M&A-Deals: Ein Verkauf des Werks in Alabama wäre für ThyssenKrupp eine wichtige Nachricht.

ThyssenKrupp

22.11.13
Deals

M&A-Deals: Telekom, Joyou, ThyssenKrupp

Die Deutsche Telekom steht offenbar vor dem Verkauf von Scout24, ThyssenKrupp verhandelt exklusiv über den Verkauf des Werks in Alabama, und der Vorstand der Grohe-Tochter Joyou empfiehlt Aktionären, das freiwillige Übernahmeangebot von Lixil abzulehnen. Diese und weitere M&A-Deals und M&A-News der Woche finden Sie hier im FINANCE-Wochenrückblick.

Telekom vor Verkauf von Scout24

Die Deutsche Telekom steht offenbar vor dem Verkauf der Tochter Scout24. Medienberichten zufolge will der DAX-Konzern 70 Prozent der Anteile der Scout Gruppe an den US-amerikanischen PE-Investor Hellman & Friedman verkaufen. Dieser wolle rund 1,4 Mrd. Euro bezahlen, berichtete die Agentur Reuters. Scout24 wird Finanzkreisen zufolge mit rund 2 Mrd. Euro bewertet. Bereits im Juni hatte es Gerüchte über einen Start des Verkaufsprozesses für das Kleinanzeigenportal gegeben. Als Interessenten galten damals mehrere PE-Investoren sowie strategische Käufer. 

B.Braun wehrt sich gegen Asset Deal bei Rhön Klinikum

Mit einem juristischen Trick hat sich Fresenius vor wenigen Wochen einen Großteil der Assets von Wettbewerber Rhön Klinikum gesichert. 43 Krankenhäuser und 15 medizinische Versorgungszentren wechselten den Besitzer – und zwar als Asset Deal, nicht als Share Deal. Die Rhön-Minderheitsaktionäre Asklepios und B.Braun waren zunächst überrumpelt. Doch nun will sich B.Braun wehren. Wie der Konzern am heutigen Freitag mitteilte, hat er gestern beim Landgericht Schweinfurt Klage eingereicht. Das Unternehmen beantragt, dass der Verkauf der Kliniken und Versorgungszentren an die Fresenius-Tochter Helios als unwirksam eingestuft und nicht vollzogen wird. B.Braun betonte, damit „auch das Ziel zu verfolgen, die Wettbewerbsvielfalt im Klinikmarkt zu erhalten“.

PE-Investor H.I.G. Europe übernimmt Weru von Triton

H.I.G. Europe, der europäische Arm der Beteiligungsgesellschaft H.I.G. Capital, übernimmt den Fensterproduzenten Weru von PE-Investor Triton. Bereits im Herbst 2012 kursierten Gerüchte über einen  möglichen Verkauf von Weru , das damals schon seit 13 Jahren im Triton-Portfolio lag. Die Kartellbehörden müssen dem M&A-Deal noch zustimmen. 2012 erzielte Weru dem Käufer zufolge einen Umsatz von gut 143 Mio. Euro. H.I.G. Europe will in den kommenden Jahren mit Weru den deutschen Markt weiter erschließen und die Marktposition in den benachbarten Ländern ausbauen. „Auch strategisch sinnvolle Zukäufe werden Bestandteil der künftigen Unternehmensstrategie von Weru sein“, sagte Wolfgang Biedermann, Managing Director bei H.I.G. Europe. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

