Kein Börsengang und kein Verkauf eines Minderheitsanteils. Hymer hat nach monatelangen Gesprächen im Zuge eines Megadeals die Mehrheit an Thor Industries abgetreten.

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21.09.18
Deals

M&A-Deals: Hymer, Bertelsmann, Nestlé

Hymer wird in einem Milliardendeal von Thor Industries übernommen, Bertelsmann kauft in den USA zu und findet eine Lösung für Arvato und Nestlé treibt mit einem Spartenverkauf den Konzernumbau voran. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Thor Industries kauft Hymer für 2,1 Milliarden Euro

Der Caravan-Hersteller Hymer ist an den US-Rivalen Thor Industries verkauft worden. Wie die US-Amerikaner am Dienstag mitteilten, zahlen sie rund 2,1 Milliarden Euro für den schwäbischen Wohnmobilhersteller. Die bisherigen Hymer-Gesellschafter erhalten davon rund 200 Millionen Euro in Form von Thor-Aktien, wodurch sie künftig immer noch rund 5 Prozent der Anteile kontrollieren werden. Der Abschluss der Transaktion wird für das Jahresende erwartet.

Thor wurde bei dem M&A-Deal von Baker McKenzie (Federführung: Emery Mitchell und Thorsten Seidel), JP Morgan, Barclays und Ernst & Young beraten. Hymer wurde von Hengeler Mueller (Federführung: Hans-Jörg Ziegenhain und Daniel Möritz) als Rechtsberater und von Macquarie Capital als Financial Advisor unterstützt.

Seit März prüfte Hymer eine Reihe von Zukunftsoptionen für das Familienunternehmen. Seitdemwar unter anderem auch von einem möglichen Börsengang die Rede, in dessen Zuge Hymer einen Minderheitsanteil hätte abgeben können. Anfang September meldete das Unternehmen schließlich die Bereitschaft auch die Mehrheit verkaufen zu wollen. Neben Thor war offenbar auch der Finanzinvestor Centerbridge an einer Übernahme interessiert.  

Bertelsmann kauft zu und findet Lösung für Arvato

Der Medienkonzern Bertelsmann übernimmt den US-Online-Bildungsanbieter Oncourse Learning von der Private-Equity-Gesellschaft CIP Capital. Der Kaufpreis liegt im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, teilte Bertelsmann mit. Der M&A-Deal soll noch im Herbst dieses Jahres von den Kartellbehörden genehmigt werden und gehört eigenen Angaben zufolge zu den größten Transaktionen des Gütersloher Konzerns auf dem US-amerikanischen Markt. Nach Abschluss der Übernahme soll der Bereich Gesundheitswesen von Oncourse Learning in die Bertelsmann-Tochter Relias integriert werden.

Neben der Oncourse-Übernahme hat Bertelsmann auch eine Lösung für seine Call-Center-Sparte Arvato gefunden. Wie der Konzern mitteilte, wird Arvato in ein Joint Venture mit dem marokkanischen Konzern Saham eingebracht. Das fusionierte Unternehmen beider weltweiten Customer-Relationship-Management-Geschäfte wird eigenen Angaben zufolge mit rund 48.000 Mitarbeitern in 25 Ländern einen Umsatz von rund 1,2 Milliarden Euro erwirtschaften. Beide Partner sollen jeweils 50 Prozent der Anteile an dem neuen Unternehmen halten. Der Abschluss der Transaktion wird für Januar 2019 erwartet. Bei dem Deal wird Bertelsmann von der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer (Federführung: Gregor von Bonin und Klaus Beucher) unterstützt.

Nestlé trennt sich von US-Tochter Gerber Life Insurance

Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé treibt seinen Umbau weiter voran und verkauft seine US-Tochter Gerber Life Insurance an den Finanzdienstleister Western & Southern mit Sitz in Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio. Der Kaufpreis für das Lebensversicherungsgeschäft beläuft sich auf 1,55 Milliarden Dollar (rund 1,33 Milliarden Euro), teilte Nestlé mit. Im Februar hatten die Schweizer angekündigt, strategische Optionen für die im Jahr 2007 übernommene Gerber Life zu prüfen. Nach Angaben von Nestlé erzielte die Tochter im vergangenen Jahr einen Umsatz von 856 Millionen Dollar. Die Transaktion soll bis Ende 2018 oder Anfang 2019 abgeschlossen sein.

