M&A-Deals: Outokumpu kann die ThyssenKrupp-Sparte Inoxum übernehmen.

Outokumpu

09.11.12
Deals

M&A-Deals: ThyssenKrupp, Siemens, Bosch

ThyssenKrupp hat grünes Licht für den Inoxum-Verkauf, Siemens verstärkt erneut den Bereich Industriesoftware und Bosch verkauft seine japanische Beteiligung. Diese und weitere M&A-Deals und M&A-News der Woche lesen Sie in unserem Wochenrückblick.

ThyssenKrupp kann Inoxum verkaufen

Die EU-Kommission hat in dieser Woche grünes Licht für eine Großtransaktion gegeben: ThyssenKrupp kann seine Tochter Inoxum wie geplant an den finnischen Wettbewerber Outokumpu verkaufen. Der M&A-Deal hat ein Volumen von 2,7 Mrd. Euro. Die Freigabe hat zur Bedingung, dass Inoxum die Produktion im italienischen Terni abgibt.

Thyssen Krupp will mit dem Verkauf sein strategisches Profil schärfen und die Nettoverschuldung reduzieren. Die Verhandlungen mit dem finnischen Konkurrenten waren Anfang dieses Jahres konkret geworden. Durch den M&A-Deal erhält ThyssenKrupp eine Barzahlung von 1 Mrd. Euro sowie eine Beteiligung von 29,9 Prozent an Outokumpu. In früheren Berichten war auch davon die Rede, dass Outokumpu Verbindlichkeiten und Pensionsverpflichtungen über 422 Mio. Euro übernehme, ThyssenKrupp behalte eine Finanzforderung von 235 Mio. Euro.

Siemens stärkt Industriesoftwaresparte weiter

Siemens hat sein Industriesoftware-Portfolio mit der Übernahme der belgischen LMS International, einem Anbieter für die mechatronische Simulation komplexer Produkte, erweitert. Der Kaufpreis beträgt rund 680 Mio. Euro, die Behörden müssen noch zustimmen. LMS erzielte in den ersten neun Monaten dieses Jahres einen Umsatz von gut 140 Mio. Euro. Die Geschäftsaktivitäten von LMS sollen das Industriesoftwareangebot von Siemens stärken.

Siemens hat sich bereits mehrfach im Bereich Industriesoftware verstärkt, um den gesamten Wertschöpfungsprozess für Produktentwicklung und Produktion mit Software abdecken zu können. 2007 kaufte Siemens den Anbieter UGS, seit Ende 2011 hat der Konzern die Industriesoftwareunternehmen Active Tecnologia em Sistemas de Automação, Vistagy, IBS, Innotec do Brasil, Perfect Costing Solutions, VRcontext International sowie Kineo CAM übernommen.

Hunger nach M&A-Deals lässt nach

Die wachsenden Sorgen um die wirtschaftliche Lage bremsen den Wachstumsdrang der Unternehmen. Das zeigt die jüngste Auswertung des FINANCE M&A Panels, für das die Redaktion von FINANCE drei Mal jährlich mit der Kanzlei CMS Hasche Sigle die M&A-Chefs großer deutscher Unternehmen sowie Investmentbanker anonymisiert nach ihrer Markteinschätzung befragt.

Der Hunger nach Deals hat nachgelassen, expansionsbezogene Dealaspekte verlieren im Vergleich zu den vorangegangenen Befragungen zum Teil deutlich an Bedeutung. Die Erwartungen an die nächsten Monate geben ebenfalls wenig Anlass zu Optimismus. Der Aussage, dass das Umfeld für M&A-Deals sich in den kommenden zwölf Monaten verbessern wird, stimmten die befragten Investmentbanker und M&A-Berater mit dem Wert 5,32 zu (10 = vollkommene Zustimmung). Damit liegt die Einschätzung zwar noch gut einen Punkt über dem Tiefststand des vergangenen Herbstes, aber auch 2,5 Punkte unter dem Höchststand vom Februar 2011. Während die Einschätzung der Banker auf niedrigem Niveau verharrt, ist die Einschätzung der Unternehmensvertreter in den vergangenen Monaten deutlich eingebrochen. Seit dem Sommer ging die Zustimmung um rund 13 Prozent zurück. Damit ist die Stimmung in den Unternehmen so schlecht wie zuletzt vor einem Jahr, als die Talfahrt des DAX die Aussichten trübte. Die vollständige Auswertung des aktuellen FINANCE M&A Panels sowie die Ergebnisse aller vorangegangenen Befragungen finden Sie im FINANCE Research Archiv.