ThyssenKrupp hofft auf Verkauf des Alabama-Werks

Eine hoffnungsfrohe Mitteilung kam in dieser Woche von ThyssenKrupp: Der Stahlkonzern befindet sich nach eigenen Angaben „in exklusiven Verhandlungen über einen möglichen Verkauf des US-amerikanischen Stahlwerks in Calvert/Alabama“. Das Werk ThyssenKrupp Steel USA ist Teil des Projekts Steel Americas, das dem Konzern mehrfach Wertberichtigungen und Abschreibungen einbrachte. Zu Details äußerte sich ThyssenKrupp selbst nicht, in Medienberichten gilt ein Konsortium aus dem weltgrößten Stahlkonzern ArcelorMittal und dem japanischen Stahlerzeuger Nippon Steel als wahrscheinlichster Käufer. Die nun laufenden Verkaufsgespräche über das Alabama-Werk beinhalten laut ThyssenKrupp „auch den Abschluss eines langfristigen Brammenliefervertrags für ThyssenKrupp CSA, wodurch eine wertsichernde Lösung für das brasilianische Stahlwerk erreicht würde.“ Ein erfolgreicher Abschluss sei aber noch offen. Das Brasilienwerk ist das zweite Sorgenkind von ThyssenKrupp, ein Verkauf hatte sich auch wegen technischer Schwierigkeiten als schwierig erwiesen. Bislang werden die Aktivitäten der Business Unit Steel Americas bei ThyssenKrupp als „nicht fortgeführt“ eingestuft. Sollte ThyssenKrupp  das Werk in Brasilien aber behalten und fortführen, müsste sich diese Einstufung ändern. Der DAX-Konzern hat die Aufstellung des Jahresabschlusses für das abgeschlossene Geschäftsjahr 2012/2013 auf den 2. Dezember verschoben.

Hg Capital übernimmt P&I-Anteil von Carlyle

Der PE-Investor The Carlyle Group hat seinen 91,85-prozentigen Anteil an P&I Personal & Informatik mit Sitz in Wiesbaden an Hg Capital verkauft. Medienberichten zufolge soll Hg Capital bis zu 380 Mio. Euro für die Übernahme bezahlen. Den übrigen Aktionären will der PE-Investor ein Übernahmeangebot machen. Der M&A-Deal wird über Kallisto ausgeführt, einer Tochtergesellschaft mehrerer Fonds, die von Hg Capital beraten werden. Die Kartellbehörden müssen noch zustimmen. P&I erzielte mit Personalmanagementdienstleistungen im Geschäftsjahr 2012/13 einen Umsatz von rund 82 Mio. Euro und ein Ebitda von mehr als 25 Mio. Euro. Ein Team von Clifford Chance unter Federführung von Partner Oliver Felsenstein hat Hg Capital beraten. Hg Capital war im Frühjahr mit dem Verkauf des Spielfigurenproduzenten Schleich gescheitert.

Grohe-Tochter Joyou lehnt Lixil-Angebot ab

Nach der Übernahme des Armaturenherstellers Grohe hat die japanische Lixil nun auch ein Angebot für die Grohe-Tochter Joyou abgegeben. Lixil hatte hatte sich mit Unterstützung der Development Bank of Japan im Bieterwettstreit um Grohe durchgesetzt. Für die Grohe-Tochter Joyou hat Lixil über die Luxemburger Tochter GraceB ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot abgegeben. Network Corporate Finance hat für den Joyou-Vorstand eine Fairness Opinion erstellt und kommt darin zu dem Ergebnis, dass der gebotene Preis von 12,16  Euro pro Aktie aus finanzieller Sicht „keinen angemessenen Gegenwert“ darstelle. Die im Angebot beschriebenen strategischen Zielsetzungen begrüßte der Joyou-Vorstand, wies allerdings darauf hin, dass diese sich auch bei geringer Annahmequote des Angebots umsetzen ließen. Daher empfiehlt der Vorstand seinen Aktionären, das Angebot nicht anzunehmen. Berücksichtigten sollten die Aktionäre aber, dass der Handel der Joyou-Aktie in den vergangenen zwölf Monaten „von geringer Liquidität und erheblichen Preisschwankungen geprägt war“, mahnt der Vorstand. Grohe hält circa 72,3 Prozent der Anteile an Joyou, die restlichen Aktien befinden sich im Streubesitz. Ashurst berät Joyou bei dem Übernahmeangebot der GraceB mit einem Team um Partner Matthias von Oppen. Lixil Corporation wird von Linklaters beraten, die Grohe Gruppe hat Weil Gotshal & Manges mandatiert.

