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Vonovia schafft Deutsche-Wohnen-Übernahme

Der Immobilienhochzeit zwischen Deutsche Wohnen und Vonovia steht jetzt nichts mehr im Wege. Foto: Vonovia

Die Zitterpartie um die Übernahme der Deutschen Wohnen durch Vonovia scheint ein Ende gefunden zu haben: Wie der Immobilienkonzern aus Bochum heute in einer Pflichtveröffentlichung mitteilte, hat Vonovia bereits 50,49 Prozent der Deutsche-Wohnen-Stimmrechte sicher. Damit steht einer Übernahme nichts mehr im Weg. Nach erfolglosen Versuchen in der Vergangenheit hatten dieses Mal beide Unternehmen im gegenseitigen Einverständnis gar auf eine Mindestannahmeschwelle verzichtet. Das erste Mal scheiterte die Übernahme diesen Sommer, zuvor versuchte es Vonovia schon 2016.

Das aktuelle Übernahmeangebot wurde von Vonovia am 23. August vorgelegt und sieht einen Preis pro Aktie im Wert von 53 Euro vor, was einem Kaufpreis von insgesamt 18,2 Milliarden Euro entspricht. Die Frist für die Annahme endet am 4. Oktober dieses Jahres, somit hat Vonovia die Mehrheit bereits vor Ende der Frist angedient bekommen.

Vonovia-CFO hatte schon alles vorbereitet

Der vorherige Übernahmeversuch war Ende Juli gescheitert. Mit 47,62 Prozent war Vonovia nur denkbar knapp an der damaligen Mindestannahmeschwelle der Hälfte aller Deutsche-Wohnen-Aktien gescheitert. Während zu wenige Aktionäre sich von dem damaligen Kaufpreis von 52 Euro pro Aktie überzeugen ließen, hatten auch Hedgefonds auf ein höheres Angebot spekuliert und den Deal verhindert.

Das Scheitern war umso ärgerlicher, als dass die Finanzierung bereits in trockenen Tüchern war. CFO Helene von Roeder hatte bereits einen Bridge Loan in Höhe von 22 Milliarden Euro, der von Société Générale, Morgan Stanley und Bank of America Merrill Lynch gestellt wurde, gesichert. Die Finanzchefin hatte sogar schon die Refinanzierung in die Wege geleitet und platzierte dafür fünf Anleihen in Höhe von 4 Milliarden Euro.

Da die geplante Fusion im Sommer von beiden Vorständen der Unternehmen befürwortet war, hatte man sich außerdem bereits auf bestimmte Personalentscheidungen im Vorstand geeinigt. So sollte im neu entstandenen Konzern die jetzige Vonovia-CFO Helene von Roeder Digitalchefin werden, während Deutsche-Wohnen-Finanzchef Philip Grosse CFO des neuen Unternehmens werden sollte.  

Großaktionär Davidson Kemper legte Steine in den Weg

Angesichts der diversen Vorbereitungen war es nicht überraschend, dass Vonovia einen weiteren Übernahmeversuch wagte. Der Konzern erhöhte den Übernahmepreis und kippte später noch die Mindestannahmeschwelle, obwohl sie zunächst noch bei 50 Prozent lag. Vonovia übernahm zudem 12,7 Millionen Aktien aus dem Eigenbestand der Deutsche Wohnen.

Außerdem hätte Vonovia weitere 3,4 Millionen Aktien aus dem Eigenbestand der Deutschen Wohnen kaufen können. Zudem brachte die Deutsche Wohnen auch noch eine Kapitalerhöhung ins Spiel, damit Vonovia im Fall der Fälle die Mehrheit erreicht.

Besonders an der zweiten Kaufoption und an der Kapitalerhöhung störte sich der Deutsche-Wohnen-Großaktionär Davidson Kempner und versuchte auf den letzten Metern, Steine in den Weg zu legen. Er warf dem Vorstand der Deutschen Wohnen fragwürdige Aktionen vor, um Vonovia die Übernahme zu ermöglichen. Kempner strebte gar eine einstweilige Verfügung gegen den Konzern aus Berlin an. Seiner Ansicht nach seien die Aktionäre bei den Verhandlungen übergangen worden. Da beide Maßnahmen letztlich aber nicht notwendig waren, damit Vonovia die Mehrheit erhält, läuft der Angriff des Hedgefonds wohl ins Leere.

jan.schuermann[at]finance-magazin.de

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