Fresenius schwingt sich mit dem Zukauf bei Rhoen zum größten Klinikbetreiber in Europa auf.

Fresenius

13.09.13
Deals

Milliardendeal: Fresenius hebelt Rivalen aus

Darauf waren Asklepios und B.Braun nicht vorbereitet: Mit einem juristischen Trick hat Fresenius die Sahnestücke der Rhoen-Gruppe übernommen – als Asset- und nicht als Share Deal. Die Wettbewerber stehen jetzt mit einer Beteiligung an einer fast leeren Hülle da – zwei Rhoen-Aufsichtsräte haben bereits Konsequenzen gezogen.

Mit einem Paukenschlag hat Fresenius nach langem Kampf große Teile der Rhoen-Kliniken übernommen. Wie in der Nacht bekannt wurde, kauft Fresenius 43 Krankenhäuser sowie 15 Medizinische Versorgungszentren des Wettbewerbers. Mit den 3,07 Milliarden Euro, die Fresenius für den Deal auf den Tisch legt, gelingt dem Konzern unter CEO Ulf Schneider und CFO Stephan Sturm doch noch der lang ersehnte Schritt, an dem der Dax-Konzern seit Jahren arbeitet: Er schwingt sich zum größten Klinikbetreiber Europas auf.
 
Möglich wurde das Manöver durch einen Trick, den die Fresenius-Juristen in den vergangenen Monaten ausgearbeitet haben: Statt eines Share Deals setzte das Management auf einen Asset Deal – denn der Übernahme der einzelnen Häuser müssen die Rhoen-Aktionäre nicht zustimmen. Für Fresenius war das die einzige Möglichkeit, beim Poker um Rhoen doch noch Zugriff auf die Kliniken zu bekommen, denn die Rhoen-Minderheitsaktionäre Asklepios und B.Braun hatten sich aus ganz unterschiedlichen Gründen seit dem ersten Übernahmeversuch im vergangenen Frühjahr verbissen gegen den Deal gestemmt – Asklepios wollte das Entstehen eines dominanten Rivalen verhindern, der Kliniklieferant B.Braun eine Marktkonsolidierung auf Kundenseite vereiteln.

Rhoen rutscht auf Platz 4 in Deutschland ab

Das erste Übernahmeangebot von Fresenius im April 2012 war in letzter Minute gescheitert, als Asklepios sich bei Rhoen eingekauft und so verhindert hatte, dass das erforderliche Quorum von 90 Prozent zustande kam. In den folgenden Monaten hatten Asklepios und der wenig später auf den Plan getretene Braun-Konzern – beide mit 5 Prozent beteiligt –vergeblich versucht, ihre Machtposition bei Rhoen auszubauen: Der Plan von Asklepios, seine Anteile auf 10 Prozent zu erhöhen, war im August daran gescheitert, dass vom Bundeskartellamt vorgegebene Auflagen nicht erfüllt wurden. Vor einer Woche wurde dann bekannt, dass B.Braun sich bemüht, seine Beteiligung gar auf 25 Prozent aufzustocken. Damit wollten sie ihren Einfluss sichern, auch wenn es Rhoen-Gründer Eugen Münch gelungen wäre, die hohen Zustimmungsraten aus der Firmensatzung zu entfernen.

Das extrem dealerfahrene Fresenius-Management um CEO Ulf Schneider und den Ex-Investmentbanker Stephan Sturm, der das Finanzressort leitet, hat die Blockadeposition der beiden Widersacher nun jedoch ausgehebelt. Nach dem M&A-Deal bleibt von Rhoen nicht viel mehr als eine leere Hülle: Die Kette verliert gut zwei Drittel ihres bisherigen Umsatzvolumens. Mit einem geschätzten Umsatz von 1 Milliarde Euro und 15.000 Mitarbeitern dürfte der geschrumpfte Konzern ab sofort nur noch an vierter Stelle unter den Klinikbetreibern in Deutschland stehen. Die Prognose für das laufende Jahr wurde bereits pflichtgemäß kassiert, die Rhoen-Aufsichtsräte Caspar von Hauenschild und Rüdiger Merz haben ihre Ämter mit sofortiger Wirkung niedergelegt.

Leverage-Ratio von Fresenius steigt auf über 3x Ebitda

Fresenius wächst mit 117 Krankenhäusern zum größten Klinikbetreiber Europas – lehnt sich finanziell für den Deal allerdings auch weit aus dem Fenster, denn der Zukauf ist ausschließlich fremdfinanziert. Zwar übernimmt Fresenius keine Finanzverbindlichkeiten von Rhoen, der Nettoverschuldungsgrad steigt durch den Deal vorübergehend aber auf über 3x Ebitda an. Im nächsten Jahr soll der Wert dann nach dem Plan des Managements schon wieder im Zielkorridor von 2,5 bis 3x Ebitda liegen. Nun hat das Bundeskartellamt das Wort.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de

Die größten M&A-Deals des Fresenius-Konzerns

->Juli 2008: Fresenius kauft die US-amerikanische APP Pharmaceuticals für 5,6 Milliarden US-Dollar
->August 2011: Fresenius Medical Care (FMC) übernimmt Liberty Dialysis für etwa 1,7 Milliarden Dollar und American Access Care (Kaufpreis 385 Millionen Dollar)
->Mai 2005: Fresenius übernimmt die Helios-Kliniken für 1,5 Milliarden Euro
->Januar 2011: FMC kauft Euromedic (Niederlande) für 485 Millionen Euro


Quelle: Thomson Reuters, FINANCE