Nestlé-CEO Mark Schneider und CFO François-Xavier Roger treiben den Umbau voran. Der Lebensmittelkonzern will sich von seiner Hautgesundheitssparte trennen.

Flickr/Nestlé

16.05.19
Deals

Nestlé bastelt am nächsten Milliardendeal

Der Finanzinvestor EQT und der Staatfonds von Abu Dhabi wollen die Hautgesundheitssparte von Nestlé kaufen. Der Lebensmittelriese steckt mitten in einem großen Umbau.

Der Lebensmittelriese Nestlé treibt seinen Konzernumbau weiter voran. Wie die Schweizer mitteilen, habe man Käufer für die Hautgesundheitssparte namens „Skin Health“ gefunden.

Demnach verhandelt Nestlé mit dem schwedischen Private-Equity-Investor EQT und dem Staatsfonds von Abu Dhabi (Adia) exklusiv über den Verkauf der Sparte, für die der Konzern bereits seit über einem halben Jahr nach einem Käufer sucht. Das Segment für die Hautgesundheit wird der Mitteilung zufolge mit rund 10,2 Milliarden Franken bewertet, was etwas mehr als 9 Milliarden Euro entspricht.

Nestlé-Sparte zieht Finanzinvestoren an

Für die Sparte „Skin Health“ arbeiten fast 5.000 Mitarbeiter, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von 2,8 Milliarden Schweizer Franken erwirtschaftet haben. Das ist aber nur ein Bruchteil des Gesamtumsatzes des Konzerns von 91 Milliarden Schweizer Franken im Jahr 2018. Die Sparte verkauft verschreibungspflichtige Präparate und ästhetische Hautprodukte, wozu etwa die Marken „Galderma“ oder „Cetaphil“ gehören.

Nestlé hatte den Bereich im vergangenen September ins Schaufenster gestellt. Beobachter rechneten damals mit einem hohen Interesse seitens Finanzinvestoren, etwa von Advent und Cinven, Partners Group, Blackstone, CVC, KKR oder Carlyle. Nun scheint das schwedische PE-Haus EQT gemeinsam mit dem Staatfonds Adia das Rennen gemacht zu haben.

Der M&A-Deal ist aber noch nicht in trockenen Tüchern: Nestlé muss noch das Konsultationsverfahren mit den Mitarbeitern abschließen und die Genehmigung der Behörden einholen. Die Transaktion soll in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen werden, heißt es. Was der Lebensmittelkonzern mit den Erlösen plant und wie genau die Kapitalstruktur aussehen soll, will Nestlé erst nach Abschluss des Deals bekannt geben.

Nestlé hatte die Hautgesundheitssparte im vergangenen September ins Schaufenster gestellt

Nestlé mit mehreren Milliarden-Verkäufen

Mit dem Verkauf der Hautgesundheitssparte bastelt Nestlé am nächsten milliardenschweren Deal. Erst im vergangenen Jahr hatte der Konsumgüterriese vom Genfersee sein US-Süßigkeitengeschäft für 2,8 Milliarden Franken an Ferrero abgegeben. Ebenfalls 2018 hat Nestlé seine US-Tochter Gerber Life Insurance an den Finanzdienstleister Western & Southern veräußert, zu einem Kaufpreis von damals 1,3 Milliarden Euro (1,6 Milliarden Schweizer Franken).

Nestlé-Chef Mark Schneider forciert die umtriebige M&A-Agenda: Er will bis 2020 wieder frühere Wachstumsraten von 5 Prozent erreichen. Dafür will er in vielversprechenden Bereichen zukaufen, während er wachstumsschwächere Segmente abstößt.

Druck kommt aber auch von außen: Der aktivistische Investor Third Point, der im Sommer 2017 eingestiegen ist, hat von Nestlé zuletzt immer wieder eine konsequentere M&A-Strategie gefordert. Der Aktivist zielt vor allem auf den Verkauf von Teilen der Lebensmittelsparte Herta ab. Marktexperten zufolge könnte eine solche Transaktion noch einmal etwa eine halbe Milliarde Franken in die Kassen der Schweizer spülen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de