Seafort übernimmt drei Unternehmen von Auctus

Im Zuge einer zeitlich synchronisierten Transaktion übernimmt Seafort vom Münchener PE-Investor Auctus über einen dafür speziell aufgesetzten Fonds gleich drei Unternehmen: die Kölner Noventiz-Gruppe, die Nürnberger DialogFeld Communication Group und die Bayreuther Dieter Braun-Gruppe. Der von Seafort verwaltete Fonds hat institutionelle Investoren aus den USA, Großbritannien und Frankreich für den Erwerb der drei Unternehmen gewonnen. CMS Hasche Sigle hat Seafort mit einem Team um die Lead Partner Udo Simmat und Tobias Schneider rechtlich beraten. Der M&A-Deal ist einer der ersten, der unter dem im Sommer 2013 in Kraft getretenen Kapitalanlagegesetzbuch strukturiert und umgesetzt wurde. "Die Strukturierung eines Fonds speziell und nur für eine konkrete Transaktion ist ein neues, wegweisendes Private Equity-Geschäfts- und Transaktionsmodell, das man im deutschen Markt bislang an sich nicht gesehen hat", sagte CMS-Partner Schneider. Er erwartet steigendes Interesse an dem Model. Argonas Corporate Finance Advisors hat Seafort als M&A-Berater begleitet und bei der Finanzierung der drei Transaktionen beraten. Mummert & Company hat Auctus bei dem M&A-Deal begleitet.

Lufthansa verkauft Anteile an Airline Group

Die Deutsche Lufthansa trennt sich von 86 Prozent ihrer Anteile an der Airline Group. Die Airline Group ist wiederum mit 41,9 Prozent an der britischen Flugsicherung NATS beteiligt. Die Lufthansa verkauft den Löwenteil ihrer Anteile an den britischen Pensionsfonds Universities Superannuation Scheme (USS). Dadurch sinkt der Anteil der Lufthansa an der Airline Group von 14,5 auf 2 Prozent. Mit dem Verkauf der Anteile erzielt die Lufthansa Erlöse von rund 45 Mio. Euro. Die Transaktion soll im ersten Quartal 2014 abgeschlossen werden, die Europäische Kommission muss zustimmen. Bis auf einen geringen Minderheitsanteil verkaufen zeitgleich und zu gleichen Bedingungen auch Thomas Cook, TUI Travel und Virgin Atlantic Airways ihre jeweiligen Anteile an der Airline Group an USS. Der Pensionsfonds erwirbt insgesamt einen Minderheitsanteil von 49,9 Prozent.

GSW-Aktionäre akzeptieren Übernahmeangebot

Rund 90 Prozent der Aktionäre von GSW Immobilien haben das Übernahmeangebot der Deutschen Wohnen nach Ablauf der erweiterten Annahmefrist akzeptiert. Die Deutsche Wohnen hatte ihr Angebot Ende August unterbreitet. Der Anteilsbesitz der Deutschen Wohnen an der GSW kann sich durch Ausübung ausstehender Wandelschuldverschreibungen der GSW-Wandelanleihe noch verändern. Die Deutsche Wohnen hat in dieser Woche Wandelschuldverschreibungen der GSW im Gesamtnennbetrag von 180,5 Mio. Euro von den Gläubigern gekauft. Damit sind noch GSW-Wandelschuldverschreibungen über 2,4 Mio. Euro ausstehend.

PE-Investor Steadfast steigt bei AVS ein

Steadfast Capital hat die Mehrheit an der AVS Gruppe übernommen, einem Anbieter von Verkehrssicherheitsdienstleistungen. Der Sohn des Unternehmensgründers, Dieter Berghaus, wird demPE-Investor zufolge „weiterhin einen signifikanten Anteil an der Gruppe“ halten. Steadfast will insbesondere den regionalen Ausbau von AVS vorantreiben. Die Fremdfinanzierung für den M&A-Deal hat die Kreissparkasse Köln als langjährige Hausbank der Gruppe mit der Landesbank Hessen-Thüringen bereitgestellt. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Steadfast Capital wurde von Fynamore Advisers beraten.