Bosch will Denso-Verkaufserlöse für Zukäufe nutzen

Bosch hat seinen restlichen Anteil von fünf Prozent an der japanischen Denso Corporation verkauft. Es handelte sich dem Unternehmen zufolge um eine nicht-strategische Finanzbeteiligung, die Bosch bereits seit Mitte der 1950er Jahre gehalten hatte. Teile der ursprünglichen Beteiligung hatte das Unternehmen bereits 2009 verkauft. Bosch erhält für die rund 46 Millionen Denso-Aktien etwa 1,1 Mrd. Euro. Das Geld soll für Investitionen in Zukunftsbereiche sowie für die Finanzierung von Unternehmenszukäufen verwendet werden.

Bosch und Denso arbeiten seit 60 Jahren zusammen und sind zudem Anteilseigner an mehreren Gemeinschaftsunternehmen. Unter anderem gründeten Bosch und Denso 2006 ein Joint Venture zur Entwicklung und Fertigung von Diesel-Partikelfiltern.

BC Partners stärkt Aenova mit Zukauf

Der Arzneimittelhersteller Aenova hat den Kaufvertrag für das Pharmaunternehmen Temmler-Gruppe (Umsatz ca. 170 Mio. Euro) in dieser Woche abgeschlossen. Über die Höhe des Kaufpreises wurde zwischen den Unternehmen Stillschweigen vereinbart, die Kartellbehörden müssen dem M&A-Deal noch zustimmen. Das Eigenkapital steuert BC Partners bei. Im August hatte BC Partners das Unternehmen Aenova vom Finanzinvestor Bridgepoint übernommen.

Ein Team von CMS Hasche Sigle um die Leadpartner Dr. Udo Simmat und Dr. Tobias Schneider hat Aenova und BC Partners gemeinsam mit Kanzleien des CMS-Verbunds in der Schweiz und in Italien und mit McCann FitzGerald Solicitors in Irland beraten.

Bertelsmann baut Buchgeschäft aus

Noch vor dem geplanten Zusammenschluss seiner Buchsparte Random House mit Penguin stärkt der Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann sein Buchgeschäft mit einer Übernahme. Die Verlagsgruppe Random House wird an dem in Spanien und Lateinamerika tätigen Verlagshaus Random House Mondadori künftig 100 Prozent der Anteile halten, teilte das Unternehmen in dieser Woche mit. Bislang wurde das 2001 gegründete Target als 50/50-Joint-Venture der Verlagsgruppen Random House und Mondadori geführt.

Die spanischen Wettbewerbsbehörden müssen dem M&A-Deal noch zustimmen, zum Kaufpreis wurde nichts bekannt. Bertelsmann und Mondadori waren bis vor zwei Jahren auch gemeinsam am italienischen Buchclub Mondolibri beteiligt, die Beteiligung in Italien hat Bertelsmann 2010 an Mondadori verkauft.

Equistone Partners kauft Sunrise Medical

Der Finanzinvestor Equistone Partners Europe hat den Rollstuhlproduzenten Sunrise Medical mit Sitz in Malsch bei Heidelberg übernommen. Verkäufer ist die US-Private-Equity-Gesellschaft Vestar Capital Partners. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Der M&A-Deal soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein, die Kartellbehörden müssen noch zustimmen.

Vestar hatte das Unternehmen im Dezember 2000 gemeinsam mit Park Avenue Equity Partners im Rahmen einer Going-Private-Transaktion gekauft. Sunrise Medical und Vestar wurden bei der Transaktion von Rothschild, Simpson Thacher & Bartlett sowie Deloitte Tax beraten. Equistone Partners Europe wurde von Hauck & Aufhäuser, Pöllath + Partners, Thompson Hine, Ashurst sowie KPMG begleitet.

