Die Hamburger Reederei Rickmers entlastet ihre Bilanz.

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18.10.16
Deals

Rickmers lässt kriselnde Tochterfirma aus Bilanz verschwinden

Der Hamburger Reeder Bertram Rickmers verschiebt die Singapurer Tochterfirma Rickmers Maritime innerhalb seiner Gesellschaften. Damit entlastet er seine kriselnde Holding – zumindest optisch.

Die Hamburger Rickmers-Gruppe verschiebt ein Sorgenkind aus ihrer Bilanz. Ein verschachtelter Deal sorgt dafür, dass sich substanziell wenig bei der kriselnden Reederei ändert, CFO Mark-Ken Erdmann aber die Bücher um einen dreistelligen Jahresverlust und 271 Millionen US-Dollar notleidende Schulden entlasten kann.

Die Rickmers-Gruppe war bisher alleiniger Eigentümer von Rickmers Trust Management. Rickmers Trust wiederum ist das geschäftsführende Vehikel des verlustreichen börsennotierten Singapurer Schiffsbetreibers Rickmers Maritime.

Die Hamburger Muttergesellschaft hat jetzt den Rickmers Trust verkauft. Der neue Eigentümer ist eine Firma von Bertram Rickmers, dem Alleingesellschafter der Rickmers-Gruppe. Rickmers Trust hat keine Assets und kein operatives Geschäft – dies liegt bei der Tochter Rickmers Maritime, an der die Hamburger Holding nach wie vor mit 34 Prozent beteiligt ist.

Rickmers muss Singapurer Tochter nicht mehr voll konsolidieren

An den tatsächlichen Besitzverhältnissen im Reich von Bertram Rickmers ändert sich durch den Deal also nichts. Der Sinn der Transaktion ist offenbar, dass die Rickmers-Gruppe die operative Tochter Rickmers Maritime nun nicht mehr vollkonsolidieren muss.

Damit verschwindet nicht nur ein massiver Verlustbringer aus der Bilanz von Rickmers – im vergangenen Jahr hatte die Singapurer Gesellschaft ein Minus von 129 Millionen US-Dollar angehäuft. Zudem kann Rickmers beträchtliche 271 Millionen US-Dollar notleidende Schulden aus den Büchern nehmen, die 2017 in zwei Tranchen fällig werden. Rickmers Maritime versucht gerade, seinen Bondholdern einen Forderungsverzicht abzuringen.

Rickmers droht von Schuldenberg erdrückt zu werden

Es befindet sich jedoch nicht nur die Singapurer Tochter, sondern auch die Hamburger Muttergesellschaft in Bedrängnis. 2018 wird eine Anleihe über 275 Millionen Euro fällig. CFO Mark-Ken Erdmann hatte im April angekündigt, die Schulden der Reederei neu ordnen zu wollen. Doch der vor einem Jahr nicht zustande gekommene Börsengang und das extrem widrige Umfeld in der globalen Containerschifffahrt haben Rickmers in eine schwere Schieflage gebracht.

Die Anleihe ist inzwischen auf 20 Prozent ihres Nennwerts abgestürzt – auch weil Rickmers viel mehr Schulden zu bedienen hat als nur den Bond: Zum Ende des ersten Halbjahres wies Rickmers außerdem Bankschulden in Höhe von 890 Millionen Euro aus.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

Als Finanzchef ist es Mark-Ken Erdmann, der die Bilanz von Rickmers ins Reine bringen muss. Lernen Sie mehr über den CFO auf seinem Profil bei FINANCE-Köpfe.