Metro empfiehlt seinen Aktionären, die Kretinsky-Offerte abzulehnen.

Metro

24.07.19
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Metro hat Angst vor LBO

Metro lehnt das Übernahmeangebot des tschechischen Milliardärs vehement ab, bleibt klare Argumente dafür aber schuldig. Nun rückt die massive Verschuldung, die Metro im Fall einer Übernahme droht, in den Fokus.

Was sich bereits angedeutet hatte, ist seit heute offiziell: Das Metro-Management und der Aufsichtsrat haben gemeinsam beschlossen, ihren Aktionären zu empfehlen, das laufende Übernahmeangebot des tschechischen Unternehmers Daniel Kretinsky über 16 Euro je Stammaktie nicht anzunehmen. In den Mittelpunkt des Konflikts dringt immer stärker das Risiko der Leveraged-Buy-out (LBO)-Finanzierung, mit deren Hilfe Kretinsky sich die Macht bei Metro sichern möchte.

Droht Metro ein 6er-Leverage?

Der Angebotsunterlage der Bietergesellschaft von Kretinsky und seinem Geschäftspartner Patrik Tkac ist zu entnehmen, dass die Transaktion lediglich mit 2 Milliarden Euro Eigen-, aber 3,8 Milliarden Euro Fremdkapital finanziert werden soll. Wie Metro-Chef Koch heute vor Journalisten sagte, „beschäftigt“ diese Finanzierungsstruktur das Management.

Nicht ohne Grund: Sollte Kretinsky diese 3,8 Milliarden Euro Schulden Metro aufbürden, käme mit der bilanziellen Nettoverschuldung des Handelsriesen von derzeit 3,4 Milliarden Euro ein Schuldenberg von 7,2 Milliarden Euro auf das Handelsunternehmen zu. Dies entspräche dem Sechsfachen des für dieses Jahr geplanten operativen Gewinns (Ebitda), der allerdings regelmäßig noch um Gewinne aus dem Immobiliengeschäft im niedrigen dreistelligen Millionenbereich erhöht wird. Ein derart hoher Leverage hätte deutliche Negativauswirkungen auf die Bonität von Metro. S&P hat das Metro-Rating wegen der Kretinsky-Offerte bereits auf „watch negative“ gestellt.

Koch geht aber noch weiter und sieht die gesamte Unternehmensstrategie durch Kretinskys Finanzierungsplan gefährdet: „Sollte Metro sich nur noch um Zinszahlungen und Schuldenabführung kümmern müssen, ist der Sinn des Unternehmens nicht erfüllt. Zudem macht eine solche Finanzierungsstruktur ein Credit-Rating nicht nur schwierig, sondern im Grunde obsolet.“

Metro liefert wenig Argumente

Die Risiken eines LBOs sind vor allem in den Fokus gerückt, da die weiteren Argumente, die die Metro-Führung am heutigen Donnerstag für die vermeintliche „erhebliche Unterbewertung“ durch das Übernahmeangebot ins Felde führte, wenig Substanz haben. Manche Investoren und Analysten hatten gehofft, dass Koch und CFO Christian Baier einen klaren Plan präsentieren würden, wie sie in den nächsten Jahr mehr Wertpotential heben wollen, als die Übernahmeofferte reflektiert. Doch solche Details blieb Metro schuldig. Entsprechend sinkt die Aktie heute auch erstmals nennenswert unter die gebotenen 16 Euro – zur Mittagszeit schwankte das Papier um 15,50 Euro.

Letztlich nannte Koch in erster Linie andere Bezugsgrößen als Kretinsky, die belegen sollen, dass die gebotene Kontrollprämie zu niedrig sei. Desweiteren würden die eingeleiteten Wachstumsinitiativen in der Zukunft Früchte tragen, versprach der frühere CFO, der 2012 an die Vorstandsspitze gerückt war.

Aber noch ist davon wenig zu sehen. Die ebenfalls heute genau erläuterten Quartalszahlen fielen im Großen und Ganzen wie erwartet aus. Im gesamten Geschäftsjahr, das im September endet, sollen Umsatz und Gewinn ähnlich beziehungsweise leicht schwächer als im Vorjahr ausfallen. Ursache dafür, dass die höheren Zuwachsraten im Geschäft mit der Belieferung von Hotels und Restaurants nicht stärker durchschlagen, ist, dass Metro der Turnaround in Russland noch immer nicht geglückt ist. In den ersten drei Quartalen ging das in Russland – dem größten Einzelmarkt des Konzerns – erwirtschaftete Ebitda um rund ein Viertel zurück.

Koch muss Beisheim und Meridian überzeugen

Die Crux der Metro-Führung lässt sich auf einen Punkt bringen: Sollte Kretinsky trotz der Vagheit von Metros Zukunftsversprechen sein Angebot erhöhen, würde dies die künftige Zins- und Schuldenlast des Handelsriesen vermutlich sogar noch weiter in die Höhe treiben. Nur wenn die Großaktionäre Meridian und Beisheim, die zusammen über 20 Prozent halten, der Einschätzung der Metro-Führung folgen, wonach 16 Euro je Stammaktie zu wenig sind, hätte Koch eine Chance, die drohende Übernahme durch Kretinsky und Tkac noch zu verhindern.

Dem Kretinsky-Lager sind die beiden Großaktionäre noch nicht zuzuordnen. Indiz: Nach Angaben von Metro hat sich auch der Aufsichtsrat einstimmig hinter die Zurückweisung der Übernahmeofferte gestellt. In dem Gremium sitzen auch Vertreter von Beisheim und Meridian.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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