Stuttgarter Börse plant Krypto-Fusion mit Tradias
In Stuttgart soll ein neuer Krypto-Champion entstehen: Das Tochterunternehmen der Stuttgarter Börse, Börse Stuttgart Digital, und Tradias, zwei führende europäische Krypto-Infrastrukturanbieter, planen einen Zusammenschluss unter dem Dach der Boerse Stuttgart Group. Die Börse Stuttgart Group sieht in dem Deal einen wichtigen Schritt zur Konsolidierung des europäischen Kryptomarkts.
Ziel sei es, einen voll regulierten europäischen Krypto-Champion zu schaffen, der die gesamte Wertschöpfungskette von Brokerage, Handel, Verwahrung, Staking und tokenisierten Assets abdeckt. Die neue Einheit wird rund 300 Mitarbeiter umfassen und von einem gemeinsamen Management-Team mit Hauptsitzen in Frankfurt und Stuttgart geleitet. Baker McKenzie agiert beratend aufseiten von Tradias.
Hapag-Lloyd kauft israelische Reederei ZIM
Hapag-Lloyd, die größte deutsche Containerreederei, hat die Übernahme der israelischen Reederei ZIM Integrated Shipping Services angekündigt. Der Deal, der Hapag-Lloyd 4,2 Milliarden US-Dollar kosten wird, soll die Position des Unternehmens im globalen Logistikmarkt stärken. Hapag-Lloyd plant, alle ZIM-Aktien für 35 Dollar je Anteilsschein in bar zu erwerben. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der ZIM-Aktionäre und der Aufsichtsbehörden.
Eine Besonderheit des Deals ist die Handhabung der sogenannten Golden Share, die dem Staat Israel umfangreiche Sonderrechte bei ZIM gewährt. Eine neue Containerreederei wird mit Fimi Opportunity Funds, einem israelischen Private-Equity-Fonds, gegründet, um diese Anteile zu verwalten.
Mit der Übernahme von ZIM will Hapag-Lloyd seine Position als fünftgrößte Reederei weltweit festigen. Die Flotte wird auf 400 Schiffe mit einer Containerkapazität von über 3 Millionen TEU anwachsen. Das jährliche Transportvolumen soll mehr als 18 Millionen TEU betragen. Der CEO von Hapag-Lloyd, Rolf Habben Jansen, sieht in dem Deal eine Stärkung des Netzwerks in wichtigen Fahrtgebieten. Die rechtliche Beratung für Hapag-Lloyd erfolgte durch Hengeler Mueller, Cravath, Swaine & Moore LLP sowie Herzog Fox & Neeman.
Schwarz Digits und Hensoldt starten Partnerschaft
Schwarz Digits mischt künftig in der Rüstungsbranche mit. Die IT-Sparte der Schwarz Gruppe und Hensoldt haben eine strategische Partnerschaft geschlossen. Ziel ist der Ausbau von Software-Defined Defence und datengetriebenen Fähigkeiten für vernetzte Einsatzräume. Der Fokus liegt auf der Bereitstellung vollständig integrierter, souveräner und Cloud-fähiger Lösungen für Deutschland und verbündete Nationen.
Schwarz Digit bringt mit Stackit eine unabhängige Cloud-Infrastruktur, die Datenverarbeitung von stationären Rechenzentren entkoppelt und bis zu mobilen Geräten im Einsatzraum verlängert, in die Partnerschaft mit ein. Hensoldt bringt hingegen das Verteidigungs-Know-how mit. Ergänzt wird dies durch Radar-, Optronik- und Sensorsysteme sowie Lösungen für Datenmanagement und Interoperabilität. Die Partnerschaft zielt darauf ab, bis 2026 Prototypen und gemeinsame Angebote zu entwickeln, die die Fähigkeiten beider Unternehmen kombinieren.
Weitere M&A-Deals
Das dänische Unternehmen Dragsbæk hat eine Vereinbarung zum Erwerb des deutschen Traditionsunternehmens Vortella getroffen. Vortella ist Hersteller von Spezialfetten, Margarinen, Backmitteln und Feinkostprodukten. Vortella, mit einem Jahresumsatz von rund 50 Millionen Euro, beschäftigt 107 Mitarbeiter in Preußisch Oldendorf in der Nähe von Bielefeld. Dragsbæk selbst ist ebenfalls im Business für Spezialfette tätig und ein Hersteller von hybriden Molkereiprodukten. Lebhuhn & Puchta hat Dragsbæk bei der rechtlichen Due Diligence und den Vertragsverhandlungen für den Erwerb von Vortella beraten.
Der Hünfelder Hersteller medizinischer Tragesysteme Ondal Medical Systems hat Völker Video- und Datentechnik aus Maintal akquiriert. Mit der Übernahme des Videolösungsanbieters für medizinische Anwendungen erweitert Ondal sein Produktangebot im Bereich der Videotechnik. Der Gründer von Völker wird künftig weiterhin operativ in der Führung des Unternehmens agieren. Bei der Transaktion wurde Ondal rechtlich von White & Case beraten, Völker seitens der Frankfurter Kanzlei Görg.
