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M&A-Deals: Merck, Uniper, Bosch

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Mit dem Verkauf der Pigmentsparte will Merck das Kerngeschäft stärken. Dazu zählt auch der Zukauf von Unity-SC, dass in der Halbleiterindustrie tätig ist. Foto: Ricochet64 - stock.adobe.com
Mit dem Verkauf der Pigmentsparte will Merck das Kerngeschäft stärken. Dazu zählt auch der Zukauf von Unity-SC, dass in der Halbleiterindustrie tätig ist. Foto: Ricochet64 - stock.adobe.com

Doppel-Deal bei Merck

Nachdem das ausgerufene Übergangsjahr 2023 nun passé ist, kurbelt der Pharmakonzern das eigene M&A-Geschäft wieder an. Merck gab bekannt, dass sich der Konzern aus Darmstadt von seinem Pigmentgeschäft trennt. Das chinesische Unternehmen Global New Material International, einer der größten Hersteller von Perlglanzpigmenten, überweist insgesamt 665 Millionen Euro in Richtung Hessen.

Merck wollte sich schon länger vom Pigmentgeschäft trennen. Der Konzern löste die Pigmentsparte bereits 2022 aus dem Unternehmensgebilde aus und startete mit der Vorbereitung eines Verkaufs. Anfangs hoffte Merck noch auf 1 Milliarde Euro für die Geschäftssparte. Im vergangenen Jahr sollen die Preisvorstellungen laut Informationen des „Handelsblatts ” noch zwischen 750 und 850 Millionen Euro gelegen haben.

Jetzt muss sich das Unternehmen mit deutlich weniger zufrieden geben. Bevor das abgegebene Angebot zum Erwerb jedoch wirksam werden kann, muss, wie in Frankreich oft vorgegeben, eine formelle Konsultation mit dem Betriebsrat erfolgen.  Stimmt dieser zu, wird dem Deal jedoch nichts mehr im Wege stehen und die Kaufsumme wird Richtung Darmstadt wandern.

Das Geld wird Merck wohl auch gut für die geplante Übernahme von Unity-SC, einem Anbieter von Mess- und Prüfgeräten für die Halbleiterindustrie, gebrauchen können. Insgesamt 155 Millionen Euro will der Konzern für das Target bezahlen, hinzukommen sollen weitere leistungsabhängige Zahlungen. Unity-SC – mit Sitz in Montbonnot-Saint-Martin bei Grenoble in Frankreich – beschäftigt rund 160 Mitarbeiter.

Merck-CEO Belén Garijo betonte, dass die Übernahme das Portfolio von Merck im Halbleiterbereich erweitert und das Unternehmen besser an Wachstumschancen im Bereich Künstlicher Intelligenz teilhaben lässt. Die Sparte Electronics war zuletzt von einem Sparprogramm betroffen, das sich Merck auferlegt hatte. Beraten wurden die Darmstädter bei dem Deal von Clifford Chance.

Bund stellt weitere Weichen zur Uniper-Privatisierung

Beim von der Bundesregierung im Zuge der Energiekrise geretteten Energiekonzern Uniper werden offenbar weitere Weichen zur Privatisierung gestellt. So habe die Bundesregierung nach Informationen des Nachrichtendienstes Bloomberg die UBS und Roland Berger als Berater für einen möglichen Verkauf von Anteilen an Uniper ausgewählt.

Der Düsseldorfer Gaskonzern hat unterdessen die Kanzlei Linklaters als Rechtsberater für den möglichen Verkauf hinzugezogen. Bereits Anfang nächsten Jahres könnte eine Trennung von weiteren Uniper-Anteilen stattfinden, berichtet Bloomberg. Bis Ende 2028 muss der Bund seine Beteiligung auf maximal 25 Prozent reduzieren, diese Auflage hatte die EU-Kommission an die Rettungsbeihilfe gestellt. Aktuell hält der Bund rund 99 Prozent an Uniper, nur durch dieses politische Engagement konnte der Konzern als größter deutscher Abnehmer von russischem Gas im Zuge der Energiekrise vor der Insolvenz geschützt werden.

Bosch stemmt Milliarden-Deal aus eigener Tasche

Weitere M&A-Deals

Nachdem die Auffanglösung der Deutschen Lichtmiete im Juni gescheitert war, machte der Firmengründer Alexander Hahn mit seiner neuen Firma Light Now über die OAB Osnabrücker Anlagen- und Beteiligungs-AG, eine 40-prozentige Beteiligung der Light Now AG, ein Angebot zur Übernahme von Novalumen (ehemals Deutsche Lichtmiete). Dafür wollte er einen Kaufpreis von 14 Millionen Euro sowie einen Besserungsschein zugunsten der Masse in Höhe von 10 Millionen Euro auf den Tisch legen. Der aktuelle Eigentümer One Square lehnte das Kaufangebot allerdings aufgrund der finanziellen Aspekte ab. So sollte der Kaufpreis nicht in bar fließen, sondern hauptsächlich über ein Verkäuferdarlehen mit einer Laufzeit bis Ende 2030 bei null Prozent Verzinsung.

Der Mobilfunkkonzern Vodafone trennt sich von weiteren Teilen an Vantage Towers: Damit gehört der Düsseldorfer Funkmastenbetreiber Vantage Towers künftig Vodafone sowie den US-Finanzinvestoren KKR und Global Infrastructure Partners (GIP), die über ihr Übernahmevehikel Oak Holdings 1,3 Milliarden Euro für den Anteil an Vantage Towers bezahlen. Beide halten jeweils 50 Prozent an Oak Holdings, die wiederum 89,3 Prozent an Vantage Towers hält.

