Schlüsselübergabe?: Konzernmutter Sixt will sich von den restlichen Anteilen seiner Leasing-Tochter Sixt Leasing trennen.

Sixt SE

20.02.20
Deals

Sixt will seine Leasing-Beteiligung versilbern

Der Autovermieter Sixt will sich von seinen Anteilen an der Tochter Sixt Leasing trennen und steht dafür in Verhandlungen mit der Hyundai Capital Bank Europe. Bei dem Deal würden Sixt rund 160 Millionen Euro zufließen.

Sixt könnte sich von seiner Tochter Sixt Leasing trennen. Der Autovermieter befinde sich in Verhandlungen mit der Hyundai Capital Bank Europe, einem Joint-Venture der Santander Consumer Bank und der Hyundai Capital Services, über den Verkauf ihrer Beteiligung an Sixt Leasing. Das teilte Sixt Leasing in Reaktion auf veröffentlichte Medienberichte mit. Die Mutter hält aktuelle 41,9 Prozent an der Tochter. 

Der vorgesehene Kaufpreis liege bei 18 Euro je Aktie zuzüglich der Dividende für das Geschäftsjahr 2019, hieß es weiter. Zudem erwäge die Hyundai Capital Bank nach Kenntnis des Sixt Leasing-Vorstands, ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot an alle Aktionäre abzugeben. Noch sei aber keine Entscheidung über den Verkauf getroffen, betont Sixt Leasing.

Sixt würde knapp 160 Millionen Euro kassieren

Dem Mutterkonzern würde der Verkauf seines Aktienpakets rund 155 Millionen Euro einbringen. Sollte die Dividende wie im Vorjahr bei 0,48 Euro liegen, kämen noch einmal 4,1 Millionen Euro allein für Sixt hinzu.

Insgesamt würde der Käufer das Eigenkapital von Sixt Leasing bei einem Preis von 18 Euro je Papier mit 371 Millionen Euro bewerten. Unter Berücksichtigung der Nettofinanzverschuldung in Höhe von 1,02 Milliarden Euro sowie einem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 240,8 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2018, läge das Ebitda-Multiple bei 5,8. Zahlen für das Geschäftsjahr 2019 hat Sixt Leasing noch nicht veröffentlicht. Zum dritten Quartal 2019 lag das Ebitda bei rund 172 Millionen Euro, die Nettofinanzverschuldung bei knapp 944 Millionen Euro.

FINANCE-Köpfe

Björn Waldow, Sixt Leasing AG

Bereits während seiner Studienzeit arbeitet Björn Waldow in verschiedenen Positionen bei der Deutschen Bank. Von 2002 bis 2010 ist er bei der Unternehmensberatung Roland Berger tätig, zuletzt als Principal.

Anschließend wechselt Waldow zur Sixt-Gruppe, wo er als Managing Director im Bereich Unternehmensentwicklung für die Abteilungen Strategie, M&A, Vertriebscontrolling und Konzern-Risikomanagement verantwortlich ist. Seit April 2015 bekleidet Waldow den CFO-Posten des Sixt-Spin-Offs Sixt Leasing. Wenig später ging das Unternehmen an die Börse.

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Sixt-CFO Bremer hat ambitionierte Wachstumspläne

Mit einer Trennung könnte sich Sixt auf sein Hauptgeschäft mit der Vermietung konzentrieren. Dort hat CFO Jörg Bremer viel Geld etwa in die Digitalisierung des kompletten Produktportfolios investiert, berichtete er kürzlich in einem Interview mit FINANCE. Das Angebot dieser Plattform „Sixt One“ soll künftig ausgebaut werden, das frische Geld könnte der Finanzchef dafür gut gebrauchen. Zudem will der Autovermieter in den USA expandieren. „Unser Wachstumswille ist enorm stark“, bekannte Bremer.

Wenn sich Sixt von seiner Tochter trennt, würde sich das aber auch deutlich auf den Konzernumsatz auswirken: Im Geschäftsjahr 2018 setzte die voll konsolidierte Leasing-Sparte knapp 793 Millionen Euro um und steuerte mehr als ein Drittel zum Gesamtumsatz von rund 2,9 Milliarden Euro bei. Den Rest erwirtschaftet Sixt mit dem Vermietungsgeschäft.

Der Gewinn, den die Mutter aus dem Geschäft der Tochter verbuchen konnte, war aber durchaus überschaubar: 2018 steuerte Sixt Leasing einen Gewinn vor Steuern von rund 31 Millionen Euro zum Konzerngewinn von rund 534 Millionen Euro bei.

»Unser Wachstumswille ist enorm stark«

Sixt lotet einen Verkauf seiner Leasing-Tochter aus. Das Geld könnte der Autovermieter gut ins eigene Geschäft investieren: CFO Jörg Bremer berichtete kürzlich, wie er Angebote für neue Mobilitätskonzepte und Milliardeninvestments in die Flotte finanziert (1,99 € zzgl. MwSt.).

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Sixt Leasing musste Prognose korrigieren

2019 hatte sich das Geschäft der Tochter bislang eher schwach entwickelt, im Oktober 2019 musste der Vorstand um CEO Michael Ruhl und CFO Björn Waldow schließlich seine Gesamtjahresprognose nach unten korrigieren: So geht das Unternehmen von einem operativen Umsatz in Höhe von 465 Millionen Euro aus und damit deutlich unter dem Vorjahreswert von knapp 481 Millionen Euro, mit dem das Unternehmen zuvor gerechnet hatte. Den Gewinn vor Steuern sieht die Unternehmensführung nun bei etwa 29 Millionen statt des bislang erwarteten Vorjahreswert von 30,5 Millionen Euro. Dies begründete das Management unter anderem mit „schwächer als erwartet ausgefallenen Erlösen aus der Vermarktung von Fahrzeugrückläufern aus dem Flottenleasing-Geschäft“.

Auch mittelfristig scheint das Wachstum ins Stocken geraten zu sein. Bis 2021 rechnet man nun mit einem Vertragsbestand von 200.000 statt bisher 220.000, einem operativen Umsatz von 650 statt 700 Millionen und einem Vorsteuergewinn von 42,5 anstatt 50 Millionen Euro.

Sixt hatte seine Leasingsparte im Mai 2015 an die Börse gebracht. Die Aktien wurden damals zu einem Preis von 20 Euro platziert. Seit dem Allzeithoch von 22,81 Euro im Oktober 2017 ging es für den Kurs aber stetig bergab. Zuletzt dümpelten die Aktien um die 12-Euro-Marke herum. Mit der gestrigen Meldung schoss der Kurs allerdings zeitweise um 23 Prozent auf 17,90 Euro nach oben. Und auch die Aktionäre der Mutter befürworten den Deal offenbar, hier verteuerten sich die Titel um 4,7 Prozent auf 98,25 Euro.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

Erfahren Sie mehr über den Berufsweg des Sixt Leasing-CFOs im FINANCE-Köpfe-Profil von Björn Waldow.

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