Logicheck ist künftig nicht mehr in Familienhand. Die Gesellschafter des Anbieters von digitalen Prüfdienstleistungen und Software-Lösungen für Versicherer verkaufen die Mehrheit ihrer Anteile an den Private-Equity-Investor THI Investments. Die Partnerschaft soll die Expansion im deutschsprachigen Raum fördern. Ox8 Corporate Finance beriet die Gesellschafter von Logicheck bei diesem Deal.
BRLO erweitert sein Produktportfolio im Bereich der alkoholfreien Getränke: Die Berliner Brauerei hat den Getränkehersteller Roy Kombucha erworben. Beide Unternehmen teilen bereits seit mehr als zwei Jahren die BRLO-Produktionsstätte in Berlin. Beraten wurde Roy Kombucha bei der Transaktion von der Berliner Wirtschaftskanzlei BCLP.
Die Sanity Group, ein Berliner Unternehmen für medizinisches Cannabis, ist mit Organigram Global fusioniert. Der kanadische Hersteller von Cannabisprodukten war bislang bereits als Investor und Produktionspartner an Sanity beteiligt. Die Berliner hoffen, von Organigrams Expertise in den Bereichen Anbau, Herstellung, patientenorientierte Forschung und Innovation zu profitieren.
M&A-Berater-News
Alantra ernennt Johannes Helke zum Senior Advisor in Frankfurt. Er verstärkt die DACH Financial Institutions Group der Investmentbank. Helke bringt über 25 Jahre Erfahrung im Finanzdienstleistungssektor mit, darunter leitende Positionen bei Société Générale und KPMG. Alantra erweitert damit das Leistungsangebot für Finanzinstitute.
Deals in Verhandlung
Banken, darunter die Bank of America und Goldman Sachs, planen den Verkauf von rund 4 Milliarden Euro Schulden, um die Übernahme der BASF-Beschichtungssparte durch Carlyle zu unterstützen, wie Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtet. Diese finanzielle Maßnahme ist entscheidend für die Transaktion, die einen bedeutenden Schritt in der Konsolidierung der Beschichtungsindustrie darstellt.
Rheinmetall schreitet beim Verkauf seiner Automotive-Sparte voran. Der Rüstungskonzern hat mit Vertretern der Betriebsräte aus dem Automotive-Bereich eine Übergangsregelung für die Beschäftigten der Division Power Systems vereinbart, die nach dem Verkauf für den Käufer bindend ist. Nach Abschluss der Transaktion sollen die Beschäftigten der Division Power Systems an deutschen Standorten eine dreijährige Beschäftigungs- und Standortgarantie erhalten. Bestehende Tarifverträge bleiben in diesem Zeitraum unverändert.
Die Mercedes-Benz Group beabsichtigt, einen Teil ihrer Beteiligung an Daimler Truck zu veräußern. Der aktuelle Anteil von Mercedes-Benz an Daimler Truck ist etwa 11,6 Milliarden Euro wert. Insgesamt könnten im Jahr 2026 rund 6 Milliarden Euro an die Investoren zurückgegeben werden, verglichen mit 4,4 Milliarden Euro im Vorjahr.
M&A-Gerüchteküche
Volkswagen nähert sich einem Verkauf seiner Tochtergesellschaft Everllence, ehemals MAN Energy Solutions. Die Private-Equity-Fonds Blackstone, EQT und CVC haben Angebote abgegeben, wie die „Financial Times“ berichtete. Everllence, spezialisiert auf Schiffsmotoren und Energieanlagen, wird mit 5 bis 6 Milliarden Euro bewertet. Volkswagen plant, eine Minderheitsbeteiligung zu behalten, um seine Liquidität zu stärken und den Umbau des Autogeschäfts zu finanzieren. Weitere Fonds wie CD&R und KPS haben ebenfalls Interesse gezeigt. Der Verkauf ist Teil eines umfassenden Sparkurses, um die finanzielle Stabilität des kriselnden Autokonzerns zu sichern.
Thyssenkrupp erwägt, seine Material-Sparte neu zu strukturieren, heißt es in einem Bericht von Reuters. Optionen sind eine Abspaltung, ein Börsengang oder ein Verkauf. Eine Änderung der Rechtsform in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien wird ebenfalls geprüft, um die Kontrolle zu behalten. Ein Börsengang könnte bereits im Herbst erfolgen, auf ein genaues Datum wolle sich der Konzern jedoch nicht festlegen, da man einen Börsengang vom Marktumfeld abhängig mache. Die Material-Sparte erzielte im Geschäftsjahr 2024/25 einen Umsatz von 11,4 Milliarden Euro.
Info
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Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