Vodafone hatte die Investoren 2022 an Bord geholt und Vantage Towers mit deren Hilfe von der Börse genommen. Linklaters hat Vodafone beim Verkauf eines weiteren Anteils beraten.

BASF trennt sich von seinem Flockungsmittelgeschäft für Bergbauanwendungen. Käufer ist Solenis, ein US-amerikanischer Hersteller von Spezialchemikalien mit Hauptsitz in Delaware. Der Leverkusener Chemieriese will sich stärker auf seine Kernbereiche fokussieren und treibt daher mit M&A-Aktivitäten eine Optimierung des Portfolios voran.

Der Deal soll im zweiten Halbjahr unter Dach und Fach gebracht werden. Das Flockungsmittelgeschäft von BASF umfasst unter anderem Produkte, die für die Trennung von Feststoffen und Flüssigkeiten sowie das Material-Handling in Bergbauanwendungen verwendet werden.

Das Consulting-Haus Accenture hat die Übernahme von Camelot Management Consultants aus Mannheim bekannt gegeben. Camelot ist ein internationales, SAP-fokussiertes Management- und Technologieberatungsunternehmen mit Fokus auf die Bereiche Supply Chain, Daten und Analytik mit einem Kundenfokus auf große und mittelständische Unternehmen aus der Chemie-, Pharma-, Konsumgüter- und Fertigungsindustrie.

Accenture erhofft sich durch den Zukauf den Ausbau seiner SAP- und KI-gestützten Supply-Chain-Fähigkeiten. Zudem sollen Kunden beim Aufbau intelligenter und widerstandsfähiger Lieferketten unterstützt werden, erklärt Accenture. Gleiss Lutz hat die Inhaberfamilie von Camelot bei diesem Deal beratend begleitet.

Der Zulieferer für die Lkw- und Trailer-Industrie SAF Holland hat angekündigt, den italienischen Hersteller von Achs- und Federungssystemen Assali Stefen zu kaufen. Die Firma aus Verona ist weltweit für die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb von fahrwerksbezogenen Komponenten für Anhänger und Sattelauflieger bekannt. Mit der Übernahme will SAF sein Produktportfolio bei Standard- und Spezialanwendungen ausbauen und die Branchenstellung in der Region EMEA sowie in Neuseeland verbessern.

Die Akquisition reiht sich strategisch in frühere Übernahmen ein. So hat SAF Holland erst jüngst Tecma, ebenfalls ein italienischer Hersteller von Spezialachssystemen, erworben und 2016 den Branchenkollegen KLL. Wie SAF betont, sollen im Zuge der Integration durch Cross-Selling sowie die Bündelung von Ressourcen Synergieeffekte realisiert werden.

M&A-Personalien

Laut Informationen der Nachrichtenagentur Reuters hat Goldman Sachs eine Handvoll Führungspositionen im Investmentbanking-Team neu besetzt. Dies gehe laut Reuters aus einem internen Memo hervor. Die Bank habe unter anderem den ehemaligen JP-Morgan-Banker Carsten Woehrn zum Co-Head of M&A in Europa und der EMEA-Region ernannt, um „unser europäisches Geschäft auszubauen und zu entwickeln“, heißt es in dem Memo. Außerdem sei Nimesh Khiroya zum Co-Head of M&A in EMEA ernannt worden.

Khiroya war zuvor Leiter des Bereichs Aktivismus und Aktionärsberatung in EMEA und Nordic-M&A. Zu guter Letzt wurde laut Memo Haidee Lee als globaler Co-Head of Sponsor M&A zurückgewonnen. Auch sie hatte einen beruflichen Abstecher zu JP Moran gemacht, war allerdings von 2018 bis 2021 bereits bei Goldman Sachs als Managing Partner tätig. Woehrn und Lee haben ihre neuen Positionen auf „Linkedin“ bereits bestätigt.

Der Pharmakonzern Cheplapharm hat seine Konzernspitze neu aufgestellt. Neben dem Weggang des COO Köhl haben die Greifswalder Artem Gevorkyan auf die neu geschaffene Position des Geschäftsführers Corporate Business Development berufen. Auf diesem Posten ist er unter anderem für die M&A-Strategie des Konzerns verantwortlich.

Die Akquisition von etablierten Medikamenten, so betont Gevorkyan, sei ein „wesentlicher Bestandteil der DNA von Cheplapharm“. CEO Edeltraud Lafer nennt den neuen Kollegen einen „ausgewiesenen Experten auf dem Gebiet der Mergers & Acquisitions in der Pharmabranche“.

M&A-Gerüchteküche

Ein weiteres Stückchen im Verkaufspuzzle von DB Schenker kommt zu Tage. So soll einer der bisherigen Interessenten, das staatliche Öltransportunternehmen Bahri aus Saudi-Arabien, das mit 15 Milliarden Euro das bisher höchste Gebot abgegeben hatte, aus dem Bieterrennen ausgeschieden sein, wie es aus Finanzkreisen heißt. Es hätte nur winzige Synergien zwischen Bahri und DB Schenker gegeben, heißt es in Finanzkreisen.

Noch im Rennen verbleiben nun also der dänische Logistikkonzern DSV und ein Konsortium um den Finanzinvestor CVC. Dem CVC-Konsortium wurde nachgesagt, mit 14 Milliarden Euro eines der bisher höchsten Gebote abgegeben zu haben. Nach Angaben aus Finanzkreisen bot DSV bisher mit 10 Milliarden Euro am wenigsten.

Info

Melanie Ehmann ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen am M&A- und Private-Equity-Markt. Sie hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Ehmann sechs Jahre in der Redaktion des Platow Verlags, zunächst als Volontärin, später als Wirtschaftsjournalistin im Platow Brief und den Sonderpublikationen.

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