Weitere M&A-Deals und M&A-News der Woche

Die BASF hat in dieser Woche angekündigt, ihre Tochter BASF Wall Systems, einen Anbieter für Wärmedämmungen, verkaufen zu wollen. Der Umsatz der Tochter lag 2011 im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Das Geschäft biete nur geringe Synergien mit anderen Arbeitsgebieten, hieß es zur Begründung.

Das Unternehmen Saab hat Medav, ein Unternehmen für digitale Signalverarbeitung, in Deutschland zugekauft. Der Kaufpreis liegt bei rund 27 Mio. Euro, zudem wurden mögliche Earn-outs von bis zu 7 Mio. Euro vereinbart. Saab finanziert den M&A-Deal aus vorhandenen Mitteln. Ein Team von Deloitte Corporate Finance Advisory um Managing Director Dr. Sven Oleownik hat Medav bei der Transaktion beraten.

Der Finanzinvestor Capiton hat sich im Rahmen einer Nachfolgeregelung über einen MBO mehrheitlich an der Schwanenmühle Gruppe (Umsatz ca. 57 Mio. Euro) beteiligt. Die Gruppe entwickelt Elektrotechnikprodukte für Starkstromanwendungen. Das Bundeskartellamt muss dem M&A-Deal noch zustimmen, über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Transaktion wird aus Mitteln des Capiton-Fonds IV finanziert, zudem haben die Banken, die die Gruppe aktuell finanzieren, Akquisitionsdarlehen zur Verfügung gestellt.  Ein Team der Kanzlei CMS Hasche Sigle um Dr. Eva Annett Grigoleit und Dr. Jörg Zätzsch hat Capiton beim Kauf beraten.

Der Durchschnittliche Dealwert von M&A-Deals im Chemiesektor ist im dritten Quartal wieder gestiegen, wie die Analyse „Chemical Compounds“ von PwC ergeben hat. Im dritten Quartal zählten die Studienautoren im Chemiesektor 29 Deals mit einem Dealvalue von insgesamt 20,2 Mrd. US-Dollar. Der Durchschnittswert eines Deals lag damit bei 0,7 Mrd. Dollar Im Vorquartal hatte es zwar mit 38 Transaktionen deutlich mehr M&A-Deals gegeben, der durchschnittliche Transaktionswert lag allerdings nur bei 0,3 Mrd. Dollar. In die Statistik des dritten Quartals fließen auch zwei Transaktionen mit deutscher Beteiligung ein. Im Juli war Linde bei Lincare eingestiegen, im September hat BASF seine Zukaufspläne für Becker Underwood verkündet.

Ein Investorenkonsortium unter Führung von BGP Investment hat weitere Teile des Candlepower-Portfolios in Hannover an einen Fonds der PI Unternehmensgruppe und an die Krasemann Immobiliengruppe verkauft. Der M&A-Deal umfasst 261 Wohneinheiten. Feondor Asset Management war Transaktionsmanager für das Investorenkonsortium. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Beiersdorf wird zum 1. Januar seine türkische Tochtergesellschaft vollständig übernehmen. Bislang gehörten 50 Prozent des Unternehmens zur türkischen Eczacibasi Holding. Das Gemeinschaftsunternehmen wurde 1993 gegründet, die Kartellbehörden müssen noch zustimmen. Über finanzielle Details der Transaktion wurde nichts bekannt.
 
Das im Juni gegründete Beteiligungsunternehmen Hanse Vertriebspartner (HVP) hat in dieser Woche 50 Prozent an Verticus Finanzmanagement übernommen. Verticus ist auf Vertrieb im Markt für Gesundheitsvorsorge spezialisiert. Der Anteilskauf setzt sich aus dem Kauf von Aktien sowie einer zusätzlichen Kapitalerhöhung zusammen. HVP will ein börsenfähiges Netzwerk von Spezialisten für den Vertrieb von Finanzdienstleistungen entwickeln. Die Gesellschafterin HanseMerkur Holding hat dazu bereits die Beteiligungen Impuls Finanzmanagement, Care Concept und Tourvers an die HVP übertragen.

Die Württembergische Lebensversicherung hat das Fachmarktzentrum München-Pasing von der F&B Grundbesitz München I übernommen. QIM Projekt & Consult hat den M&A-Deal für den Verkäufer begleitet, ein Team von CMS Hasche Sigle um Lead Partner Dr. Volker Zerr hat die Württembergische Lebensversicherung beraten.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de