Der Schrottrecycler Scholz bekommt etwas mehr Zeit. Die Zinsen für die Mittelstandsanleihe wurden bis Mai gestundet.

Scholz

19.02.16
Finanzierungen

Bondholder gewähren Scholz die Zinsstundung

Die Anleihegläubiger gewähren Scholz eine Atempause. Die im März fälligen Zinsen werden bis Mai gestundet. Der Druck auf das Unternehmen bleibt allerdings hoch.

Atempause für das Familienunternehmen Scholz: Der schwer angeschlagene Schrottrecycler muss die Zinsen für die 182,5 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe, die am 8. März fällig gewesen wären, vorerst nicht bezahlen. Das Unternehmen einigte sich darüber mit der vom österreichischen Gericht eingesetzten Kuratorin Ulla Reisch, die die Anleihegläubiger vertritt. Das Gericht muss der Einigung noch zustimmen.

Mit der Einigung kann Scholz eine drohende Insolvenz vorerst abwenden. Der Schrottrecycler versucht, seine Schulden zu restrukturieren und hat vor wenigen Tagen um die Stundung der Zinsen gebeten, die sich auf 15,5 Millionen Euro belaufen. Das Unternehmen, das eine Schuldenlast von fast 1 Milliarde Euro trägt, braucht dringend die Zeit, um die Rahmenbedingung der Restrukturierung mit den Geldgebern zu verhandeln. Die neue Schonfrist läuft bis zum 31. Mai.

Gläubiger von Scholz müssen sich einigen

Scholz muss jetzt mit Hochdruck an einer Einigung mit den Gläubigern arbeiten. Mit der Zustimmung zur Zinsstundung haben sich die Bondholder dafür jetzt in Position gebracht. Ihr Investment ist aktuell fast nichts mehr wert, der Kurs der Mittelstandsanleihe liegt bei um die 2 Prozent.  Die meisten Verbindlichkeiten des Unternehmens entfallen dagegen auf Banken, und diese sind im Falle einer Insolvenz als Gläubiger vorrangig. Jedoch hat keine der beteiligten Parteien Interesse an einer Insolvenz, weil damit der laufende Investorenprozess vermutlich beendet wäre.

Scholz hofft, dass die Maßnahme die notwendige Stabilität für eine einvernehmliche außergerichtliche Einigung zwischen den beiden Gläubigergruppen über die Restrukturierung der Schulden schaffen kann – den besicherten Banken und den unbesicherten Bondholdern. Federn werden beide Gruppen lassen müssen, denn ein Schuldenschnitt ist unausweichlich. Doch die Bondholder werden wohl nur einer Restrukturierung zustimmen, wenn sie dafür auch etwas bekommen.

Eine schnelle Umsetzung einer möglichen Restrukturierungslösung will Scholz durch ein Scheme-of-Arrangement-Verfahren nach englischem Recht erreichen. Dafür wurde der Sitz der Holding extra nach London verlegt. Auch für eine schnelle Übertragung der Firmenanteile an die möglichen neuen Eigentümer ist laut Aussage von Scholz bereits gesorgt.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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