Im Metro-Übernahmekampf ist nun klar: Die drei Großaktionäre Kretinsky, Beisheim und Meridian kommen auf keinen grünen Zweig.

Metro

06.08.19
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Pattsituation bei Metro

Die Gespräche zwischen Metro-Bieter Daniel Kretinsky und den beiden anderen Großaktionären sind gescheitert. Nun droht die Übernahme durch den Milliardär zu platzen. Der Handelskonzern steuert auf unruhige Zeiten zu.

Versöhnlich im Ton, aber hart in der Sache: Die Gespräche zwischen Daniel Kretinsky, der Metro übernehmen will, und den zwei weiteren Großaktionären des Düsseldorfer Handelsriesen sind gescheitert. Das geht aus einer Mitteilung von Kretinskys Investmentvehikel EPGC hervor.

Man habe „offene und konstruktive Gespräche“ mit der Meridian Stiftung und der Beisheim Holding über eine „mögliche Unterstützung des Übernahmeangebots“ geführt und hierfür „verschiedene Möglichkeiten sondiert“, vermeldete EPGC am gestrigen Abend. Wegen „unterschiedlicher Ansichten“ über die Bewertung von Metro gebe es aber „leider keine gemeinsame Grundlage für eine Vereinbarung zur Unterstützung des Angebots“.

Weil die Berliner Stiftung und die Holding der Unternehmerfamilie Beisheim zusammen knapp 21 Prozent an Metro halten, ist das ein schwerer Dämpfer für Kretinskys Hoffnungen, mit seinem noch bis morgen laufenden Übernahmeangebot die Mindestannahmeschwelle von 67,5 Prozent zu erreichen.

Kretinsky lobt die Atmosphäre der Gespräche

Allerdings scheint das Tischtuch zwischen den beiden Aktionärsgruppen nicht zerschnitten zu sein. Kretinsky lobte „die Art und Weise sowie die Atmosphäre“ der Gespräche und bedauert deren Ausgang. Ob es jedoch auch langfristig bei dieser guten Atmosphäre bleibt, ist zweifelhaft.

Schließlich prallen bei Kretinsky sowie Meridian und Beisheim, die Metro unterstützen, zwei grundlegend unterschiedliche Auffassungen über den Wert von Metro sowie die langfristige Unternehmensstrategie aufeinander. Während das Metro-Management – unterstützt von Beisheim und Meridian – ein langfristiges, nachhaltiges Wachstum des Konzerns anstrebt, will der tschechische Investor hart durchgreifen und den Handelsriesen im gleichen Zuge massiv verschulden, um die seit langem schwache Eigenkapitalrendite des Konzerns zu steigern.

Auch scheinen die Wertvorstellungen weiter auseinander zu ragen, als die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitagnachmittag berichtet hatte. Deren Bericht, Kretinsky könnte sein Gebot von 16 auf 17 Euro je Stammaktie aufstocken, um das Plazet der Mitaktionäre zu erhalten, hatte der Metro-Aktie Rückenwind verliehen. Aber nun scheint klar zu sein, dass eine marginale Aufstockung des Angebots nicht genug sein dürfte, um Kretinsky sowie Beisheim und Meridian auf eine Linie zu bringen. Kretinsky hat stattdessen klargestellt, dass er weder den Angebotspreis noch die Mindestannahmeschwelle verändern werde.

Beide Metro-Großaktionäre wollen mehr

Das Scheitern der Verhandlungen macht es unwahrscheinlich, dass Kretinsky zu den 36,5 Prozent der Aktien, auf die er im Moment Zugriff hat, noch die fehlenden 31 Prozent hinzugewinnen kann. Sollte das Übernahmeangebot die Mindestannahmeschwelle verfehlen, würde Kretinsky bei knapp über 30 Prozent verharren.

Wahrscheinlich würde er in diesem Fall ein Pflichtangebot zu einem niedrigeren Kurs lancieren, um seinen Anteil anschließend ungestört von Übernahmeschwellen weiter aufstocken zu können. Ihm stünden die beiden anderen Großaktionäre mit 21 Prozent gegenüber – auch sie haben angekündigt, ihre Metro-Beteiligung aufstocken zu wollen. Der Streubesitz von rund 45 Prozent dürfte vor diesem Hintergrund mittelfristig kleiner werden.

Das Unternehmen steuert damit auf unruhige Zeiten zu und droht zum Spielball des Kräftemessens seiner größten Aktionäre zu werden. Dabei sind beide Gruppen der gleichen Ansicht, dass das Management Ruhe brauche, um den Konzern wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Beisheim und Meridian sehen diese Ruhe durch die Rückendeckung langfristig denkender Aktionäre sichergestellt. Kretinsky hingegen glaubt, dass dies am besten mit einer klaren, Private-Equity-typischen Aktionärsstruktur erreicht werden könne – mit EPGC als dominierendem Mehrheitsaktionär.

Nervosität erfasst die Metro-Aktie (Ein-Monats-Chart)

Der Aktionärsstruktur reflektiert die Nervosität, die derzeit herrscht. In den vergangenen Tagen verging kaum ein Handelstag ohne heftige Kursschwankungen mit Ausschlägen von bis zu 10 Prozent. Heute verliert das Papier rund 6 Prozent auf Kurse um 14,20 Euro – über 10 Prozent weniger als am Freitagnachmittag nach dem Bloomberg-Bericht. Die große Lücke zum Angebotspreis zeigt: An den Erfolg der Kretinsky-Offerte glaubt der Markt nicht mehr.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Die Chronologie des Übernahmekampfs um den Handelskonzern, hier auf der FINANCE-Themenseite zu Metro.