Hoffnung für den Schrottrecycler Scholz: KKR steht vor einem Einstieg bei dem angeschlagenen Familienunternehmen.

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15.04.16
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Sanierungsfall Scholz verhandelt mit KKR

Der US-Finanzinvestor KKR steht vor einer Übernahme des angeschlagenen Familienunternehmens Scholz. Offenbar sind auch Hedgefonds mit von der Partie.

Es verdichten sich die Anzeichen, dass sich die Verhandlungen um die Rettung des schwer angeschlagenen Familienunternehmens Scholz dem Ziel nähern: Nachdem der Schrottrecycler vor knapp zwei Wochen bekanntgegeben hatte, dass sich das Feld der interessierten Investoren deutlich eingeengt habe, hat Scholz heute Vormittag bekanntgegeben, mit wem man exklusiv verhandelt: Es ist der US-Finanzinvestor KKR.

Der direkte Verhandlungspartner von Scholz ist der Fremdkapitalarm der US-Amerikaner, KKR Credit. FINANCE-Informationen zufolge ist damit allerdings nicht ausgeschlossen, dass KKR und seine Verbündeten gleichzeitig auch dringend benötigtes frisches Eigenkapital in Scholz einschießen könnten. Ein Unternehmenssprecher wollte diese Informationen nicht kommentieren.

Scholz-Chef: „Unterstützung durch KKR ist ein wichtiges Signal“

Scholz nennt lediglich einige Eckpunkte der laufenden Verhandlungen. Demnach zeigt sich Scholz zuversichtlich, dass „im Zuge der geplanten Transaktion der Schuldenstand erheblich reduziert“ werden könnte. Zusätzlich würde Scholz auch noch Mittel zur Working-Capital-Finanzierung erhalten. „Die beabsichtigte Unterstützung durch KKR ist nach einer langen Phase der Unsicherheit ein wichtiges Signal an unsere Mitarbeiter, Lieferanten, Kunden und Geschäftspartner“, zeigt sich Scholz-Chef Oliver Scholz erfreut.

Er verwies auch auf die „anerkannte Turnaround-Expertise“ von KKR. Diese wäre bei Scholz auch notwendig. Das Management hat zwar schon vor drei Jahren tiefgreifende Kostensenkungsmaßnahmen eingeleitet. Die widrigen Marktbedingungen am Recyclingmarkt verhindern aber nach wie vor, dass sich diese nennenswert positiv auf die Ertragssituation auswirken können. Immerhin haben sie die Ertragsrückgänge gebremst.  

Will KKR zusammen mit Hedgefonds bei Scholz einsteigen?

Mit im Boot von KKR sind offenbar auch andere bestehende Finanzierungspartner. Es ist davon auszugehen, dass dies eher nicht die finanzierenden Banken sind, sondern Hedgefonds, die vor wenigen Monaten in das Fremdkapital des Familienunternehmens, das mit knapp 1 Milliarde Euro verschuldet ist, eingestiegen sind. Die Gruppe um KKR verhandelt derzeit mit den Banken über einen Haircut. Gleichzeitig laufen Bemühungen um eine Restrukturierung der 182,5 Millionen Euro schweren Mittelstandsanleihe, die ebenfalls in einem hohen Forderungsverzicht resultieren dürften. Die für dieses Frühjahr anstehende Kuponzahlung wurde bereits gestundet.

Die derzeitigen Eigentümer – die Unternehmerfamilie Scholz und der japanische Industriekonzern Toyota Tsuho – werden im Fall einer Restrukturierung wohl einen Großteil ihrer Anteile verlieren. Toyota Tsuho will kein frisches Kapital nachschießen, doch die Familie Scholz signalisiert, dass sie weiter am Unternehmen beteiligt bleiben möchte. Dafür müsste sie aber wohl frisches Geld in die Hand nehmen.

Scholz wehrt sich gegen Klage-Gläubiger

Auch auf juristischem Gebiet kann Scholz Fortschritte vermelden. Ein Anleihegläubiger hatte seine Papiere fällig gestellt und Scholz daraufhin vor einem deutschen Gericht auf Rückzahlung verklagt. In diesem Zusammenhang stellte er offenbar auch einen Insolvenzantrag gegen Scholz. Dies hatte für Unruhe unter den Gläubigern und Kaufinteressenten gesorgt.

Nach Angaben von Scholz hat das Gericht die Klage inzwischen als unzulässig gewertet. Scholz prüft nun seinerseits rechtliche Schritte gegen den Kläger und verweist auf „Schäden, die durch dieses leichtfertige Vorgehen verursacht worden sind“.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de 

Alle wichtigen Hintergründe zur Krise und zum laufenden Investorenprozess bei dem angeschlagenen Familienunternehmen finden Sie auf unserer FINANCE-Themenseite zu Scholz.