Heute morgen gab die Osram-Führung ihr offizielles Plazet zum Übernahmeangebot von Ams. Diese senkten ihrerseits die Mindestannahmeschwelle auf 62,5 Prozent.

Osram

16.09.19
Deals

Osram ringt sich ein Ja zur AMS-Offerte ab

Osram hat sich zu einer Empfehlung des Übernahmeangebots von AMS durchgerungen. Dessen Chancen wachsen auch deshalb, weil sich das AMS-Management zu einer wichtigen Änderung durchgerungen hat.

Der österreichische Chiphersteller AMS kommt mit seinen umstrittenen Übernahmeplänen bei dem Münchener Lichtkonzern Osram voran: Der Osram-Vorstand sowie „mehrheitlich auch der Aufsichtsrat“ empfehlen den Aktionären, das Angebot des Sensorunternehmens aus Graz anzunehmen. Lediglich die Arbeitnehmervertreter der IG Metall in Osrams Aufsichtsrat lehnen das Angebot ab.

Ausschlaggebend für das „Ja“ sei die finanzielle Attraktivität der Offerte, die höher zu gewichten sei als die Kritikpunkte, argumentiert Osram. AMS hatte ein Angebot von 38,50 Euro je Osram-Aktie abgegeben. Damit überboten die Österreicher das frühere Angebot der Private-Equity-Häuser Bain und Carlyle, die 35 Euro je Aktie bieten. Beide Angebote laufen bis zum 1. Oktober.

Osram-Führung sieht Integration durch AMS kritisch

Allerdings haben sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat von Osram noch immer Bedenken bezüglich der Pläne von AMS, wie es in der Mitteilung heißt. Es gebe noch eine ganze Reihe offener Fragen, etwa zu der weiteren Strategie der Unternehmen, zu verschiedenen Standortfragen und auch zum möglichen Synergiepotential. Die Refinanzierung der 4,2 Milliarden Euro schweren Brückenfinanzierung sei ebenfalls mit Risiken verbunden.

Ein Knackpunkt ist auch die Frage der Post Merger Integration. Hier sehen der Vorstand und der Aufsichtsrat ein Risiko, da AMS nur wenig Erfahrung mit der Post Merger Integration so großer und komplexer Unternehmen wie Osram habe. Es sei zentral, dass ein gemeinsames Integrationsteam aus Personen beider Unternehmen berufen werde.

Osram-Arbeitnehmervertreter lehnen AMS-Pläne ab

Trotz all dieser Einwände betrachtet Osram die Strategie von AMS als „in vielerlei Hinsicht vielversprechend“, insbesondere die Pläne von AMS zur Entwicklung des Geschäftsbereichs Opto Semiconductors. Ein Zusammenschluss mit den Österreichern ermögliche Weiterentwicklungen bei Sensor- und Photoniklösungen, heißt es.

FINANCE-Köpfe

Ingo Bank, Osram Licht AG

Ingo Bank beginnt seine Karriere 1995 bei Philips in der Hamburger Niederlassung im Bereich Audit. Schnell zieht es den Manager in die niederländische Zentrale, wo er in der M&A-Abteilung arbeitet. Später folgen Stationen als CFO einzelner Geschäftsbereiche im japanischen Kobe und in Hongkong, wo er das Geschäft mit Flüssigkristallanzeigen (LCD) in der Region für den Konzern aufbaut.

Von 2005 bis 2009 ist Bank als Finanzchef zweier Geschäftseinheiten beim direkten Osram-Konkurrenten Philips Lighting in Eindhoven aktiv, der Lichttochter des Elektronikkonzerns. Nach einer Zwischenstation im Audit zieht es den Manager 2011 in die Vereinigten Staaten, wo er als Finanzchef für Philips Healthcare arbeitet.

2013 verlässt Bank den niederländischen Philips-Konzern nach fast 20 Jahren und wird CFO des US-amerikanischen Pharmadienstleisters Parexel. Im September 2016 tritt er die Position des Finanzvorstands bei dem Münchener Lichtkonzern Osram an.

zum Profil

Dass AMS gerade an diesen Sparten interessiert ist und sich – anders als Bain und Carlyle – von anderen Bereichen trennen will, ist für die Arbeitnehmervertreter ein Problem. Sie befürchten einen Stellenabbau. AMS will den Geschäftsbereich Digital verkaufen. Nach Einschätzung des Konzernbetriebsrats von Osram sei außerdem mit dem Ausstieg aus dem Consumer General Lighting LED-Geschäft zu rechnen.

AMS senkt Mindestannahmeschwelle

Während Osram den Österreichern mit der Kaufempfehlung entgegenkommt, justiert auch AMS einen Hebel neu, um die Übernahme gelingen zu lassen: Am heutigen Montagmorgen teilte das Premstätter Unternehmen mit, die Mindestannahmeschwelle von 70 auf 62,5 Prozent zu senken, „um den erfolgreichen Abschluss zu beschleunigen“. Die hohe Mindestannahmeschwelle von 70 Prozent galt bislang als gefährlicher potentieller Deal-Breaker.

Damit ist der Druck auf die PE-Investoren Bain und Carlyle nun noch einmal gestiegen. Ihr Angebot liegt nun nicht nur rund 300 Millionen Euro unter dem von AMS, sondern enthält nach wie vor die Annahmeschwelle von 70 Prozent. Ob die Private-Equity-Häuser noch einmal eine Anpassung vornehmen wollen oder dürfen, ist offen.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de