapital hat sich mehrheitlich an dem Schweizer Unternehmen Kunststoff Schwanden beteiligt. Im Rahmen der Nachfolgeregelung bleibt der bisherige Eigentümer Albert Kiener weiterhin maßgeblich beteiligt. Auch CEO André Bermann und CFO Martin Züger erwerben ebenfalls Anteile an dem Kunststoffunternehmen. Die Wettbewerbsbehörden müssen den M&A-Deal noch freigeben. Bregal Unternehmerkapital wurde durch GCA Altium beraten.

Der Autozulieferer Schaeffler will sein Geschäft mit Komponenten für Elektro- und Hybridfahrzeugen ausbauen. Allerdings plant das Unternehmen kein großen Zukäufe in den Bereichen Elektronik und Software, wie CEO Klaus Rosenfeld gegenüber „Euro am Sonntag“ sagte.

Der Unternehmer Stefan Zubcic, dem das Unternehmen Sachsenring Karosseriemodule gehört, hat das insolvente Kunststoffverarbeitungsunternehmen Nündel Kunststoff-Technik übernommen. Das Beratungsunternehmen Concentro Management hat den Verkaufsprozess begleitet.

Der Bauausrüster AFG Arbonia-Foster-Holding schließt sich mit der Industrieholding Looser zusammen. AFG unterbreitet den Looser-Aktionären ein öffentliches Übernahmeangebot, in dessen Rahmen je Looser-Aktie fünfeinhalb AFG-Aktien zuzüglich 23 Schweizer Franken in bar geboten werden. Außerdem kauft AFG von den bisherigen Hauptaktionären 53 Prozent der Aktien zum gleichen Preis. Beraten wird AFG bei der Transaktion durch die UBS. Für Looser ist N+1 Swiss Capital tätig.  

Der Investor Lone Star hat über sein verbundenes Unternehmen LSREF4 Aria insgesamt rund 92,39 Prozent der Anteile an dem Immobilienunternehmen Isaria Wohnbau erworben. Das Beteiligungsunternehmen hat seine Beteiligung im Zuge einer Kapitalerhöhung von Isaria ausgebaut.

Das Beteiligungsunternehmen Finatem hat die Mehrheit an dem IT-Unternehmen DataWerks erworben. Finatem will sich mit dem Deal breiter aufstellen und in den IT-Sektor einsteigen. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.

Der Schweizer Industriekonzern ABB hat einen Teil seiner Stromnetzsparte veräußert. Der dänische Stromkabelhersteller NKT Cables hat laut dpa das Geschäft mit Hochspannungskabeln von ABB übernommen. Der Transaktion liegt ein Unternehmenswert von 836 Millionen Euro zugrunde. Der M&A-Deal soll im ersten Quartal 2017 abgeschlossen werden. Die Freigabe der Wettbewerbsbehörden steht noch aus.

Der chinesische Hersteller für Analyseinstrumente Hanon Instruments hat die Mehrheitsanteile an der Dortmunder Gesellschaft für analytische Sensorsysteme mbH (G.A.S.) übernommen. G.A.S. ist ein Spin-Off des Dortmunder Leibniz-Instituts für Analytische Wissenschaften. Beraten wurde Hanon bei dem Deal von BankM.

Das Beteiligungsunternehmen SHS hat Anteile an EIT Emerging Implant Technologies, einem Hersteller von Wirbelsäulenimplantaten, erworben. SHS tätigt den Zukauf aus seinem vierten Fonds, der ein Gesamtvolumen von 125 Millionen Euro hat.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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