Überraschende Wende im Investorenprozess von Scholz: KKR hat noch Exklusivität, aber Chiho-Tiande aus China unterbreitet den Gläubigern ein überraschendes Kaufangebot.

Scholz

03.05.16
Deals

Bieterwettstreit um Scholz

Überraschende Wende im Verkaufsprozess des Schrottrecyclers Scholz: Während die Eigentümer mit dem Finanzinvestor KKR verhandeln, taucht ein neuer Bieter aus China auf – und unterbreitet sein Angebot ausgerechnet den Senior-Gläubigern von Scholz.

Der US-Finanzinvestor KKR, der seit zwei Wochen exklusiv um eine Übernahme von Scholz verhandelt, muss überraschend um den Deal zittern. Wie das Management des angeschlagenen Schrottrecyclers bekanntgab, hat die in Hongkong ansässige, börsennotierte chinesische Chiho-Tiande Gruppe ein Kaufangebot für Scholz unterbreitet. Chiho-Tiande ist nach eigenen Angaben der größte Metallrecycler in China und damit in der gleichen Branche tätig wie Scholz.

Ansatzpunkt der Chinesen ist das besicherte Fremdkapital von Scholz. Den besicherten Gläubigern hat Chiho-Tiande eigenen Angaben zufolge ein konkretes Angebot zum Ankauf ihrer Forderungen unterbreitet. Den Nominalwert der Forderungen beziffern die Chinesen mit 524 Millionen Euro.

Eigentümer dieser Forderungen sind in erster Linie die kreditgebenden Banken von Scholz, womöglich inzwischen aber auch Hedgefonds, die die Schwäche von Scholz zum Ankauf von Forderungen unter Nominalwert genutzt haben könnten. In die kurzen Kreditlaufzeiten sind Hedgefonds FINANCE-Informationen zufolge schon Ende vergangenen Jahres im größeren Stil eingestiegen.      

Anleihekurs von Scholz vervierfacht sich

Der Vorstoß der Chinesen macht den M&A-Prozess komplex und pikant, schließlich ist es den Eigentümern – allen voran der Unternehmerfamilie Scholz – auf Grund der Exklusivitätsvereinbarung mit KKR nicht möglich, das Gespräch mit den Chinesen zu suchen. Der Chief Restructuring Officer von Scholz, Michael Thomas, wertet das Interesse von Chiho-Tiande lediglich als „klares Zeichen für die hohe Attraktivität der Scholz-Gruppe“. Die Verhandlungsposition der Eigentümer und der Gläubiger von Scholz dürfte sich durch das Auftauchen der Chinesen nicht verschlechtert haben.

Selbst für die leidgeprüften Gläubiger der 182,5 Millionen Euro schweren Mittelstandsanleihe von Scholz keimt jetzt wieder Hoffnung auf. Der Bondkurs ist schon seit über zwei Monaten im Aufwind und hat die Distressed-Niveaus von weniger als 5 Prozent, zu denen der Bond im Februar handelte, deutlich hinter sich gelassen. Aktuell bewerten Investoren die Scholz-Anleihe zu mehr als 20 Prozent vom Nennwert. Der nach österreichischem Recht begebene Bond befindet sich gerade in der Restrukturierung, der diesjährige Zinskupon wurde auf Bitten des Unternehmens gestundet.  

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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