Immofinanz kauft erneut zu

Die Immofinanz hat über ihre Wohnbautochter Buwog ein weiteres Paket an Wohnimmobilien in Deutschland übernommen. Das Portfolio in Berlin und Umgebung umfasst 1.185 Wohneinheiten, der Kaufpreis beträgt 50 Mio. Euro. Das Paket stammt aus einer Insolvenzmasse, Insolvenzverwalter war Ralf Rattunde. Die Kartellbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen. Insgesamt hat die Buwog im Kalenderjahr 2013 nach eigenen Angaben bislang in Deutschland sechs Zukäufe getätigt und damit rund 271 Mio. Euro in den Kauf von 6.073 Wohnungen investiert. Zuletzt kaufte das Unternehmen in Kiel zu und sicherte sich ein Immobilienportfolio in Kassel. Zurzeit umfasst der Wohnungsbestand der Buwog in Deutschland rund 8.430 Bestandseinheiten.

M&A-News: Personalien

Der auf internationale M&A-Deals spezialisierte Rechtsanwalt Frank Hildebrandt (43) ist neuer Equity Partner bei Baker Tilly Roelfs. Er soll dort den Ausbau des internationalen Geschäfts vorantreiben. Hildebrandt wechselt von Dentons (ehemals Salans) und wird vom Münchner Büro aus insbesondere grenzüberschreitende Mandate betreuen. Bevor er 2007 Partner bei Salans wurde, arbeitete Hildebrandt bei der Vorgängerkanzlei Haarmann Hemmelrath und davor bei Pöllath + Partner. Vor seiner Anwaltstätigkeit war er Unternehmensberater für die Boston Consulting Group und arbeitete im Investmentbanking für Morgan Stanley.

Weitere M&A-Deals:

Der Schweizer Messgerätehersteller Endress+Hauser greift nach der Mehrheit an Analytik Jena. Endress+Hauser hat zurzeit ein Pflichtangebot an die Aktionäre des Anbieters von Analysemesstechnik ausstehen. Mit dem Gründer und Vorstandsvorsitzenden der Analytik Jena, Klaus Berka, sowie mit dem Thüringer Beteiligungsfonds TIB haben die Schweizer eine Vereinbarung geschlossen, die es ihnen ermöglicht, alle von Berka und der TIB gehaltenen Aktien für 13,75 Euro pro Stück zu übernehmen. Die Option kann zwischen dem 1. Oktober 2014 und dem 31. Dezember 2014 ausgeübt werden. TIB hält derzeit 17,63 Prozent der Stimmrechte an Analytik Jena, Klaus Berka hält 9,93 Prozent. Durch die Übernahme der Aktien von TIB und Berka würde der Anteil von Endress+Hauser die 75-Prozent-Schwelle übersteigen. Den Schweizern wurden bisher 47,4 Prozent an dem Unternehmen unmittelbar zugerechnet. Noerr hat Analytik Jena beim öffentlichen Pflichtangebot von Endress+Hauser beraten und auch Klaus Berka beim Abschluss der Optionsvereinbarung begleitet.

Die Decor Druck Leipzig hat im Rahmen eines Schutzschirmverfahrens einen neuen Eigentümer gefunden. Der Investor, der namentlich nicht genannt wurde, wird alleiniger Eigentümer des Unternehmens. Sachwalter von Decor Druck war Rainer Bähr (Hermann RWS). Ein Restrukturierungsteam von Dentons um Andreas Ziegenhagen und Dirk Schoene hat die Decor Druck Leipzig beim Schutzschirmverfahren in rechtlichen Fragen beraten. Als M&A-Berater war Sigma Corporate Finance (Sönke Schulz) beteiligt.

Der Geothermiedienstleister Daldrup & Söhne prüft mit der Tochtergesellschaft Geysir Europe den Gesellschafteranteil an Geo x, der Betreibergesellschaft für das Geothermiekraftwerk Landau, zu erhöhen. Daldrup führt nach eigenen Angaben Gespräche mit den Pfalzwerken, die 50 Prozent der Anteile halten. Zu weiteren Details wurde Stillschweigen vereinbart. Im August hatte die Geysir Europe 40 Prozent der Gesellschafteranteile an Geo x übernommen.  

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de