Überraschend starkes Interesse am insolventen Windparkfinanzierer Prokon: Neben dem Finanzinvestors Capital Stage strebt offenbar auch der Energiekonzern EnBW eine Übernahme an.

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11.05.15
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Überraschendes Wettbieten um Prokon

Überraschend starkes Interesse am insolventen Windparkfinanzierer Prokon: Neben dem Finanzinvestors Capital Stage strebt offenbar auch der Energiekonzern EnBW eine Übernahme an – und es werden noch weitere Investoren gesucht.

Das Interesse an dem insolventen Windparkbetreiber Prokon nimmt zu: Offenbar ist nun auch die EnBW in den Bieterkampf um die insolvente Prokon eingestiegen. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, plant der Energiekonzern noch in dieser Woche ein Angebot abzugeben. Der Wert der im schleswig-holsteinischen Itzehoe ansässigen Prokon wird dabei auf mindestens 500 Millionen Euro geschätzt. Auf FINANCE-Anfrage wollten sich weder EnBW noch Prokon zu dem Gerücht äußern.

EnBW sieht den Windparkfinanzierer dem Vernehmen nach als gute Ergänzung zum Portfolio. EnBW investiert gerade massiv in den Ausbau seines Kraftwerkparks im Bereich der Erneuerbaren Energien und gab für dieses Segment 2014 bereits über 600 Millionen Euro aus – fast ein Drittel der Gesamtinvestitionen. Es wird aber noch dauern, bis EnBW zu einem großen Player in diesem Geschäft werden wird. Offshore hat das Unternehmen einige Windparks in der fortgeschrittenene Entwicklung, mit ihren Onshore-Windparks kommen die Karlsruher derzeit jedoch lediglich auf eine installierte Kapazität von 200 MW. Prokon betreibt  Windkraftanlagen mit über 500 MW.

M&A-Deal: EnBW und Capital Stage an Prokon interessiert

Aber nicht nur EnBW zeigt Interesse: Erst am Freitag hatte der Finanzinvestor Capital Stage kurz nach Börsenschluss ein offizielles Angebot für Prokon abgegeben. Die Hamburger wollen rund 95 Prozent übernehmen. Die verbleibenden Anteile sollen unter weiteren Investoren aufgeteilt werden. Über die exakte Höhe des Angebots ist mit dem Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin bis zur Entscheidung durch den Prokon-Gläubigerausschuss Mitte Mai Stillschweigen vereinbart worden.

Die Gläubigerversammlung Prokons soll Anfang Juli stattfinden. Dort werden die Anleger dann wählen können, ob sie das ausgewählte Investorenangebot annehmen oder einem Debt-to-Equity-Swap zustimmen, bei dem Gläubiger ihre Genussrechte in Eigenkapital umwandeln und zu Gesellschaftern werden können. Insgesamt steht Prokon bei seinen Gläubigern, in erster Linie Privatanlegern, mit 1,4 Milliarden Euro in der Kreide.

Prokon hatte Anfang 2014 nach langem Kampf die Insolvenz einreichen müssen. In der Folge geriet das Unternehmen immer wieder in die Schlagzeilen, unter anderem weil Insolvenzverwalter Penzlin und Prokon-Gründer Carsten Rodbertus sich öffentlich gegenseitig angriffen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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