United Internet

11.02.16
Deals

United Internet steigt groß bei Tele Columbus ein

United Internet ist weiter auf Einkaufstour. Nach Investments in Drillisch, Versatel und Rocket kauft der Internetkonzern Tele-Columbus-Aktien für 290 Millionen Euro. Niemand hat jetzt mehr bei dem Kabelnetzanbieter zu sagen als United.

United Internet baut seine Minderheitsbeteiligungen weiter in rasantem Tempo aus: Wie der Internetdienstleister jetzt verkündet hat, ist er zum größten Aktionär des Kabelnetzanbieters Tele Columbus aufgestiegen. Dazu hat United über seine Tochtergesellschaft United Internet Ventures gut 25 Prozent der Aktien des Kabelnetzbetreibers Tele Columbus gekauft. Die Freigabe vom Bundeskartellamt steht noch aus.

Damit wäre United der größte Aktionär bei Tele Columbus. Bislang war das mit rund 13 Prozent York Capital Management Global Advisors. Über den Kaufpreis gibt es keine Angaben. Tele Columbus hat eine Marktkapitalisierung von 1,15 Milliarden Euro, für den Erwerb der Anteile dürfte United rund 290 Millionen Euro investiert haben. Es ist der erste Deal, den Neu-CFO Frank Krause eingefädelt hat. Der ehemalige Vodafone-Manager ist seit Juli 2015 Finanzchef bei United, nachdem Ex-CFO Norbert Lang den Konzern verlassen hat.

United Internet plant keine Übernahme von Tele Columbus

Tele Columbus ist derzeit die Nummer Drei im Markt – mit weitem Abstand hinter Unitymedia und Kabel Deutschland. Der Kabelnetzbetreiber gilt seit seinem IPO im Januar 2015 als möglicher Übernahmekandidat auf dem Markt, doch United Internet betont, weder den Erwerb von mehr als 30 Prozent – bei dem ein Pflichtangebot an die Aktionäre fällig wäre – noch ein freiwilliges Übernahmeangebot anzustreben. Der Internetdienstleister wolle lediglich als „strategischer Aktionär die weitere Entwicklung der Gesellschaft begleiten und von deren Wertsteigerung profitieren“.

Analysten erwarten, dass Tele Columbus im laufenden Jahr einen Umsatz von 438 Millionen Euro und einen operativen Gewinn (Ebitda) von 205 Millionen Euro erzielen wird. United Internet erwirbt die Aktien damit zu einem EV/Ebitda-Multiple von 8,5x, was leicht unterhalb der eigenen Kapitalmarktbewertung liegt (9,5x Ebitda). 

United Internet, mit Kernmarken wie 1&1, Gmx und Web.de im Portfolio, hat sich zuletzt stark auf Shopping-Tour begeben und neben Mehrheits- auch einige Minderheitsbeteiligungen eingesammelt. Im Juli 2015 kaufte United für 155 Millionen Euro in Polen zu und übernahm vom bisherigen Hauptanteilseigner, dem Private-Equity-Fonds V4C Eastern Europe, den polnischen Webhoster home.pl. Im April 2015 wurde United größter Aktionär beim Mobilfunkprovider Drillisch, im September 2014 erwarb der Konzern den Glasfasernetzbetreiber Versatel und legte für die ausstehenden rund 75 Prozent 586 Euro hin. Kurz davor war United bei Rocket Internet eingestiegen.  

United Internet: Weitere M&A-Deals dürften kommen

United kann sich die Einkaufstour leisten, weil der Internetbetreiber sehr hohe freie Cashflows hat und im Gegensatz zu anderen Telekommunikationsunternehmen kaum in eigene Netze investieren muss. Im Geschäftsjahr 2014 lag der Free Cashflow bei 386 Millionen Euro. CFO Krause dürfte weitere Targets im Blick haben.

Schon den Zukauf in Polen verkaufte United Internet als Startschuss für eine groß angelegte M&A-Kampagne. Weil der Webhosting-Markt in Europa inzwischen weitgehend verteilt sei, wolle United Internet „künftig verstärkt auf Akquisitionen setzen“. Dafür prüft das TecDax-Unternehmen auch den Börsengang eines Teils seiner Applications-Sparte.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de