PE-Investor CMP kauft Bavaria Yachtbau

Der insolvente Yachtbauer Bavaria hat einen Käufer gefunden. Der Private-Equity-Investor CMP Capital Management Partners will den fränkischen Konzern übernehmen, teilte ein Sprecher des Geschäftsführers Tobias Brinkmann mit. Einen Kaufpreis geben die Unternehmen nicht bekannt. Zuletzt soll Bavaria Branchenkennern zufolge in etwa mit einem zweistelligen Millionenbetrag bewertet worden sein. Die Übernahme beinhaltet auch die Werft in Giebelstadt und die französische Tochtergesellschaft Bavaria Catamarans sowie alle 800 Mitarbeiter. Die Kartellbehörden müssen dem Deal noch zustimmen. CMP wurde bei der Transaktion von Latham & Watkins (Federführung: Nils Röver) beraten. Bavaria hatte im April nach mehreren Verlustjahren in Folge Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt

Großaktionär Sabic treibt Umbau von Clariant voran

Kurz nach dem Einstieg des saudischen Unternehmens Sabic bei dem Schweizer Chemiekonzern Clariant leitet der Großaktionär einige Veränderungen ein. So soll Clariants Geschäft mit Additiven und hochwertigen Masterbatches mit Teilen des Spezialchemiegeschäfts von Sabic zusammengelegt werden, gaben die beiden Unternehmen bekannt. Clariant soll künftig die Mehrheit an dem Joint Venture halten. Zudem werden die Schweizer die Sparte Plastics & Coatings aufspalten und das daraus verbleibende Geschäft bis 2020 verkaufen. Durch den Verkauf und die Gründung der neuen Einheit erwartet der Chemiekonzern bis 2021 einen Umsatzanstieg von 2,6 Milliarden Schweizer Franken.   

Linde kommt bei Fusion mit Praxair offenbar voran

Der Industriegasehersteller Linde rückt der geplanten Fusion mit dem US-Wettbewerber Praxair offenbar näher. Einem Insider zufolge wollen die Münchener zusätzliche Firmenteile in den USA im Wert von rund 200 Millionen Dollar an das Bündnis bestehend aus dem Konkurrenten Messer und dem Finanzinvestor CVC verkaufen, berichtet die Nachrichtenagentur „Reuters“. Dadurch wolle Linde die Chancen auf eine Genehmigung der Fusion von der US-Behörde Federal Trade Commission (FTC) erhöhen. Diese hatte zuletzt überraschend weitere Zugeständnisse von den beiden Konzernen gefordert. Für den Verkauf einer Anlage in Texas will die FTC Linde dem Insider zufolge mehr Zeit geben. Die Behörden aus Indien und China sowie die EU-Kommission haben dem Zusammenschluss bereits zugestimmt. Der Deal muss bis spätestens 24. Oktober abgeschlossen sein. 

Daniel Kretinsky kauft Metro-Anteile von Ceconomy

Der tschechische Investor Daniel Kretinsky und der slowakische Geschäftsmann Patrik Tkac haben sich über ihr Vehikel EP Global Commerce II (EPGC) weitere Metro-Anteile gesichert. Wie die Unternehmen mitteilten, übernimmt EPGC zunächst 3,6 Prozent eines Aktienpakets, das von Ceconomy gehalten wird. Für weitere 5,9 Prozent besitzt EPGC eine Kaufoption, die voraussichtlich in den kommenden neun Monaten gezogen werden soll. Ceconomy wäre dann nur noch mit 1 Prozent an Metro beteiligt. Der Kaufpreis soll bei rund 450 Millionen Euro liegen. EPGC wurde bei der Transaktion von Kirkland & Ellis (Federführung: Benjamin Leyendecker und Achim Herfs) beraten. Ceconomy wurde von Latham & Watkins unterstützt.

