Der Aktivist Elliott fordert von Scout24 unter anderem den Verkauf von Autoscout24.

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05.08.19
Wirtschaft

Elliott stellt massive Forderungen an Scout24

Elliott setzt Scout24 unter Druck: Der Aktivist fordert den Verkauf von Autoscout24 sowie massive Aktienrückkäufe – und das „unverzüglich“.

Der Onlineportalbetreiber Scout24 sieht sich mit Forderungen durch den aktivistischen Investor Elliott konfrontiert: In einem heute veröffentlichten, rund sechsseitigen offenen Brief verlangt der Großaktionär vom Scout24-Management gewichtige Maßnahmen, die „unverzüglich“ ergriffen werden müssen, um das Wertschöpfungspotential der Plattform zu heben. Elliott ist mit 7,5 Prozent der größte Aktionär des Onlinebetreibers.

Das vergangene Jahr sei „von schlechtem Urteilsvermögen und unzulänglicher Kommunikation seitens Scout24 geprägt“ gewesen, schimpft der Investor – nun soll sich etwas ändern: Erstens soll Autoscout24 verkauft werden. Mit dieser Plattform erwirtschaftet Scout24 rund ein Drittel seines Umsatzes. Zweitens fordert der Aktivist, dass die Münchener ein „umfassenderes“ Aktienrückkaufprogramm einleiten als bisher geplant.

Elliott wettert gegen das Management, das Scout24 nach Meinung des Investors zu niedrig bewertet. Elliott habe im Rahmen einer Umfrage unter Branchenexperten und erfahrenen Investoren ermittelt, dass „der wahre Wert von Scout24 bei mehr als 65 Euro je Aktie liegt“. Aktuell notiert der Aktienkurs bei rund 50 Euro, damit bewertet der Markt das Unternehmen mit rund 5,4 Milliarden Euro.

Elliott verlangt Verkauf von Autoscout24

Dem Investor ist vor allem die bestehende Unternehmensstruktur ein Dorn im Auge, unter der auch die zwei großen Online-Plattformen Immobilienscout24 und Autoscout24 geführt werden. Elliott glaubt, dass Immobilienscout24 bereits alleine mehr als 5 Milliarden Euro wert sei, während Autoscout24 in der aktuellen Struktur zu kurz komme. Autoscout24 sei ein „wertvolles Asset“, an dem offenbar schon mehrere Strategen und Finanzinvestoren Interesse gezeigt haben sollen.

Dieses Interesse deutet dem Hedgefonds zufolge darauf hin, dass die Autovermittlungsplattform deutlich mehr wert sein könnte. Allerdings sei Scout24 „mit großer Sicherheit“ nicht derjenige Eigentümer, der den Wert von Autoscout24 maximieren dürfte, auch weil zwischen den beiden Geschäftsfeldern kaum Synergien bestehen würden. Elliott fordert das Management daher dazu auf, Autoscout24 zu verkaufen – der Hedgefonds glaubt, dass der Bereich bis zu 2,5 Milliarden Euro einbringen könnte.

Doch mit der Forderung einer Abspaltung ist Elliotts Standpauke noch nicht abgeschlossen: Der Hedgefonds kritisiert zudem die jüngsten strategischen Schritte des Managements. Damit zielt der Aktivist zum einen auf die gescheiterte Übernahme durch die beiden Private-Equity-Investoren Hellman & Friedman und Blackstone.

Das Scout24-Management hatte seinen Aktionären empfohlen, ihre Anteile zum Angebot von 46 Euro je Aktie anzudienen. Die Übernahme platzte, da zur Mindestannahmeschwelle von 30 Prozent 7,2 Prozent fehlten – Elliott zufolge ein deutliches Zeichen dafür, dass der Vorstand „die Einschätzung der Aktionäre zum Wert des Unternehmens völlig fehlinterpretiert hat“.

Elliott fordert ehrgeizigeres Aktienrückkaufprogramm

Zudem zeigt sich Elliott von dem für den September geplanten Aktienrückkaufprogramm verärgert. Die Münchener wollen Aktien im Wert von 300 Millionen Euro zu einem Preis von 49 Euro je Aktie zurückkaufen. Diesen Zug kritisiert Elliott als „weitere Enttäuschung“, die zwar eine „gewisse Vorwärtsdynamik suggerierte, allerdings jegliche Ambition vermissen ließ“.

Die Begründung: Mit dem geplanten Rückkauf würde Scout24 lediglich eine Nettoverschuldung des dreifachen Ebitda in Kauf nehmen – wohingegen bei der geplatzten PE-Übernahme ein Leverage von rund 8x Ebitda hingenommen worden wäre. Elliott warnt, dass „die Möglichkeit, Aktien mit dem aktuellen Abschlag auf den fairen Wert zurückzukaufen, so in Zukunft nicht mehr bestehen könnte“, weshalb der Investor vorschlägt, „unverzüglich“ ein „ehrgeizigeres“ Aktienrückkaufprogramm aufzulegen.

Elliott kritisiert Kommunikation mit Stakeholdern

Und es gibt noch einen dritten Punkt, bei dem sich Elliott unzufrieden zeigt: In der Kommunikation mit den Aktionären seien „große Versäumnisse“ aufgetreten, unter anderem habe Scout24 die Bestellung dreier neuer Aufsichtsratsmitglieder „nicht breit abgestimmt“. Für die Zukunft wünscht sich der Großaktionär daher, nicht mehr „von großen strategischen Ankündigungen und bedeutenden Führungswechseln überrascht“ zu werden und fordert vom Management, dass dieses die Einbindung der Aktionäre in Unternehmensentscheidungen nicht nur als „Pflichtübung“ sieht.

Scout24 hatte am 19. Juli eine „strategische Roadmap“ veröffentlicht. Kurz zuvor hatte sich Elliott laut eigener Aussage mit dem Management getroffen und seine Forderungen hervorgebracht, diese wurden aber offenbar nicht zur Zufriedenheit umgesetzt. Scout24 kündigte unter anderem an, die beiden Geschäftsfelder Immobilienscout24 und Autoscout24 stärken zu wollen, indem die Produkte des dritten Geschäftsfelds Consumer Services in die beiden integriert werden. In diesem Zuge stellte das Unternehmen auch die Kapitalerhöhung und Neubesetzung des Aufsichtsrats vor.

Scout24 geht nicht auf Elliott-Forderungen ein

Zu den aktuellen Vorwürfen hat Scout24 nun eine Stellungnahme veröffentlicht. Darin zeigen sich die Münchener unbeeindruckt: Man „begrüße und pflege einen offenen Dialog und aktiven Austausch mit allen Aktionären“ – darunter auch Elliott. Darüber hinaus hält das Unternehmen zu der anvisierten Strategie: „Wir haben umfassende Schritte angekündigt, die auf die Stärkung der beiden Kern-Geschäftsfelder, fortgesetztes Umsatzwachstum bei gleichzeitiger Steigerung der operativen Effizienz und eine Optimierung der Kapitalstruktur setzen.“

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Aktivisten wie Elliott greifen auch in Deutschland immer stärker durch. Wen sie im Visier haben, erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite aktivistische Investoren.