Buwog

18.12.17
Deals

Vonovia-CFO Kirsten plant den nächsten Milliardendeal

Vonovia-Finanzchef Stefan Kirsten schlägt wieder zu und will in einem Milliardendeal die österreichische Buwog übernehmen. Buwog-CFO Andreas Segal wird im Zuge des Deals seinen Job abgeben – schon wieder.

Der Immobilienkonzern Vonovia plant die Übernahme des österreichischen Konkurrenten Buwog. Damit führt Finanzchef Stefan Kirsten die ambitionierte Übernahmestrategie des Dax-Konzerns fort. Der Vorstand und Aufsichtsrat von Buwog begrüßen das Übernahmeangebot und werden es den Aktionären empfehlen. CEO Daniel Riedel und Aufsichtsratschef Vitus Eckert haben bereits angekündigt, ihre Aktienpakete zu verkaufen.

Vonovia will den Buwog-Aktionären 29,05 Euro je Aktie in bar anbieten, das ist ein Aufschlag von 18,1 Prozent auf den Schlusskurs der Buwog-Aktie vom Freitag, dem 15. Dezember. Inklusive Schulden bewertet Vonovia Buwog bei dem Deal mit 5,2 Milliarden Euro (Enterprise Value).

Ebenfalls in dieser Summe berücksichtigt ist die mögliche Ausgabe neuer Aktien aus einer Wandlung von Buwog-Wandelschuldverschreibungen. Es handelt sich hierbei um ein Volumen von 300 Millionen Euro. Dazu spricht Vonovia ein Angebot für die Inhaber der Wandelschuldverschreibungen aus. In der ersten Annahmefrist sollen den Inhaber der Wandelschuldverschreibungen je 100.000 Euro Nominalbetrag 115.753,65 Euro erhalten. In der dreimonatigen Nachfrist wird ein reduzierter Preis je Wandelschuldverschreibung angeboten.

Prof. Dr. A. Stefan Kirsten, Vonovia SE

Stefan Kirsten arbeitet nach dem Studium zunächst bei Arthur Andersen in der Wirtschaftsprüfung. Im Oktober 1987 wechselt er zu Rheinmetall Wehrtechnik, wo er Assistent des CEO wird. Nach einer Station im Controlling des Markenartiklers WMF sowie in der Finanzabteilung von EMI Music wechselt Kirsten 1996 als Group Controller zum Handelskonzern Metro, wo er 2000 Finanzvorstand wird.

2002 wechselt er als CFO zu ThyssenKrupp, bevor er 2007 als CEO des Handels- und Immobilienkonzerns Majid Al Futtaim Group in die Vereinigten Arabischen Emirate geht. Nach Stationen bei der Managementberatung SCCO International und der portugiesischen Unternehmensgruppe Jeronimo Martins SGPS wechselt Stefan Kirsten im Januar 2011 als CFO zur Deutschen Annington, die sich nach der Übernahme von Gagfah in Vonovia umbenennt. Im November 2017 wird Kirsten für seine Arbeit zum CFO des Jahres 2017 gekürt.

Im Mai 2018 verlässt er das Unternehmen auf eigenen Wunsch.

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Vonovia hat bereits Gagfah und Conwert gekauft

Die Mindestannahmeschwelle liegt bei 50 Prozent der Aktien plus eins. Die offizielle Offerte ist für Anfang Februar 2018 geplant, der Vollzug für Mitte März erwartet. Der Dax-Konzern will die Übernahme komplett mit Fremdkapital finanzieren, weitere Details sind noch nicht bekannt. Vonovia erhofft sich durch den M&A-Deal operative Kostenvorteile von rund 30 Millionen Euro pro Jahr, die bis Ende 2019 realisiert sein sollen. Sie sollen sich aus der gemeinsamen Bewirtschaftung der beiden Portfolien in Deutschland und Österreich ergeben. Vonovia hat aktuell 350.000 Wohnungen im Portfolio, Buwog 49.000. Rund 55 Prozent der Buwog-Wohnungen befinden sich in Deutschland.

Andreas Segal, Gateway Real Estate AG

Andreas Segal beginnt seine Laufbahn 1998 als Rechtsanwalt, spezialisiert auf Corporate Finance und Steuerrecht. Im Jahr 2000 wechselt er in die Immobilien- und Finanzwirtschaft, zunächst als Investmentbanker im Bereich M&A bei der Commerzbank in London und Frankfurt. 2003 übernimmt er  die Leitung der kaufmännischen Geschäfte der privaten Immobilien- und Beteiligungsgesellschaft Wegert Holding und ist parallel dazu Mitglied der Geschäftsleitung des Handelsunternehmens ProMarkt.

2006 wechselt er zu GSW Immobilien, zunächst als Leiter Finanzen, ab November 2006 zusätzlich als Leiter Controlling. 2007 wird er zunächst Kaufmännischer Leiter und kurze Zeit später CFO. Im August 2013 rückt Segal zum Co-CEO des Unternehmens auf. Im November 2013 wird GSW Immobilien von der Deutsche Wohnen AG übernommen, im Januar 2014 schließlich rückt Segal als CFO in den Vorstand von Deutsche Wohnen.

Im November 2015 trennen sich Segal und die Deutsche Wohnen überraschend. Ab Januar 2016 wird er CFO und stellvertretender Vorsitzender beim deutsch-österreichischen Immobilienunternehmen Buwog. Nach der Übernahme der Buwog-Mehrheit durch den Konkurrenten Vonovia zieht sich Segal im März 2018 vom CFO-Posten bei der Buwog zurück. Im Juli des gleichen Jahres verkündet der Immobilienentwickler Gateway, dass Andreas Segal ab September 2018 neuer CEO der Frankfurter wird. Zwei Monate später, im November, gibt er dieses Amt aber schon wieder auf.

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Für Vonovia ist das nicht die erste Übernahme in Österreich: Bereits im Frühjahr dieses Jahres kaufte der Konzern die österreichische Conwert für 2,9 Milliarden Euro. Vonovia-Finanzchef Stefan Kirsten, den FINANCE für seine Leistungen zum CFO des Jahres 2017 gewählt hat, hat bereits mehrere große M&A-Deals für den Konzern eingefädelt. Nach dem Börsengang im Sommer 2013 – das Unternehmen hieß damals noch Deutsche Annington – übernahm Vonovia bereits Ende 2014 für 3,9 Milliarden Euro den Konkurrenten Gagfah. Zum Jahreswechsel 2015/16 wollte Kirsten die Deutsche Wohnen übernehmen, diese wehrte sich jedoch gegen das 14-Milliarden-Euro-Angebot – mit Erfolg.

Buwog-CFO Segal muss seinen Job abgeben

Interessant ist in diesem Zusammengang die Rolle des aktuellen Buwog-CFOs Andreas Segal. Er wird das Unternehmen nach der Übernahme verlassen. Es ist bereits das zweite Mal, dass er seine Position aufgrund eines Übernahmeangebots der Vonovia verliert. Segal war auch CFO bei der Deutsche Wohnen, als Vonovia den feindlichen Übernahmeversuch startete. Kurz darauf schied er überraschend aus.

Auch andere Personalien stehen schon fest: Buwog-CEO Daniel Riedl soll als neues Mitglied im Vonovia-Vorstand die Verantwortung für das österreichische Geschäft sowie das Development-Geschäft übernehmen. COO Herwig Teufelsdorfer wird die operativen Geschäfte in Österreich weiterhin verantworten.

kerstin.hammann[at]finance-magazin.de

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