EPGC hatte sich bereits Ende August zum neuen Metro-Großaktionär aufgeschwungen, als Kretinsky über sein Vehikel 7,3 Prozent von der Unternehmerfamilie Haniel übernahm. Er besitzt zudem eine Call-Option auf weitere 15,2 Prozent.

Weitere Meldungen

Der Private-Equity-Investor EMH Partners ist bei dem Medizintechnikanbieter Brainlab eingestiegen. Die Beteiligungshöhe und den Kaufpreis geben die beiden Unternehmen nicht bekannt. Laut Pressemitteilung soll es sich um eine zweistellige Minderheitsbeteiligung handeln. Ob die Aktien von bestehenden Gesellschaftern oder im Rahmen einer Kapitalerhöhung erworben wurden, kommentierte EMH nicht. Eigenen Angaben zufolge erwirtschaftete Brainlab im Geschäftsjahr 2017 einen Umsatz von 275 Millionen Euro. Für EMH ist die Beteiligung an dem Münchener Medizintechniker das fünfte Investment.

Der Pharma- und Agrochemiekonzern Bayer will offenbar seine Beteiligung an dem Chemieparkbetreiber Currenta veräußern. Wie die Nachrichtenagentur „Reuters“ unter Berufung auf Insiderinformationen berichtet, stehe der Leverkusener Konzern mit mehreren Beteiligungsgesellschaften über den Verkauf seines 60-prozentigen Anteils in Kontakt. Verhandlungen über einen Verkauf mit der ehemaligen Kunststofftochter Covestro waren zuletzt gescheitert. Currenta könnte bei einem möglichen Deal mit mehr als 1 Milliarde Euro, womöglich sogar mit mehr als 2 Milliarden Euro bewertet werden, sagte ein anderer Insider. Die restlichen 40 Prozent an Currenta hält der Spezialchemiekonzern Lanxess.

Die Berenberg-Bank verkauft ihre Schweizer Tochter an ein Unternehmerkonsortium. Zu den neuen Aktionären zählen Adrian und Andreas Keller, die den Schweizer Dienstleistungs- und Handelskonzern DKSH kontrollieren, sowie Michael Pieper und Claus-G. Budelmann. Gemeinsam halten sie rund 80 Prozent der Aktien. Die Berenberg-Bank kommt nach Abschluss des M&A-Deals noch auf einen Minderheitsanteil von knapp 20 Prozent.

Die Anwaltskanzlei KPMG Law erwirbt das Frankfurter Beratungshaus Otto Henning und baut damit seine Beratungssparte weiter aus. Laut eigenen Angaben ist Otto Henning auf Strategie- und Organisationsberatung für Rechts- und Compliance-Abteilungen sowie Kanzleien spezialisiert. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt.

Der Wohnimmobilienentwickler Consus Real Estate hat das auf die Digitalisierung von Planungs- und Bauprozessen spezialisierte Unternehmen Diplan übernommen. Consus hatte bereits in der Vergangenheit eng mit dem 2016 gegründeten Proptech-Unternehmen zusammengearbeitet. Details zum Kaufpreis geben die Unternehmen nicht bekannt.

Syngroh Capital, eine Beteiligungsgesellschaft der Familie Klaus Grohe, hat sich mit 35 Prozent an dem Hamburger Gebäude- und Filialtechnik-Dienstleister KMLS beteiligt. Darüber hinaus haben die beiden Unternehmen vertragliche Optionen für einen Mehrheitserwerb über einen Zeitraum von drei Jahren getroffen. Eigenen Angaben zufolge erwirtschaftet KMLS mit mehr als 200 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 20 Millionen Euro. Syngroh Capital wurde bei dem Deal von Baker McKenzie beraten.

Der Elektronikhersteller Paragon hat mit 82 Prozent die Mehrheit an Semvox, einem Anbieter von Spracherkennungssoftware, übernommen. Wie die Unternehmen mitteilten, beläuft sich der Kaufpreis auf 16,4 Millionen Euro. Semvox wurde bei der Transaktion von der Wirtschaftskanzlei CMS (Federführung: Maximilian Grub) und der M&A-Beratung IMAP unterstützt.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.