Milliardenübernahme in der Pharmabranche: Der Schweizer Pharmakonzern Novartis will das deutsche Biotechunternehmen Morphosys übernehmen. Dafür legen die Schweizer rund 2,7 Milliarden Euro auf den Tisch. Die Basler bieten 68 Euro je Aktie, wie beide Parteien mitteilten. Die Übernahme steht Novartis zufolge noch unter dem Vorbehalt der behördlichen Genehmigungen, die Mindestannahmeschwelle liegt bei 65 Prozent. Novartis will die Transaktion noch im ersten Halbjahr 2024 abschließen. Anschließend plant der Pharmariese, Morphosys von der Börse zu nehmen.
Hohe Prämie für Morphosys-Aktionäre
Der Angebotspreis entspricht einer Prämie von 94 Prozent auf den Durchschnittskurs des letzten Monats vor dem 25. Januar, teilt Morphosys in einer Mitteilung mit. An diesem Tag hatte die Nachrichtenagentur Reuters über mögliche Übernahmegespräche zwischen den beiden Konzernen berichtet. Auf Basis des Dreimonatsdurchschnitts vor den ersten M&A-Spekulationen beträgt die Prämie sogar 142 Prozent.
Die Aktien des MDax-Konzerns Morphosys stiegen am gestrigen Montag, als Reuters erneut über die geplante Transaktion berichtet hatte, zwischenzeitlich auf knapp 58 Euro. Auf die offizielle Bestätigung der Transaktion reagierte der Markt erneut positiv: Im Vergleich zum Vortagshoch stieg der Kurs am heutigen Dienstagvormittag erneut um knapp 14 Prozent auf etwa 66 Euro pro Aktie – womit der Kurs an dem Angebot von Novartis kratzt.
Morphosys wurde 1992 in Martinsried in der Nähe von München gegründet. Sieben Jahre später ging das Pharmaunternehmen an die Börse. Seit 2018 sind die Bayern zudem an der US-Technologiebörse Nasdaq gelistet. Bei dem Übernahmeangebot fungiert Centerview Partners als primärer Finanzberater. Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom ist Rechtsberater von Morphosys.
Hoffnung auf dem Krebsmedikament Pelabresib
Mit der Übernahme von Morphosys will Novartis mit dem Medikament Pelabresib das Angebot auf dem Gebiet der Krebstherapien stärken. Das Medikament gegen die seltene bösartige Knochenmarkserkrankung Myelofibrose soll bald auf den Markt gehen.
„Novartis verfügt über umfangreiche Ressourcen, die uns als eigenständiges Biotech-Unternehmen derzeit nicht zur Verfügung stehen, um die Entwicklungsmöglichkeiten von Pelabresib zu beschleunigen und das Vermarktungspotenzial schneller und in größerem Umfang ausschöpfen zu können“, kommentiert Jean-Paul Kress, Vorstandsvorsitzender von Morphosys, den Deal.
Die Schweizer Bank UBS prognostiziert für das neue Medikament Pelabresib in der Spitze einen Umsatz von 1 Milliarde Euro. Mit Hilfe von Novartis soll der kommerziellen Vermarktung noch einmal ein Anstoß gegeben werden. Analysten zufolge ist der Schweizer Konzern gut positioniert, um die Nachfrage bei den Ärzten zu bedienen, zudem solle er den Zulassungsweg gut verstehen. Bisher hatte das Medikament lediglich für hohe Forschungskosten bei Morphosys gesorgt und die Geduld der Aktionäre auf den Prüfstand gestellt. Die UBS erwartet jedoch trotz nicht komplett überzeugender Forschungsergebnisse eine Zulassung von Pelabresib.
Morphosys verkauft Rechte an Blutkrebsmedikament
Daneben will der MDax-Konzern zudem alle weltweiten Rechte an dem Blutkrebsmedikament Tafasitamab (Monjuvi) an das US-amerikanische Pharmaunternehmen Incyte verkaufen. Der Kaufpreis der Exklusivrechte für die globale Vermarktung beträgt 25 Millionen US-Dollar. Derzeit arbeiten Morphosys und Incyte gemeinsam an der Entwicklung und Vermarktung des Medikaments. Das Management und der Aufsichtsrat von Morphosys haben beiden Transaktionen einstimmig zugestimmt und wollen den Aktionären die Annahme des Novartis-Angebots empfehlen.
Die Deals kommen für Morphosys zur richtigen Zeit, denn sie verschaffen dem Unternehmen zumindest einen kurzzeitigen Aufwind am Kapitalmarkt – trotz Umsatzrückgangs: Im dritten Quartal 2023 verzeichnete das Unternehmen einen Umsatzeinbruch von rund einem Drittel auf 63,8 Millionen Euro (2022: 95,8 Millionen Euro). Die Ergebnisse des abgelaufenen Geschäftsjahres will das Unternehmen Mitte März vorstellen.
Jasmin Rehne ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die Themen Gehalt und Personal. Zudem ist sie Moderatorin bei FINANCE TV. Sie hat in Marburg Sprache und Kommunikation studiert. Neben ihrem Studium arbeitete Jasmin Rehne bereits als studentische Hilfskraft bei FINANCE.
